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Da geht’s lang: Fast scheint es, Kreisrat Helmut Wagner wolle dem Kreis den Weg zur Marke weisen und auf Meran zeigen. Dort informierte sich der Kreistag über die Südtirolmarke – und lernte viel. Etwa, wie man mit einheitlichen Bahnhöfen, innovativen Fahrkarten und Zügen in Markenfarbe aus einer stillgelegten Bahnstrecke ein Rekordunternehmen macht.

Neues Profil für den Landkreis

Der Regionalmarke auf der Spur

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Der Markenprozess im Landkreis Starnberg kommt in die entscheidende Phase. Ein Name für die Region ist gefunden – und am Wochenende ließ sich der Kreistag in Südtirol zeigen, was eine Regionsmarke bewirken kann. Bis zum Herbst soll es Logo und Markenregeln geben.

Starnberg/Meran – Thomas Aichner ist für Landrat Karl Roth ein idealer Referent im Kreistag. Der Kommunikationschef von IDM Südtirol, der Marketinggesellschaft für die Region, kann wirklich überzeugen. Bei einer Informationsfahrt des Kreistages nach Meran erklärte Aichner rund drei Dutzend Kreisräten, Verwaltungsmitarbeitern und Vertretern der Wirtschaftsförder- und Tourismusgesellschaft gwt, was eine Marke ausmacht – den Unterschied zwischen Spitzenklasse und Mittelmaß, zwischen wirtschaftlichem Erfolg und ökonomischem Durchschnitt. Der seit drei Jahren laufende Markenprozess im Landkreis kommt nun in die entscheidende Phase, und überzeugt sind nicht alle.

Eine Marke war die Region bisher touristisch, vermarktet als Starnberger Fünf-Seen-Land. Das reicht nach Ansicht von Christoph Winkelkötter, Geschäftsführer der gwt, aber nicht aus. „Wirtschaftsförderung muss auch weiterdenken.“ Derzeit kann sich der Kreis vor Zuzug und Unternehmensanfragen kaum retten, und ein massiver Ausbau des Tourismus, der 4,5 Prozent der Arbeitsplätze stellt, dürfte kaum das Wohlwollen von weiten Teilen der Bevölkerung finden. Die Lage könne sich sehr schnell ändern, durch die Weltpolitik ebenso wie durch Rückschläge wie einst die Dornier-Insolvenz. Für solche Fälle müsse man gerüstet sein, und eine Marke helfe auch dabei, die Entwicklung zu steuern. „Es geht nicht um mehr, mehr mehr. Wir müssen die Region weiterentwickeln.“ Das gilt für den Wirtschafts- ebenso wie den Wohnstandort.

Gruppenbild mit Sisi: Mehr als 30 Kreisräte, Verwaltungsmitarbeiter und Vertreter der gwt informierten sich in Meran über die Marke. Auf Schloss Trauttmansdorff trafen sie auf eine alte Bekannte - Kaiserin Sisi lebte dort einige Zeit.

In der Marke definiert der Kreis, was er ist und auch, wofür er steht. Der Markenname ist seit voriger Woche fix: StarnbergAmmersee, genau in dieser Schreibweise. Untermarken sind möglich, etwa Wirtschaftsregion oder Kulturregion. Fünfseenland war den Gesellschaftern der gwt – Kreis, Gemeinden und Unternehmen, die auch die Kosten tragen – einerseits nicht genau verortbar, weil es viele Regionen mit fünf Seen gibt, andererseits zu touristisch, zu sehr mit Freizeit und Erholung besetzt. Zudem fühlten sich Krailling oder Gilching nicht dazugehörig, sagt Winkelkötter. Bei der Marke geht es aber nicht nur um Tourismus. Das Fünfseenland, so die Erfahrung auch von Landrat Roth, kenne man eher weniger – den Starnberger und Ammersee hingegen schon.

Aichner machte deutlich: Eine Marke braucht Zeit, zehn Jahre waren es in Südtirol. Es sei viel Kleinarbeit, Beratung, Überzeugungsarbeit. Und man müsse klare Regeln erstellen, wer unter die Marke darf oder nicht. Diese Regeln auf Basis des Selbstverständnisses – formuliert im Landkreis mit „der hochwertigste Lebens- und Wirtschaftsraum in direkter Nachbarschaft einer Weltstadt“ – sollen bis Herbst vorliegen, kündigte Winkelkötter an. Gleiches gelte für ein Logo. Winkelkötter stellt jedoch klar: „Wir wollen Südtirol nicht kopieren.“ Den Namen hält er für zweitrangig: „Es geht um das Gefühl“, das Selbstverständnis von Firmen und Bevölkerung, die wahrgenommene Lebensqualität. Das reiche von der Busverbindung bis zu Kinderbetreuung.

Vereinfacht gesagt hieße das: Wer das Markenlogo StarnbergAmmersee will, um damit zu werben, muss Vorgaben erfüllen, die sich an sieben Kernbegriffen orientieren. Beispiel „erfinderisch“: Will eine Firma das Prädikat, muss sie neue Verfahren nachweisen. Die Marke garantiert also Qualität.

„Wir müssen schauen, dass wir attraktiv bleiben“, meint der gwt-Chef. Und Landrat Roth zückt den Fußballvergleich: Der FC Bayern spiele an der Spitze, doch müsse er viel trainieren, um dort zu bleiben. Und Geld ausgeben: Etwas mehr als 100 000 Euro hat der Markenprozess bisher gekostet, weitere Ausgaben werden folgen. Andere Landkreise, die Roth zufolge Starnberg gerade nacheifern wollen, rechnen mit rund 400 000 Euro und mehr. Südtirol hat ebenfalls rund 400 000 Euro in den Prozess gesteckt.

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