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Hoffen auf Unterstützung: Maria Zagoriti und Panos Oikonomou mit ihren Kindern Perseas und dem 17 Monate alten Morfeas. 

Hilfe im Alltag

Mit Ondra wäre das Leben leichter: Gilchinger Familie sucht Spenden, um sich Assistenzhund leisten zu können

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Als Perseas Zagoriti als Zweijähriger in der Kinderkrippe keinen Kontakt zu den anderen Kindern suchte und stattdessen lieber die Wände streichelte, wurden die Erzieher und seine Eltern hellhörig. Nach drei Monaten täglichen Besuchen in der Heckscher Klinik Wolfratshausen kam die Gewissheit: Perseas leidet unter frühkindlichem Autismus.

Gilching An manchen Tagen möchte Perseas mit niemandem reden. „Er kriegt öfters Wutanfälle“, erklärt seine Mutter Maria Zagoriti. „Er möchte dann gar nicht angefasst werden.“ In der Zeit des Lockdowns sei das mit den Wutausbrüchen besonders extrem gewesen, erinnert sich die 39-Jährige. Das ging sogar so weit, dass der kleine Bub begonnen habe, sich selbst zu verletzen. Denn Perseas braucht seine klaren Strukturen, seinen heilpädagogischen Kindergarten in Andechs. In der rund 85 Quadratmeter großen Wohnung in Gilching dürfen seine Eltern nichts verändern, das irritiert den heute fast Vierjährigen.

Auch der Straßenverkehr ist für die vierköpfige Familie immer wieder eine Herausforderung. Denn es kann passieren, dass Perseas einfach so auf die Straße läuft, weil er ein Geräusch gehört hat, das keinem außer ihm aufgefallen ist. Daher muss er für gewöhnlich Schallschutzkopfhörer tragen, wenn er vor die Tür geht. Doch auch die möchte er nicht immer aufsetzen.

Abhilfe schaffen soll nun ein Assistenzhund, der Perseas einerseits beruhigt und ihm Sicherheit gibt und ihn andererseits vor gefährlichen Situationen bewahren soll. Denn der Hund ist mit dem Buben über eine Autisten-Leine verbunden. Wenn er merkt, dass Perseas loslaufen will, setzt er sich hin und der Bub kommt nicht weiter. Eine zweite Hundeleine bekommt Perseas’ Mutter an die Hand.

Der Hund ist schon gefunden: eine zweijährige Labrador-Dame namens Ondra. Sie wurde vom Verein Rehahunde Deutschland ausgebildet. Im Herbst 2019 hatte Maria Zagoriti mit dem Verein Kontakt aufgenommen. Perseas und Ondra lernten sich heuer im Juni kennen. Dafür ist der Bub mit seinen Eltern und dem 17 Monate alten Bruder Morfeas extra in den hohen Norden nach Rostock gefahren, wo der Verein seinen Sitz hat. Was Perseas’ Mutter besonders stolz macht: „Er hatte keinen einzigen Wutanfall.“ Obwohl die Familie normalerweise nie wegfährt, da jede neue Umgebung Perseas überfordert. In der Woche in Rostock habe ihr Sohn jeden Tag mehrere Stunden mit Ondra verbracht, sie waren unter anderem im Zoo, um den künftigen gemeinsamen Alltag zu trainieren.

Der Assistenzhund Ondra und Perseas haben sich im Juni kennengelernt und direkt gut verstanden.

Doch so gerne Perseas’ Familie den Hund auch bald nach Gilching holen will, eine Hürde müssen sie noch nehmen: Für das Tier und dessen Ausbildung will der Verein rund 28 000 Euro. Die ersten 4000 Euro konnten Perseas’ Eltern noch aus eigener Tasche stemmen. Doch die Gehälter der Mutter als Erzieherin und des Vaters als Monteur bei einer Gilchinger Firma lassen nach den Fixkosten wie Miete, Strom, Telefon und Auto keine großen Sprünge mehr zu. Zurücklegen können die beiden bislang nur wenig, und Begleithunde für Autisten gehören im Gegensatz zu Blindenhunden nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

Daher sind die Zagoritis auf Spenden angewiesen, um den Hund von Rostock ins Fünfseenland zu holen. Das Spenden-Konto hat der Verein Assistenzhunde Deutschland eingerichtet, die IBAN lautet DE78 1309 0000 0092 5341 18.

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