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Die Tage von Helmut Ronstedts Kokon sind gezählt. 

Wirtschaft

Nach Kokon kommt Kokon

Seefeld - Nur noch wenige Tage, dann schließt das Einrichtungsgeschäft Kokon bei Schloss Seefeld. Eventuell geht es dort aber doch ganz ähnlich weiter.

Die Kokon-Besitzer Helmut und Elke Ronstedt haben in den vergangenen Monaten ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Und es gibt eine gute Nachricht: Am Seefelder Schloss wird es unter dem Namen Kokon wahrscheinlich weitergehen.

Die Mitteilung schlug Anfang des Jahres ein wie eine Bombe: Helmut Ronstedt macht nach 29 Jahren die Einrichtungshäuser am Seefelder Schloss und im Münchner Lenbachpalais dicht, die Handelsgesellschaft Kokon GmbH wird abgewickelt. Seitdem erleben Ronstedt (73) und seine Frau Elke einen rasanten Abverkauf – und rührenden Zuspruch der Kunden. „Ich habe in meinen Leben noch nie so viele liebe Zuschriften erhalten“, sagt Ronstedt. „Das ist ein echtes Trostpflaster für uns.“ Auch im Münchner Lenbachpalais leisteten die Mitarbeiter „quasi Trauerarbeit“.

Die Kunden würden ihm das Lager nun regelrecht leerräumen, „daher schließen wir vermutlich schon in knapp zwei Wochen und nicht erst am 30. Juni“, erzählt Ronstedt. An manchen Tagen hätten bis zu fünf Lkw das Lager in Aubing verlassen, „wir hatten ja noch Ware im Einkaufswert von zwei Millionen Euro“. Die sei nun mehr oder weniger verfrühstückt. Die Frequenzzähler an den Türen des Lenbachpalais hätten in diesen Wochen mehr Kundenbesuche angezeigt als zu Weihnachten. „Wir haben hier zwischendrin am Tag 35 Tische verkauft – das muss man auch erstmal logistisch aufarbeiten.“ Die vergangenen Wochen seien also sehr fordernd gewesen, „aber nun gibt es Licht am Ende des Tunnels“. Das Gerücht, seine Firma sei insolvent gewesen, dementiert Ronstedt: „Das ist Rufmord. Wir sind nicht pleite.“

Der große Zuspruch der Kunden „war Öl auf die Seele des Kaufmanns“, sagt Ronstedt. Für die Zukunft der Einrichtungshäuser besonders im Innenstadtbereich sieht er schwarz. „Da findet ein heftiger Verdrängungskampf statt, der Einrichtungshandel ist auf die grüne Wiese gezogen.“ Der Strukturwandel in der Innenstadt sei brutal. Verantwortlich dafür seien der Online-Handel und auch die großen Möbelhäuser, die mit großen Investoren zusammenarbeiten würden. So gesehen habe er seine Nische 29 Jahre lang gut genutzt. „In den vergangenen drei Jahren war es schwieriger für uns. Die Entscheidung, aufzuhören, war richtig.“

Für das Lenbachpalais in München gibt es auch noch keine Nachfolgelösung, wohl aber für die Räume in Seefeld. „Wir sind seit Monaten in Verhandlung mit einem Ehepaar, das die Marke übernehmen möchte, und zwar inklusive Online- und Großhandel“, sagt Ronstedt. „Wir verkaufen nicht die Firma, sondern es wird eine neue Firma gegründet, die den Namen Kokon und damit das Markenrecht erwirbt.“ Die Verhandlungen seien sehr weit fortgeschritten, „bis Freitag sollte das fix sein“. Schon im August könnte dann ein neuer Kokon in Seefeld eröffnen. „Das ist schon ein Trost, dass die Idee weitergeführt wird“, sagt Ronstedt. „Auch der Zuspruch aus den vergangenen Wochen war schön für uns: Wir werden vermisst.“

Hanna von Prittwitz

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