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Seit über einem halben Jahrhundert Mieter: Für Josef Huber ist die gemeindliche Obdachlosenunterkunft an der Forst-Kasten-Straße eine Idylle. Die wird aufgrund des schlechten baulichen Zustands nun abgerissen.

Obdachlosenunterkunft

Abriss nach 55 Jahren: Herr Huber muss raus

Die Baracken der Obdachlosenunterkunft an der Forst-Kasten-Straße werden abgebrochen. Das hat der Bauausschuss beschlossen.

Stockdorf –„Schade“, sagt Josef Huber (78). „Schade“, dass die gemeindliche Obdachlosenunterkunft an der Forst-Kasten-Straße in Stockdorf abgebrochen wird. Denn damit verliert Huber „nach 55 Jahren“ sein angestammtes Heim. Ende der 1960er-Jahre hatte der gelernte Maurer die bescheidene Unterkunft in der Waldrandidylle für seine damalige Großfamilie ausgebaut. „Mir fällt das schwer“, sagte der 78 Jahre alte Mieter gestern, einen Tag nach dem Beschluss des Bauausschusses, die nach dem Krieg errichteten maroden Baracken aufzulösen. Das Rathaus habe ihm schon mitgeteilt, dass er aus der Unterkunft ausziehen muss. Vom 1. April an bekomme er eine Sozialwohnung in Gauting, sagt Huber.

Doch das gewohnte Leben direkt am Waldrand mit Holz sammeln und spalten „wird mir fehlen.“ Ebenso seiner Großfamilie: Jedes Wochenende besuchen Tochter, Schwiegertochter, Enkel und Urenkel den Witwer in der Idylle am Rand von Forst Kasten. „Wenn die Gemeinde die baufälligen Baracken abreißt, kann ich leider nichts ändern“, fügt sich Josef Huber in sein Schicksal.

Feuerwehreinsatz an Weihnachten 2015

Noch kurz vor Weihnachten 2015 hatten die örtlichen Feuerwehren in der Obdachlosenunterkunft einen Schwelbrand gelöscht (wir berichteten). Eine der maroden Baracken ist bereits abgebrochen. Auch die zweite und dritte seien kaputt und in einem „erbarmungslosen Zustand“, hieß es am Dienstagabend im Bauausschuss. Es bliebe nur noch der Abbruch, betonte Vize-Bürgermeister Dr. Jürgen Sklarek (SPD).

Mittlerweile hat es auch einen Ortstermin mit der Kreisbehörde gegeben. Ergebnis: Das Landratsamt genehmigt im Außenbereich von Stockdorf kein Ersatzgebäude. Dass die Behörde die heruntergekommenen Behelfsheime am Waldrand seit 70 Jahren als „vorübergehend“ hingenommen hätte, sei ohnehin ein Wunder, fand Eva-Maria Klinger (CSU). Einstimmig beschloss der Bauausschuss, das Planverfahren für einen Ersatzbau einzustellen.

Schnelle Lösung nicht in Sicht

Nun ist Not am Mann: Drei verbliebene Personen aus der abbruchreifen kleinen Obdachlosensiedlung müssen umgesetzt werden, sagte Rathaussprecher Reinhold Zellner. Der Gemeinderat plant bereits auf dem gemeindlichen Grundstück Ammerseestraße 14/ 16 einen neuen, staatlich geförderten Muster-Modulbau, erinnerte Vize-Bürgermeister Sklarek. In zweiter Reihe, Richtung Park-&-Ride-Gelände, wird der Zweckverband Wohnen das minimalistisch konzipierte Mietshaus für „sozial Schwache“ bauen (wir berichteten).

Weil die drei Personen aus der Stockdorfer Obdachlosenunterkunft aber dringend eine Alternative brauchen, riet Wolfgang Meiler (BiG) zu einer Containerlösung. „Gute Idee“, sagte Sklarek. Denn die Genehmigung fürs Gautinger Modulmietshaus mit zahlbaren Wohnungen beim Bahnhof könnte sich noch hinziehen. Das schon in Aussicht gestellte Förderprogramm sei ausgelaufen, erläuterte Bauamtsleiter Härta. 

Von Christine Cless-Wesle

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