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Zug zum Bedenken: Die Teilnehmer marschierten drei Stationen ab.

Gedenken auf vier Kilometer

Starnberg - Rund 90 Teilnehmer haben sich am Gedenkzug in Starnberg beteiligt, mit dem an den Todesmarsch vor 70 Jahren erinnert wurde.

Zum zweiten Mal in den vergangenen Jahren hat am Sonntag ein Gedenkzug in Starnberg an den Todesmarsch Dachau erinnert. Etwa 90 Teilnehmer gingen dabei zwischen den Mahnmalen Petersbrunn und Starnberg einen Teil jenes Weges, auf welchem am 26. April 1945 rund 7000 Häftlinge des KZ Dachau unter Bewachung der SS in Richtung Süden getrieben und zu einem Großteil dabei zu Tode gekommen waren. Der von der Bürgerinitiative zur Erinnerung an den Todesmarsch Dachau sowie dem „Verein gegen Vergessen – für Demokratie“ organisierte Zug stand heuer unter der Schirmherrschaft des Landtrats Karl Roth und war vom kompletten Seniorenbeirat der Stadt, den Kirchengemeinden Starnberg und Berg, Gymnasium und Mittelschule mitgetragen und aktiv gestaltet worden.

Gegen Abschottungstendenzen

Das diesjährige Motto des rund vier Kilometer langen Gedenkmarsches „Erinnern, Gedenken, Ermahnen“ griffen verschiedene Ansprachen an den drei Wegstationen auf: Am vom Bildhauer Walter Habdank geschaffenen Mahnmal in Petersbrunn schlug Starnbergs Bürgermeiterin Eva John einen Bogen vom Erinnern zur politischen Gegenwart: „Ich finde es wichtig, dass wir uns heute hier treffen in gemeinsamen Gedenken – und als Mahnung gegen das Vergessen.“ Das Heute gebiete es gerade deshalb, dass Starnberg ein Zeichen gegen erneut aufflammende Fremdenfeindlichkeit setze und sich bereit erkläre, Flüchtlinge aufzunehmen. Der evangelische Pfarrer von Berg und Sohn des Mahnmal-Schöpfers, Johannes Habdank, erläuterte das Konzept des Mahnmals selbst: Dessen „ungeordnete Anordnung der Buchstaben“ stehe für die in Ketten gelegten Menschen, welche „depersonalisiert in einen Reigen gezwungen waren“. Der acht Tonnen schwere Stein des mit einer Eisenkette umgebenen Mahnmals, er werde das schwere Schicksal der Todesmarsch-Opfer „nicht annähernd tragen können“, so Habdank.

In Petersbrunn sprach auch Michaela Graf von der Israelischen Kultusgemeinde München: „Wir gedenken heute der Shoah, als sechs Milllionen Juden starben, wir gedenken aber auch jener nicht-jüdischen Menschen, die den Mut hatten, sich zu widersetzen.“

Im Anschluss bewegte sich der Gedenkzug zu Fuß zur evangelischen Friedenskirche an der Kaiser-Wilhelm-Straße. Die ehemalige Bundesjustizministerin und aktuelle Kreisrätin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die ebenfalls den Weg von Petersbrunn her mitgegangen war, mahnte mit Blick auf neue Fremdenfeindlichkeit im Lande und die Abschottungstendenzen Europas gegen Flüchtlinge: „Wir müssen alles tun, damit wir uns nicht wieder mitverantwortlich machen am Leid vieler Menschen.“

Zug bis zum Landratsamt

Der evangelische Pfarrer Stefan Koch beschäftigte sich mit der Frage, wie das Erinnern an die nächsten Generationen weitergegeben werden kann: „Ein Gedenktag wie dieser muss sich so lange behaupten, bis er sich als öffentliches Interesse ausweisen kann.“ Mit einigen Schülern des Gymnasiums kamen auch die Jungen zu Wort – sie zitierten den Pfarrer Martin Niemöller, der im Jahre 1976 öffentlich bekannt hatte, dass er während der NS-Zeit immer nur geschwiegen habe, wenn Andere „abgeholt“ und ins KZ geworfen wurden – er selbst sei ja kein Jude, Sozialdemokrat, Gewerkschafter gewesen. Sein Schlusssatz: „Als sie mich abholten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Endstation des Gedenkzuges war am Pilgrim-Mahnmal vor dem Landratsamt – mit Ansprachen des Landrats Karl Roth, Gedenkworten von Schülern der Mittelschule und einem Gebet wie zu Beginn des Zuges. Stadtpfarrer Koch hatte den Teilnehmern bereits gedankt: „Ein Beleg für das bürgerlich-demokratische Engagement in unserer Stadt.“

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