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Mechatroniker als Rechtsbeistand

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Gilching - Er ist Mechatroniker und hilft gerne als Rechtsbeistand aus: Deswegen muss sich ein junger Gilchinger vor Gericht verantworten. Er soll sich nämlich als Rechtsanwalt ausgegeben haben, hat aber nie Jura studiert.

Sichtlich froh gestimmt verließen ein junger Gilchinger und sein Begleiter das Amtsgericht in Fürstenfeldbruck. Der Gilchinger war wegen Titelmissbrauchs vor den Richter zitiert worden. Der junge Mann - sein genaues Alter wollte er nicht offenbaren, er verriet lediglich, Anfang 20 zu sein - soll sich vor einem Jahr bei der Germeringer Polizei als Rechtsanwalt ausgegeben haben, obwohl er niemals Jura studiert hat. Er ist Mechatroniker. Zur Verhandlung kam es dann aber nicht, sie wurde ausgesetzt.

Der Angeklagte hatte im vergangen Jahr am Starnberger Amtsgericht einen Mann verteidigt, dem Schwarzfahren mit der S-Bahn vorgeworfen worden war. Die Verteidigung war damals vom zuständigen Richter auch zugelassen worden. Trotzdem hatte dem Gilchinger die Angelegenheit einen Strafbefehl wegen Missbrauchs von Titeln eingebracht. Sein in Germering lebender Mandant war nämlich vor der Verhandlung von der Polizei abgeholt und zur dortigen Polizeidienststelle gebracht worden. Dort war ihm der Gilchinger zu Hilfe geeilt. Er hatte sich als Strafverteidiger vorgestellt, wie er berichtet. Was nach seiner Auffassung auch zulässig ist. Der Polizist aber habe Rechtsanwalt aufgeschrieben. Diese Titelführung ist dem Mechatroniker nicht erlaubt.

Als Folge flatterte ihm ein Strafbefehl über eine Geldstrafe von 1400 Euro (40 Tagessätze zu je 35 Euro) ins Haus. Gegen diesen Strafbefehl legte der Gilchinger Einspruch ein. Die Verhandlung am Fürstenfeldbrucker Amtsgericht kam allerdings nicht zustande. Der Mechatroniker war nämlich in Begleitung eines weiteren jungen Mannes erschienen, der ihn verteidigen sollte. Doch auch dieser Rechtsbeistand räumte auf Nachfrage des Richters ein, niemals Jura studiert zu haben. Er wurde folglich nicht zugelassen. Da er nicht preisgeben wolle, welche Ausbildung er habe, könne er sich kein Bild von dessen Sachkunde machen - er sei damit nicht vertrauenswürdig, begründete Richter Martin Ramsauer seinen Entscheidung. Damit aber war der Rechtsbeistand nicht einverstanden. Er legte Beschwerde ein. Ergebnis: Das Verfahren wurde ausgesetzt.

Gegenüber dem Merkur erläutert der Gilchinger, warum er gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt hat. „Ich bin unschuldig“, betont er. Seiner Ansicht nach ist es offensichtlich, „dass hier von Seiten der Polizei lediglich die Begriffe Strafverteidiger und Rechtsanwalt verwechselt wurden“. Er erläutert auch, warum er immer wieder als Strafverteidiger tätig werde: Es gebe Bürger, die sich keinen professionellen Rechtsbeistand leisten könnten. In solchen Fälle springe er ein.

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