Mehr durften aus Corona-Gründen nicht in den Raum: Stefan W. Zeil (r.) und Maximilian Ardelt (2.v.r.) diskutierten am Samstagnachmittag mit Starnberger Bürgern über die Zukunft des Bahnhof See.
+
Mehr durften aus Corona-Gründen nicht in den Raum: Stefan W. Zeil (r.) und Maximilian Ardelt (2.v.r.) diskutierten am Samstagnachmittag mit Starnberger Bürgern über die Zukunft des Bahnhof See.

Gespräch nach Petition

Bürger und „Schöner zum See“ erhöhen Druck auf Stadt: Muster-Dach als Vorbild für Starnberger Bahnhof

Mehr als 550 Unterschriften wurden bereits gesammelt: Nun nimmt der Druck auf die Stadt Starnberg zu, beim Thema barrierefreier Seebahnhof mit Dächern einen Zahn zuzulegen.

Starnberg – Das Treffen zum Thema „Bahnsteigdächer und Aufzüge am Seebahnhof“ war am Samstag so reichlich besucht, wie es die Coronabedingungen gerade eben zuließen. Eingeladen ins Café Prinzregent hatten der Verein „Schöner zum See“ (SzS) und der Lokalpolitiker Stefan W. Zeil, dessen Petition zur raschen Wiederherstellung der Bahnsteigdächer mittlerweile mehr als 550 Unterschriften erzielt hat.

Nach einer Einführung ins Thema durch Zeil gab es eine Zugabe von fachlicher Seite. Hans Muche, Mitarbeiter beim Münchner Ingenieurbüro Wörsching und bereits an der Planung des Bahnhofs Starnberg Nord beteiligt, untermauerte die Position der Gastgeber. Der Architekt plädierte dafür, zunächst ein rund zwanzig Meter langes Dachstück am Bahnhof See zu rekonstruieren.

Testsegment orientiert sich an historischem Vorbild

Orientiert am historischen Vorbild, solle das Testsegment auf vier originalen Säulen stehen. „Diese können wir vom Rand des Stationsgebäudes entnehmen, ohne die Bahn zu fragen, weil der Grund dort der Stadt gehört“, sagte die frühere FDP-Stadträtin Iris Ziebart.

Durch die Zustandsanalyse, kombiniert mit drei verschiedenen Dachdeckungen aus klarem oder gefärbtem Glas, werde das kurze Testdach zwar recht teuer – Muche rechnet mit grob 100 000 Euro –, aber auch repräsentativ für eine größere Wiederherstellung des Daches. Die Untersuchungskosten der Substanz entstünden schließlich nur einmalig und machten dann eine Kalkulation für die gesamte Rekonstruktion der Dächer möglich. Der Architekt hielt auch mit seiner persönlichen Meinung nicht zurück: „Ich glaube nicht, dass die Stadt Starnberg das Nichtstun bei diesem Verhau dauerhaft gegen die Bürgermeinung durchhalten kann.“

Tempo vor Schönheit?

Eine Diskutantin forderte Tempo vor Schönheit: Ein provisorisches Dach am echten Bahnsteig, wie kurz auch immer, sei wichtiger für die Nutzer, als ein Muster-Dach. Muche jedoch warnte: Erstens bringe ein Billigdach Diskussionen mit dem Denkmalschutz, sei also keineswegs schnell zu haben. Zweitens bestehe die Gefahr, dass ein scheußliches Provisorium – einmal durchgesetzt – auf Jahrzehnte bestehen bleibe. Und drittens solle sich Starnberg endlich einmal bewusst werden, welchen architektonischen Schatz es mit dem Bahnhof habe: „Die Dächer gehören zum Ensemble: Der Bürklein-Bahnhof hat die gleiche Bau-Qualität wie die Münchner Maximilianstraße“, sagte er.

Zuletzt überwog die Meinung, die Herstellung eines Dachabschnitts von der Stadt einzufordern. „Abbau von vier Säulen am Bahnhofsgebäude, technische Untersuchung, eventueller Säulen-Nachguss und Aufbau des Dachmusters brauchen maximal ein halbes Jahr“, sagte Muche. Maximilian Ardelt, Vorsitzender von „Schöner zum See“, unterstrich: „Wir müssen die Mahnschreiben ersetzen durch konkrete Vorschläge.“

„Dann kann die Stadt die Forderung nicht mehr ignorieren.“

Ziebart denkt beim Aufstellungsort des Musterdachs an die Ecke beim historischen Wartesaal. Im Publikum schlug die langjährige Stadträtin Hannelore Hartmann vor, eine erneute Spendensammlung unter den Starnbergern zu starten, wie sie einst beim Prunkschiff „Delphin“ erfolgreich war: „Dann kann die Stadt die Forderung nicht mehr ignorieren.“

Die potenziell noch Jahre dauernde juristische Auseinandersetzung zwischen Bahn und Stadt abzuwarten, um dann einen Masterplan der Bahnsteig-Sanierung umzusetzen, dies wollte nur einer unter den rund 20 Diskutanten akzeptieren. Alle anderen wollen eine Verbesserung so schnell wie möglich – und beim Einbau von Aufzügen könne es sogar noch schneller gehen als bei den Dächern. Im Stadthaushalt seien 50 000 Euro für Aufzüge zurückgestellt, damit könnten wenigstens provisorische Plattformlifte schnell bezahlt werden, sagten Zeil und Ziebart unisono.  

Andreas Bretting

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare