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Beiträge waren zu hören von Christine Zurich (v.l.), Roswitha Zirngibl, India Wiborada Piwko und Verena Richter. Christine Zureich erhält die von Rosemarie Zacher gestaltete Statuette und den mit 500 Euro dotierten Siegerpreis.

Preise in Gauting vergeben

Rekordzahl bei Literaturwettbewerb

Gauting - Christine Zurich gewinnt den mit 500 Euro dotierten Literaturpreis Gauting. Feierliche Preisverleihung im Bosco.

„Heim(at)suchen“: Mit dem Titel des dritten Gautinger Literaturwettbewerbs traf Gründer Werner Gruban vom Literaturforum einen Nerv des Zeitgeistes. Im Bosco hatte die Jury diesmal die Rekordzahl von 331 Einsendungen anonymisierter Autoren zu beurteilen, so Moderatorin und Jury-Mitglied Sabine Zaplin bei der feierlichen Preisverleihung. Musikalisch mit Grammophon-Platten von Augusta Laar umrahmt, waren am Freitag die besten Beiträge zu hören.

Zum Beispiel von der Preisträgerin in der Kategorie „Jugend“, India Wiborada Piwko (14) aus Sachsen. Sie hatte sich mit ihrem Text in die Seele eines gestrandeten jungen Flüchtlings hineingeschrieben. Vom „Land der Zitronenbäume“ im bombardierten Syrien flieht die Ich-Figur. „Vermissen Sie Ihre Heimat?“ und „Was ist Deutschland für Sie?“ fragt der Journalist in dem Text. „Hier weht der Wind kälter. Es gibt große Städte mit viel Wohnraum, keine Schüsse am Tag, keine in der Nacht“ – und „keine brennenden Zitronenbäume“ mit einem „Meer aus Blut“, antwortet der ebenso namen- wie geschlechtslose Protagonist. Die erst 14-jährige India Wiborada Piwko aus Zittau in Sachsen überrascht mit der ausdrucksstarke Erzählung, so Laudator Werner Gruban. Umso mehr, als sie bei sich daheim keinerlei Berührungspunkte zu Flüchtlingen hat. „Bitte, pflegen Sie dieses Talent weiter“, bat Gruban.

Erstmals ein Preis für Lyrik

Zum ersten Mal verlieh das Literaturforum auch Preise in der Kategorie Lyrik: In Abwesenheit ehrte die Jury den gebürtigen Afghanen Faria Massum. „Seit dem Staatsstreich vom 27. April 1978 warte ich auf Frieden“, liest Peter Veith. „Doch in meiner Heimat tobt der Krieg.“ Der Dichter beschreibt das einst friedliche Paradies seiner verlorenen Kindheit in Afghanistan eindringlich – und den vergilbten Rucksack seiner Vorfahren, dessen Last er seither mit sich trägt. Veith trifft den richtigen Ton. „In meinen Armen liegt seit Jahren ein Kind. Das Kind weint. Das Kind bin ich. Suche dich an diesem Ort“, schreibt die 3. Preisträgerin Roswitha Zirngibel (46) aus Gauting in ihrer gelungen Text-Collage.

Laudator Marc Schürhoff würdigt ein witziges „Dramulette“. Auf knappen dreieinhalb Seiten hat Saxophonistin und Wortkünstlerin Verena Richter (34) aus Untermenzing ihre Heimatsuche in einem Fundbüro beschrieben. Frei nach Joseph von Eichendorff dichtet die Autorin: „Es starben alle Wälder. Vom Klimawandel umgebracht. Vom Flughafen spannte meine Seele ihre Flügel aus, als flöge sie nach Haus …Wenn ich nur wüsste, wo das ist.“

Krimi-Autorin Tanja Weber aus Gauting, Co-Moderatorin dieses Abends und erste Literaturpreis-Gewinnerin 2011, verliest die von Luitgard Kirchheim verfasste Laudatio – über die diesjährige Gewinnerin. Dies ist Christine Zureich (42) aus Konstanz. In ihrer dicht gewebten Erzählung „Nahländig“ beschreibt sie zwei achtjährige, heimatsuchende Schwestern im Nachkriegsdeutschland. Die beiden Mädchen kommen aus dem Philadelphia zurück an den Bodensee. Sie erleben dort die autoritäre Welt mit einer knöchernen Großmutter, TV-Übertragungen mit Demonstrationen gegen die Wiederbewaffnung und das Bodensee- Fön-Phänomen „Nahländig“ – aber auch die Hetzparole ihrer Schulkameradinnen: „Ami go home!“

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