Überlebensgroß: Für die Figur musste erst Platz geschaffen werden. Foto: Jaksch

Nach 150 Jahren zurückgekehrt

Starnberg - Seit dem Osterwochenende ist die Heckfigur des alten Prunkschiffes Bucentaur wieder zurück im "Heimathafen" Starnberg - als Leihgabe im Museum Starnberger See.

Noch nicht der Öffentlichkeit, aber einem auserwählten Publikum aus Stadträten, Ehrenbürgern und Vertretern der Kulturstiftung präsentierte die Stadt die Heckfigur des Prunkschiffs Bucentaur aus dem 17. Jahrhundert, die dem Museum Starnberger See vom Nationalmuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wird.

Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger bedankte sich bei der zuständigen Konservatorin Astrid Scherp. Man habe die Figur der Minerva „loseisen“ müssen, so seine Einschätzung heute. Wie berichtet, hatte die Stadt zunächst wenig Interesse an der wertvollen Holzskulptur gezeigt, nachdem sich auf Vermittlung des Pöckingers Gerhard Köstler das Haus Wittelsbach und zuletzt sogar die Staatsminister Martin Zeil und Wolfgang Heubisch für die „Heimholung“ der Minerva stark gemacht hatten. Man habe sich dem „Wunsch von oben“ nicht widersetzen können, hatte Pfaffinger noch im Herbst gesagt. Museumsleiterin Frauke Oelbauer hatte jedoch Schwierigkeiten, die einzige erhaltene Figur vom schwimmenden Jagdschloss Bucentaur in das Ausstellungskonzept zu integrieren, und auch jetzt war ihr die Aufstellung nur möglich, indem sie ein anderes Exponat vorerst ins Depot verbannte.

Die Ehrengäste, unter ihnen auch Prinz Christoph von Bayern mit Sohn Korbinian, folgten den Ausführungen von Kreisheimatpfleger Gerhard Schober, der über die höfische Schifffahrt referierte. Die Minerva bezeichnete er als „ein bissl ramponiert“. Er wollte sie am Heck des Schiffs als Teil des „ausgekochten und ausgeklügelten Systems von mythologischen Beziehungen“ verstanden wissen. Und er vertrat die These, dass die Minerva auf dem Schiff als Göttin der Fruchtbarkeit zu sehen sei, weil Kurfürst Ferdinand Maria und Henriette Adelaide so lange auf den ersehnten Thronfolger gewartet hatten und sich Kindersegen erhofften. „Am wichtigsten ist der Hinweis auf die Kriegsgöttin“, meinte Schober weiter. Auch Ferdinand Maria, der gar kein Kriegsherr gewesen sei, sei als Herkules dargestellt worden. Schober: „Ich könnte mir vorstellen, dass die Leute das verstanden haben.“

Schon an Ostern ist die nach fast 150 Jahren heimgekehrte, überlebensgroße Minerva zu bewundern. Während die von Balthasar Ableithner 1663 geschaffene ölvergoldete Holzskulptur im vergangenen Jahr unter einer Vitrine zu sehen war, wird sie derzeit noch ohne schützendes Glas ausgestellt.

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