Extremer Stromausfall in Teilen Südamerikas: Millionen Menschen ohne Elektrizität

Extremer Stromausfall in Teilen Südamerikas: Millionen Menschen ohne Elektrizität
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An den Monitoren kontrollieren Mitarbeiter die technischen Daten, auf dem Bildschirm über ihnen führt Alexander Gerst auf der ISS Experimente durch.

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Von Katzenwäsche bis Kabelsalat

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Wie geht es eigentlich Alexander Gerst im All? Wir haben im Kontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen nachgeschaut.

Oberpfaffenhofen– „Ich leg mich mal hin.“ Dieser Satz dürfte auf der ISS, in 400 Kilometer Höhe, wohl für Gelächter sorgen. Denn die Sache mit dem Schlafen dort oben ist ein Kapitel für sich. „Jeder Astronaut hat ein Quartier, das etwa so groß wie ein Experimentierschrank ist“, erklärt Jan Marius Bach, Flugdirektor im Columbus-Kontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Das Quartier ist etwa 1,20 Meter auf zwei Meter groß. Die persönlichen Sachen sind mit Klettbändern befestigt und es gibt eine Art Schlafsack, in den der Astronaut abends hineinsteigt. 

Weil es wegen der fehlenden Schwerkraft kein oben und unten gibt im Weltraum, kann der Astronaut streng genommen kopfüber schlafen, muss sich aber irgendwie in dem Sack befestigen. Für die Arme gibt es Löcher. „Die schweben dann nachts so um einen herum, weshalb manche Astronauten sie dann wohl doch in den Schlafsack stecken“, sagt Bach, der mit etwa 50 Mitarbeitern rund um die Uhr dafür sorgt, dass es den Astronauten gut geht im All und sie ihre Experimente ohne Zeitverluste durchführen können.

„Wird schon auch mal über uns am Boden gelästert“

Die letzte Nacht allerdings war zumindest für das Team auf der Erde ziemlich kurz, wenn auch nicht wegen entfesselter Arme: Ein Koffer mit Experimentiermaterial war verloren gegangen. In so einem Fall müssen alle Daten im Computer gecheckt werden – „Alles an Bord ist eingescannt und im Rahmen eines Ladesystems verstaut worden“, erklärt Bach. Gegen Mitternacht erst tauchte der Koffer wieder auf.

Ansprechpartner für Alexander Gerst in Oberpfaffenhofen: Jan Marius Bach aus Hechendorf.

Im Kontrollzentrum herrscht in diesen Tagen konzentrierte Ruhe. Zwei bis drei Mitarbeiter sind rund um die Uhr damit beschäftigt, die Abläufe zu planen, die Rechner zu kontrollieren und zugleich mit den allen Nationen, die an der ISS beteiligt sind, zu kommunizieren: also den Russen, den Amerikanern, den Kanadiern, den Japanern und den insgesamt zehn beteiligten Ländern der EU. Meist wird englisch gesprochen. Einmal pro Woche kommuniziert Gerst nur mit Bach und Berti Meisinger, Missionsdirektorin bei der europäischen Raumfahrtbehörde ESA. „Da reden wir auch mal Deutsch, da hört man besser die Töne zwischen den Zeilen“, sagt Bach. Er weiß schon, dass die Astronauten in Anspannung leben im All: „Da wird sehr konzentriert gearbeitet, da kann man schlecht Dampf ablassen. Also wird schon auch mal über uns am Boden gelästert. Aber das ist normal“, sagt der 32-Jährige, der Luft- und Raumfahrtechnik in Stuttgart studiert hat und in Hechendorf lebt.

Gerst soll keine Überstunden machen

Auf großen Zeittafeln im Kontrollzentrum sind akribische Stundenpläne für alle Astronauten zu sehen, daneben schwebt auf großen Monitoren plötzlich Gerst durchs Bild. Er sucht konzentriert die Gerätschaften für das nächste Experiment zusammen. Dabei ist er umgeben von Kabeln, Schläuchen, Steckern und Kisten, aus der Ferne scheint dort oben das völlige Chaos zu herrschen. „Das ist tatsächlich ein Problem: Es kann nicht alles weggeräumt werden, es ist kein Platz“, weiß Bach. Also muss sich Gerst durch den Kabelsalat kämpfen. 151 Experimente haben die Astronauten auf ihrem Stundenplan, an 41 sind deutsche Institute und Universitäten beteiligt.

Bei allen Anforderungen und dem Zeitdruck wird vom Boden aus auch akribisch darauf geachtet, dass Gerst keine Überstunden macht. „Er hat ja noch ein paar Wochen vor sich – er sollte sich nicht überarbeiten“, sagt Bach. Allein zweieinhalb Stunden täglich sind für Sport eingeplant. Und samstags wird geputzt: Dabei müssen vor allem die Filter gereinigt werden, die unentwegt die Luft in der ISS säubern. Den Rest der Zeit verbringen die Astronauten mit Fotografieren, sie können aus dem All auch jeden Telefonapparat anrufen.

Ein Profi schwebt im Schneidersitz

Was die Hygiene angeht, so ist während der 190 Tage, die Gerst im All ist, Katzenwäsche angesagt. Für die Haare muss Trockenshampoo reichen – bei Gerst eher das kleinere Problem. Für den Rest des Körpers gibt es allerdings auch nur feuchte Waschlappen. Die Handgriffe für den Toilettengang haben die Astronauten in Houston geübt: Dort gibt es einen Toilettentrainer. „Es wird alles mit Schläuchen abgesaugt“, sagt Bach. Medikamente sind an Bord, die Astronauten haben auch gelernt, im Notfall ihren Kollegen einen Zahn zu ziehen. Ob ihnen vorsorglich der Blinddarm entfernt wird, das weiß Bach nicht genau. Knochenbrüche kommen zum Glück nicht vor im All, das gilt auch für Schnittwunden. Schließlich gibt es Teams, die sich nur mit der Sicherheit an Bord befassen – „Da gibt es keine scharfen Ecken und Kanten“, erklärt Bach. Sollte es zu größeren Schwierigkeiten kommen an Bord, können die Astronauten die ISS mit der Sojus-Kapsel verlassen – jeden Tag werden die Zeiten für den möglichen Rückflug durchgegeben.

Auf den Monitoren im Kontrollzentrum ist immer noch ein konzentriert arbeitender Gerst zu sehen. Im Hintergrund schwebt aufrecht und fast im Schneidersitz eine Kollegin vorbei. „Daran erkennt man die Profis“, sagt Bach zufrieden und lacht. „Nur die Anfänger wählen die ’Superman’-Position mit dem Kopf voraus.“

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