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Ein Appell an die Hundebesitzer: Weil Kiebitze am Boden brüten, zählen freilaufende Hunde zu ihren größten Feinden. Ein Küken schaffte es im Vorjahr.

Naturschutz

Kiebitz lässt sich erneut im Aubachtal nieder

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Die Balzflüge des Kiebitz sind spektakulär, seine Rufe schrill und unverkennbar: Im Hechendorfer Aubachtal hat sich im zweiten Jahr in Folge der gut taubengroße Bodenbrüter niedergelassen.

Hechendorf – Heuer sind es sogar zwei Paare und ein einzelnes Weibchen. Bei der Jahresversammlung der Schutzgemeinschaft Aubachtal war der seltene Zugvogel deshalb auch das Thema. Denn die 39-jährige Constanze Gentz konnte die gefährdete Vogelart aus der Nähe beobachten: Sie wohnt nur wenige hundert Meter von den Brutplätzen entfernt.

Der Kiebitz ist in seinem Bestand global bedroht, seit 2015 steht er auf der Internationalen Roten Liste. Auch im Landkreis Starnberg zählt er zu den immer seltener werdenden Gästen. Im gesamten Landkreis Starnberg gehen die Ornithologen von sechs Paaren aus – „vermutlich“, wie Cornelia Gentz hinzufügt.

Entsprechend groß war die Aufregung, als die Kiebitze im vergangenen Jahr im Aubachtal gesichtet wurden. Dabei hatten sie sich ausgerechnet eine bewirtschaftete Ackerfläche ausgesucht. „Die Wiesenflächen sind viel zu trocken“, erklärt Constanze Gentz, die so unversehens zur Hobby-Ornithologin geworden ist. „Da entwickelt man schon manchmal kauzige Angewohnheiten“, sagt die 39-Jährige. Einige Male schon ist sie rufend Traktoren hinterhergelaufen oder auch den manchmal unbelehrbaren Hundebesitzern. Denn Kiebitze errichten ihre Nestkuhlen auf dem Boden. Das macht sie so angreifbar. Der Landesbund für Vogelschutz hat daher, wie schon im Vorjahr, Schilder aufgestellt mit der Bitte, Hunde an die Leine zu nehmen. „Die meisten reagieren da auch sehr besonnen. Aber es gibt so drei, vier, die das nicht akzeptieren wollen“, sagt Constanze Gentz. Viel besser laufe da die Zusammenarbeit mit den beiden Landwirten, die das Areal bewirtschaften. „Die machen da sehr gut mit.“

Auf einmal waren die Münchener Forscher da

Trotzdem ist stets Vorsicht geboten: Anfang der Woche beispielsweise tauchte unversehens das Fahrzeug eines Münchner Instituts auf, um Bodenproben zu nehmen. „Da bin ich gleich mitgefahren – denn vom Auto aus sind die Nester nicht erkennbar“, berichtet die 39-Jährige. In den nächsten Tagen sollen die Nestbereiche behutsam markiert werden. Von den insgesamt drei Weibchen haben sich zwei bereits zum Brüten niedergelassen. „Das dritte fliegt noch.“ Es ist aber gut möglich, dass auch dieses Weibchen von einem der Männchen befruchtet wird und eine Brut beginnt.

Ein Gelege besteht meist aus vier Eiern. Beide Altvögel bebrüten die Eier 21 bis 28 Tage lang. Die Küken verlassen das Nest wenige Stunden nach dem Schlupf. In den ersten zehn Tagen ihres Lebens ist ihre Sterblichkeit besonders hoch – umso größer war im Vorjahr der Jubel bei den Ornithologen, weil immerhin eins von zwei Küken überlebte.

Um den Kiebitz-Bestand weiter zu stärken, hat Gentz auch schon eine Idee: Landwirte sollen 50 Euro erhalten für jedes geschützte Gehege, das sie Kiebitzen zum Schlüpfen bieten. Dr. Oswald Gasser, Kassier der Schutzgemeinschaft Aubachtal und Dritter Bürgermeister Seefelds, sagte sofort zu und bekam bei der Jahresversammlung mächtig Applaus. Und ein Mitglied der Schutzgemeinschaft sagte später noch: „Der beste Schutz für die Kiebitze ist die Begeisterung der Constanze.“

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