Unter Beobachtung: In der Lungenfachklinik in Gauting wird der Großteil der Corona-Patienten im Landkreis versorgt. Chefarzt Dr. Lorenz Nowak spricht von einer „Besserung der Lage“ im Vergleich zum Ende des Vorjahrs.
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Unter Beobachtung: In der Lungenfachklinik in Gauting wird der Großteil der Corona-Patienten im Landkreis versorgt. Chefarzt Dr. Lorenz Nowak spricht von einer „Besserung der Lage“ im Vergleich zum Ende des Vorjahrs.

Corona in den Kliniken

Lage auf Intensivstationen beruhigt sich: Aber Pandemie-Chefarzt warnt vor „Drohpotenzial“ der Mutationen

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Die Lage auf den Intensivstationen des Landkreises entspannt sich insgesamt etwas. Neun von elf Covid-Patienten liegen in der Gautinger Lungenfachklinik. Krankenhaus-Koordinator Dr. Thomas Weiler erkennt einen Trend, warnt aber vor dem „Drohpotenzial“ der Virus-Mutationen.

Landkreis – Wie der Inzidenzwert sinkt auch die Zahl der Intensivpatienten mit Covid-19 im Landkreis: Diese Parallele zieht Dr. Thomas Weiler, Geschäftsführer der Starnberger Kliniken und zuständig für die Krankenhauskoordinierung in der Pandemie. Bayernweit ist eine gewisse Entspannung spürbar (siehe Titelseite), ein Trend, der auch im Fünfseenland zu erkennen ist: Elf Corona-Intensivpatienten (neun in Gauting, je einer in Herrsching und Tutzing) werden derzeit behandelt. Von den 35 momentan zur Verfügung stehenden Intensivbetten sind 25 belegt. Insgesamt sind 48 Infizierte in Kliniken des Landkreises in Behandlung.

Trotz des Rückgangs seit der ersten Januarwoche warnt der Chefarzt vor dem „Drohpotenzial“ der Mutationen. „Die Entwicklung ist nicht einzuschätzen. Wir sollten noch Geduld haben, es wäre fatal, jetzt zu lockern.“ Seine Empfehlung untermauert Weiler mit einem Beispiel: Auch wenn sich das Fieber gelegt habe, nehme man das Antibiotikum noch ein paar Tage weiter. Heißt metaphorisch: Man dürfe die Corona-Regeln nicht zurücknehmen, wenn die Zahlen gerade sinken. „Sonst schlägt das Pendel wieder in die andere Richtung.“

Neun der elf Covid-Intensivpatienten liegen in der Asklepios-Lungenfachklinik in Gauting. Genauso viele wie etwa Anfang Dezember. Im Normalfall kann das Krankenhaus laut Dr. Lorenz Nowak, Chefarzt der Intensiv-, Schlaf- und Beatmungsmedizin, 22 Intensivbetten betreuen, momentan aber nur 16 – wegen Krankheitsfällen beim Personal („coronaunabhängig“), und weil sich Stellen wegen der Pflegepersonaluntergrenzen (etwa mit Kräften aus dem Ausland) nicht mehr flexibel nachbesetzen ließen. „Es ist eine Besserung der Lage gegenüber November und Dezember 2020 zu verzeichnen, aber von deutlicher Entspannung können wir leider nicht sprechen“, sagt Nowak. „Wir erhalten nach wie vor täglich Anfragen für die Übernahme von Covid-Intensivpatienten.“ Trotz der dünnen Personaldecke ist in Gauting Luft nach oben: Im Katastrophenfall habe man die Gerätschaften und Platz für 36 Intensivplätze. Damit die Patienten betreut werden könnten, müsste man aber andere Bereiche einschränken.

Lungenkrebs-Operationen lassen sich nicht einfach verschieben

Letzteres ist in einer Lungenfachklinik gar nicht so einfach. Ein Großteil der OPs, etwa bei Lungenkrebs-Patienten, lasse sich nicht verschieben. „Auch die konservative Behandlung von Lungenkrebs ist zeitkritisch“, sagt Nowak. Negative Erfahrungen habe man in der ersten Welle gemacht. Aus Angst vor dem Virus hätten Schwerkranke ihre Behandlungen verschoben. „Studien belegen, dass bereits vier Wochen Zeitverzögerung zwischen Diagnose und Therapiebeginn sich negativ auf die Aussichten auswirkt.“ Ein eindringlicher Appell an alle mit schweren Lungenleiden, sich trotz Corona in Behandlung zu geben.

Auf der Station für allgemeine Pneumologie hatte es vor einer Woche mehrere Corona-Fälle unter Mitarbeitern und Patienten gegeben. Am Montag meldete die Klinik dann acht Infizierte (fünf Patienten, drei Mitarbeiter; wir berichteten). Seither seien zwei Fälle dazugekommen (ein Patient, ein Mitarbeiter). Es seien keine anderen Bereiche betroffen. Und „es sind keine schwerwiegende Verläufe dabei“, schreibt Sprecherin Beatriz Parente Matschke. Patienten und Mitarbeiter würden alle drei Tage getestet.

Krankenhäuser sind in der Pandemie vom Gesetzgeber angehalten, flexibel reagieren zu können. Sie werden dafür aber auch entlohnt. Der Gautinger Asklepios-Geschäftsführer Jörgen Wißler sagt allerdings: „Für unsere Klinik bedeutet die Freihaltung der Betten trotz Freihaltepauschale einen Verlust.“ Genau beziffern könne man ihn nicht – „wir können nur Vergleichswerte aus den Vorjahren nehmen und den realen Verlauf 2020 ohne Covid-19 nur schätzen“.

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