Aus dem Gerichtssaal

Das Kaninchen-Drama von Berg

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Bachhhausen - Seine Kaninchen werden von der Polizei abgeholt, während er in Handschellen gefesselt ist. Der Berger Gotthard Gröll versteht die Welt nicht mehr. „Das ist für mich Enteignung.“ Er ging vors Verwaltungsgericht.

Es muss furchtbar gewesen sein an jenem Mittwoch. Der Amtstierarzt kommt am 1. Juli 2015 in den Berger Ortsteil Bachhausen, um zu prüfen, ob Gotthard Gröll die Lebensumstände seiner Kaninchen verbessert hat. Offenbar nicht. Die Tiere werden abtransportiert. Nicht ohne Widerstand des zu jener Zeit 78-jährigen Bachhausers. Er wehrt sich so sehr, dass ihn Polizeibeamte fesseln. In Handschellen muss er zusehen, wie seine geliebten Kaninchen verschwinden. Darunter sein Lieblingskaninchen, das Ein-Ohr-Kaninchen. Vor Gericht bricht ihm die Stimme, als er von dem Tier spricht.

57 Kaninchen holt das Veterinäramt an diesem Tag ab. Im März, ein paar Tage nach seiner ersten Inspektion, holte Amtstierarzt Dr. Roland Schneider schon 15 Tiere ab. Zuvor hat er Gröll erklärt, dass dieser den Kaninchenstall verbessern müsse: Zu kleine Käfige, kein Wasser am Käfig, zu wenig Licht und zu wenig Pflege hätten die Tiere gehabt, sagt Schneider vor Gericht. Auch eine Frau von der Kaninchenhilfe habe Gröll die Notwendigkeit erklärt. „Als ich am 1. Juli kam, waren die Zustände immer noch dieselben.“ Schneiders Schilderung wird dramatisch: „Herr Gröll hat mich und die Landratsamtsmitarbeiter bedroht. Und dann war da diese 1,50 Meter lange Eisenstange...“ Gröll widerspricht vor Gericht: „Eine Eisenstange habe ich nicht gehabt. Das war ein Messer.“

Mehr als 100 Kaninchen im Stall

An diesem Punkt holte der Tierarzt die Polizei, die Mitarbeiterin von der Kaninchenhilfe verlud die Tiere. Nicht ohne Rücksicht auf Grölls Bitte, das Lieblingskaninchen zu schonen. Die Tierärztin, die bei dem Ortstermin noch dabei war, habe es an sich genommen, sagt er. „Sie hat versprochen, dass sie für das Tier sorgt“, erinnert sich Gröll.

Der Bachhauser kann die Vorwürfe der schlechten Haltung nicht nachvollziehen. Zumal seine Frau und er weitere rund 40 Tiere freiwillig an Tierheime abgegeben haben. Die Kaninchen hätten jederzeit aus ihren Käfigen können, da seien sie auch mal aufeinander losgegangen – oder hätten sich eben gepaart. Er fühlt sich zutiefst in seinen Rechten verletzt. „Wie geht das, dass man ohne Urteil zwangsenteignet wird?“, fragt er mehrmals während der Verhandlung.

Der Vorsitzende Richter Dietmar Wolff bleibt freundlich und geduldig. „Sie empfinden es so, aber eine Enteignung wäre es, wenn jemand anderes einen Nutzen hätte“, erklärt er. In dem Fall sei es darum gegangen, den Tieren etwas Gutes zu tun. „Die sind ja schon alle geschlachtet“, entgegnet Gröll.

Angeklagter will Gerechtigkeit für sich und seine Kaninchen

Nachdem mehrere Kaninchen überfahren worden waren, wurden die Behörden auf die Kaninchenzucht in Bachhausen aufmerksam. Übrigens auch ein örtlicher Wirt, der Gröll Tiere für seine Küche abkaufen wollte. Dazu kam es nicht mehr, weil die Behörde die Zucht auflöste.

Die Klage Grölls richtet sich gegen den Bescheid des Veterinäramts vom April 2015, die Haltungsbedingungen zu verbessern. Deshalb treffen sich nun alle Beteiligten vor Gericht. Dabei geht es Gröll nicht unbedingt um den Bescheid über 75 Euro, sondern um Gerechtigkeit für sich und seine Kaninchen.

Die erlangt er – gewissermaßen. Das Gericht unterstreicht, dass Gröll ja kein Haltungsverbot habe und er sich zumindest seine vier Lieblingskaninchen wiederholen könnte. „Wenn sie noch am Leben sind“, ergänzt der Richter. Einer Rücknahme der Klage will Gröll im Gerichtssaal nicht zustimmen. Er bittet sich eine Woche Bedenkzeit aus.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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