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Ein Preis für eine, die Haltung zeigt: Judith Stumptner (stellvertretende Akademiedirektorin), Shermin Langhoff (Laudatorin), Preisträgerin Du nja Hayali und Akademiedirektor Udo Hahn (v.l.).

Dunja Hayali an der Evangelischen Akademie Tutzing

„Lassen Sie sich nicht einschüchtern“

Die Fernsehmoderatorin Dunja Hayali hat den Toleranzpreis der Evangelischen Akademie Tutzing erhalten. Was fehlende Toleranz bedeutet, erlebt sie immer wieder selbst durch Anfeindungen.

Tutzing – Seit einiger Zeit moderiert sie auch das „Aktuelle Sportstudio“, doch eigentlich steht Dunja Hayali (45) eher für politisch-gesellschaftliche ZDF-Sendungen wie „Morgenmagazin“ oder eine nach ihr benannte Talkshow – und für mutiges Engagement. Sie sei „eine, die beherzt dazwischengeht und sich den Mund nicht verbieten lässt“, sagte Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, als er der Fernsehmoderatorin am Samstag im Tutzinger Schloss den Toleranzpreis verlieh. Mit ihm würdigt die Akademie Hayalis „besonderes Engagement gegen Rassismus, Fremdenhass und Rechtsextremismus“.

Hahn zeigte sich entsetzt über das „Gift“, das sich in der Gesellschaft gegenwärtig ausbreite. Er nannte Rassismus, Antisemitismus, Fremdenhass, Hetze, Hassrede und Ausgrenzung. Das Motto der Preisverleihung klingt wie eine Aufforderung zum Widerstand gegen solche „Grenzüberschreitungen“ (Hahn): „Aufstehen, gegenreden, Haltung zeigen!“

Hayali: Viele Menschen in Deutschland hätten so eine Auszeichnung verdient

Die Laudatio hielt Shermin Langhoff, Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters Berlin. Sie zeigte sich beeindruckt darüber, wie sich Dunja Hayali in Zeiten zunehmender Anfeindungen von Journalisten einmische. So etwas kennt auch Dunja Hayali selbst nur zu gut. Auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter waren neben vielen Glückwünschen zum Toleranzpreis hämische Kommentare zu lesen. „Lassen Sie sich nicht einschüchtern“, rief Akademiedirektor Hahn ihr zu. Die stellvertretende Akademiedirektorin Judith Stumptner sprach von einer „Verrohung der Sprache“. Hayali selbst bekannte: „Die Leute, die mich angreifen, arbeiten mehr in meinem Kopf.“ Eigentlich erwarte sie, dass ihr Gegenüber ihr zuhöre und auch Widerspruch zulasse. Sie sei froh, dass es in der deutschen Gesellschaft eine solche Bandbreite gebe: „Ich möchte nicht in einem Land mit nur einer oder zwei Parteien leben.“ Ihr eigenes Engagement bezeichnete Hayali als „eigentlich selbstverständlich und nicht auszeichnungswürdig“. Viele Menschen in Deutschland, die nicht so im Rampenlicht stünden wie sie, hätten so eine Auszeichnung mehr verdient, meinte sie.

Verleihung des Toleranzpreises im Rahmen einer Tagung

Die Preisverleihung fand im Rahmen einer Tagung statt, die am Wochenende ganz dem Thema „Erzählen“ gewidmet war. Künstler und Autoren wie Quint Buchholz, Christiane Hütter, Kathrin Röggla und Tanasgol Sabbagh waren dabei. Für kunstvolle Zwischentöne bei der Preisverleihung sorgte Aeham Ahmad. Der in Deutschand mittlerweile recht bekannte palästinensisch-syrische Pianist ist im Flüchtlingslager Jamuk in Damaskus aufgewachsen. Mit einem Auftritt dort hat er Aufsehen erregt, inzwischen hat er mehrere Auszeichnungen erhalten. In Tutzing brachte er eigene Kompositionen an den Tasten und zusätzlich mit seiner Stimme so impulsiv, als wolle er den gesprochenen Worten musikalisch noch mehr Nachdruck verleihen. In eines der Stücke ließ er „Die Gedanken sind frei“ einfließen, dann ein paar Takte aus Mozarts A-Dur-Sonate und aus Beethovens „Für Elise“.

Lorenz Goslich

Lesen Sie auch: So denkt Dunja Hayali über Hetze im Netz.

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