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Trauriges Überbleibsel: Wegen des Borkenkäfers mussten große Flächen Wald auch auf der Nordseite des Königsbergs gerodet werden. Dabei wurden die Nistkästen zerstört. Sie sollen nun ersetzt werden. 

Naturschutz

Nistkästen bleiben auf der Strecke

Beim Kampf gegen den Borkenkäfer im Wald bei Breitbrunn sind die Nisthilfen des Forstamts zu Bruch gegangen. 

Breitbrunn – „Was ist denn eigentlich mit den Meisenkästen, die an den Bäumen angebracht waren“, fragte sich der Breitbrunner Michael Bubetz vor ein paar Tagen. Die Nistkästen fielen im August im wahrsten Sinne den Borkenkäfern zum Opfer, die sich an den Fichten auf der Nordseite vom Königsberg satt fraßen. Im August zog das Forstamt Andechs aus und fällte die angeschlagenen Bäume – und mit ihnen die Behausungen der Meisen.

Die 15 bis 17 Vogelhäuschen hatte 1991 die Wald-Genossenschaft angebracht, erinnert sich Fritz Bartl, der damals die Kasse unter sich hatte. „Die Meisenkästen waren immer gut belegt“, weiß der Breitbrunner und ist ganz der Meinung von Bubetz, dass man diese ersetzen sollte. „Es pressiert, denn im Frühjahr brüten die Meisen wieder“, betont der Vogel- und Naturliebhaber Bubetz.

Übrig geblieben ist ein einziges Häuschen. Mit Glück, denn es ist an einem Laubbaum befestigt und Laubbäume schmecken dem gemeinen Borkenkäfer bekanntlich nicht. Ansonsten schaut es wild aus im Wald am Königsberg. Von außen fallen die umgeschlagenen Bäume überhaupt nicht auf, denn die Fichten wuchsen im Waldinneren – und dort sind jetzt Lichtungen, die vor ein paar Wochen noch dicht bewachsen waren. Von einer Stelle aus sieht man sogar den Ammersee.

Am Fuße des Berges wurden die gefällten Baumstämme aufeinandergeschichtet. Bei näherem Hinsehen kann selbst der Laie erkennen, wie krank die Bäume schon waren: Einige sind komplett hohl, andere sind sichtbar morsch. Förster Luitpold Schneider vom Forstamt Andechs, der Außenstelle des Amtes für Landwirtschaft Ernährung und Forsten, spricht von 20 000 Festmeter Borken- und Sturmholz im Landkreis in diesem Jahr. „2017 war ein Katastrophenjahr“, sagt er. Bei den intensiven Fällarbeiten seien die Nistkästen total untergegangen. Man sei einfach zu sehr damit beschäftigt gewesen, dem Borkenkäfer Herr zu werden.

„In einigermaßen ökologisch bewirtschafteten Waldgebieten finden die Meisen in der Regel genügend Nistplätze“, erklärt Horst Guckelsberger auf Rückfrage des Starnberger Merkur. Der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz, Kreisgruppe Starnberg, begrüßt allerdings die Initiative Bubetz, wieder Kästen aufzuhängen. „Wenn sie gut angenommen wurden, dann sollte man sie auch wieder aufhängen.“ Auch, weil die Vögel gerne dorthin zurückkehren, wo sie bereits erfolgreich gebrütet haben.

In der Natur gehören die kleinen Piepmätze zu den Nachmietern der Höhlen, die die Spechte ins Holz hacken. Die Vorarbeit des Spechtes würde dann der Rentner Bubetz übernehmen, denn er hat angeboten, die zukünftigen Wohnungen der Meisen in seiner Werkstatt in Breitbrunn zu zimmern.

Michele Kirner

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