Mediatoren gefragt

Herrsching - Nach einer turbulenten Informationsversammlung zeichnet sich für Perger der Versuch einer Lösung ab. Ein Mediator soll eingeschaltet werden, um Genossenschaft und Unternehmen wieder zusammenzuführen.

Die Differenzen schienen kaum überbrückbar. Bei einer Informationsversammlung der Perger-Genossenschaft am Samstag im Herrschinger Haus der bayerischen Landwirtschaft schlugen die Emotionen zeitweise hoch. Erst spät wurde der Vorschlag eingebracht, einen unabhängigen Dritten - wohl einen entsprechend ausgebildeten Juristen oder Berater - als Mediator einzuschalten. Für diesen Weg plädierte unter anderen der Starnberger Unternehmer Martin Eickelschulte. Jetzt soll dafür eine geeignete Persönlichkeit gesucht werden.

Nachdem am Wochenende der Stillstand drohte, wird der Betrieb, wie es aussieht, fortgeführt werden, wenn auch vorerst noch auf zum Teil getrennten Wegen. Ein Zerwürfnis hatte wie berichtet den Unternehmer Johannes von Perger und die Genossenschaft entzweit, die er im Frühjahr 2012 gegründet hatte, um seinen Betrieb für Saftherstellung nach und nach in sie einzubringen. Die neue Konstellation hatte sich jedoch bald als schwierig erwiesen.

Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der ersten Stunde traten nach und nach zurück, andere Genossen übernahmen diese Aufgaben. Inzwischen geht die Genossenschaft sogar eigene Wege, mit einem eigenen Büro, einem eigenen Lager und eigenem Hofladen. Auf der Versammlung hielt die neue Vorstandsvorsitzende Melissa Strecker von Perger vor, er habe sie beleidigt und angeschrien. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Christoph Barth aus Herrsching rechnete Forderungen der Genossenschaft an von Perger vor, die Nutzung seiner Abfüllanlage sei zu teuer, und er erpresse mit einem Produktionsstopp.

In der hoch emotional geführten Diskussion zeigten sich viele Genossenschaftsmitglieder tief irritiert, ja einige „frustriert“ und „erschüttert“ über den Streit. Sorgen wegen der Geldanlage klangen zwar immer wieder durch. Eine Anwesende sagte, sie habe dafür Teile ihrer Altersversorgung geopfert, und fragte: „Wie komme ich ohne Verluste ganz schnell wieder raus?“

Immer wieder wurde aber auch deutlich, dass es vielen Mitgliedern in diesem Fall nicht um ertragreiche Geldanlage geht, sondern besonders um ökologischen Landbau und regionale Produkte - mit viel Sympathie für Johannes von Perger persönlich, wenn Kritik an ihm auch ebenso wenig ausblieb wie an Vorstand und Aufsichtsrat. Immer wieder wurde gefordert, Genossenschaft und von Perger müssten zusammenarbeiten und gemeinsam einen Weg zu suchen. Die ehemalige grüne Landtagsabgeordnete Ruth Paulig sprach offensichtlich vielen Mitgliedern aus der Seele, als sie ausrief: „Ich will keinen anderen Betrieb - ich will genau diesen!“

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