Der Gründer und seine Gäste: Dr. Hans Schmidt (l.) zeigte die Nautischen Fachbibliothek samt Zeitschriftenarchiv am Samstag interessierten Besuchern. Die Sammlung umfasst mehr als 2800 Bände zu allen Segler-Themen. Foto: Stefan Schuhbauer-von Jena

Nautische Fachbibliothek

Literatur für Windgetriebene

Tutzing - In dieser Form wohl einzigartig in Deutschland sind die Nautische Fachbibliothek und das Nautische Zeitschriften-Archiv in Tutzing. Dr. Hans Schmidt betreut die Sammlung seit mehr als 20 Jahren.

Als Dr. Hans Schmidt in den 1990er Jahren zum Vorsitzenden des Schifferrats gewählt wurde, stand in dessen Geschäftsordnung „enthält eine Bibliothek“. Nur gab es damals in Tutzings Deutschen Touring Yacht-Club (DTYC) gar keine Bibliothek. Kurz darauf füllte das langjährige Clubmitglied den Inhalt von drei vom Delius Klasing Verlag gesponserten Kisten mit nagelneuen Segelbüchern in ein Bücherregal. Das war der Anfang einer Fachbibliothek, die 21 Jahre später dank guter Kontakte zu Verlagen, Schriftstellern und Presse rund 2800 Bände, viele CD-ROM und über fast sämtliche deutschsprachigen nautischen Zeitschriften reich ist. Ein Schatz, den man sich nun einmal anschauen konnte.

Scheinbar ohne große Anstrengung führte der inzwischen 88-Jährige am Samstag Interessierte über drei knarzende Holztreppen ins Dachgeschoss des Clubhauses. Dorthin sind die Nautische Fachbibliothek und das Nautische Zeitschriften-Archiv für die rund 600 DTYC-Mitglieder oder Mitglieder anderer Vereine inzwischen umgezogen. Dort findet der Segler literarisch alles, was sein Herz begehrt. Törnführer etwa, alles ums Regattasegeln, Exotisches wie griechische Seehandbücher oder Kochbücher für Segler sowie Antiquitäten mit den niedergeschriebenen Erfahrungen alter Seelöwen. Dort gibt es neben Technischem wie das Optimieren der Geschwindigkeit seiner Yacht, Bootsbauanleitungen oder Tipps für die Bordmedizin bis hin zum belletristischen Schmökern für den Liegestuhl vor dem Clubhaus so ungefähr alles für Windgetriebene.

Schon 1995 begann der Wissenschaftler außerdem damit, die vorhandene Literatur im Computer zu archivieren – und versah jedes Buch und jede Zeitschrift mit einer kurzen Inhaltsangabe. Daraus entstand auf der Grundlage eines Programms von Jürgen Riefel das deutschlandweit im Wassersportsektor wohl einzigartige Angebot, mit Stichworten online auf www.dtyc.de nach dem gewünschten Werk zu suchen, das man anhand einer Nummer aus dem Regal ziehen kann. Die Nummer kreierte Bibliothekarin und Mitbetreuerin Angelika Jung.

Beeindruckend ist das Ausmaß des Zeitschriften-Archivs. Alleine die Suche nach Ungewöhnlichem im Verzeichnis dieses Archivs wie „Tobago“ ergibt zwölf Treffer. Und wer eine Quelle eines Zeitschriftenartikels oder auch aus der Ferne ein Buch wünscht, der kann einen Antrag ausfüllen und per Fax oder E-Mail an Schmidt schicken. Der verschickt es bei Bedarf. Selbstverständlich ist das rechtlich geprüft und abgesichert. Auch die Zusammenfassung schreibt er – ehrenamtlich und in seiner Freizeit. Er selbst verbrachte 20 000 Meilen auf See, kann aber aus Altersgründen nicht mehr segeln. „Jetzt segle ich eben trocken weiter.“

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