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Der Laden hat Spaß gemacht, bis Erik Berthold zu 80 Prozent mit dem beschäftigt war, was nichts mit dem zu tun hat, was er eigentlich will. Ab April gibt er nur noch Konzerte.

Zu viele Vorschriften: Erik Berthold schließt „Acoustic Corner“

Irgendwann reicht’s

Erik Berthold zieht die Reißleine: Er schließt seinen Musikalienhandel „Acoustic Corner“ in Oberpfaffenhofen.

Oberpfaffenhofen – Es herrscht Trubel in der „Acoustic Corner“ bei Erik Berthold. Gerade verlassen zwei muntere Buben mit einer Gitarrentasche den Laden, als ein Mädchen den Raum betritt. Eskommt zum Musikunterricht. In der Musikschule „Easy Learning“ unterrichten 15 Lehrer rund 250 Schüler – noch bis Ende April. Zehn Jahre nach Eröffnung machen Laden und Musikschule zu.

Er ist Idealist, der aus einem Impuls heraus Projekte ins Leben ruft, die andere vorher genau durchrechnen. Geld spielt in seinen Überlegungen keine Rolle. Auch damals nicht, als sein Bandkollege vor gut zehn Jahren beschloss: „Ich möchte Schüler unterrichten.“ Das war, als Berthold und seine Bandmitglieder an der Gautinger Straße Gitarren, Schlagzeug und Verstärker einlagerten, eine Kaffeemaschine aufstellten und warteten. „Die Leute kamen rein und wollten Instrumente kaufen“, erinnert sich Berthold. Also besorgte er fünf Gitarren, die sofort über den Ladentisch gingen. Die ersten Schüler meldeten sich, kauften in Zehnerblöcken den Unterricht.

Den Ertrag teilte der heute 53-Jährige mit den Lehrern. „Nach Abzug aller Kosten blieben mir ein Euro pro Schüler.“ Bald standen die Schüler Schlange, der Platz wurde eng. Kurzerhand funktionierte der fünffache Vater ein Kinderzimmer um. In jedem verfügbaren Raum wurde musiziert. Der Schlagzeugunterricht fand erst im Gebäude gegenüber statt, dann im „Il Plonner“.

Vor fünf Jahren musste sich der Mann, der einst aus Enthusiasmus einen Ort der Musik gegründet hatte, doch Gedanken über Geld machen. „Wir brauchten Fördergelder.“ Er wandte sich an den Bundesverband der freien Musikschulen. „Ich hatte keinen Status und keinen Abschluss.“ Aber ohne Nachweis kein Fördergeld. Die Lehrer waren wie er selbst Autodidakten. Aber der Bundesverband wollte sie trotzdem aufnehmen, und es reichte ihm, dass einer das Abitur mit Musik abgeschlossen hatte.

Die Förderung mit jährlich etwa 6000 Euro war eine Hilfe, aber dafür nahmen die Auflagen zu. Angefangen bei mit dem Feuerlöscher vernetzten Rauchmeldern, VDE-Prüfung für jedes elektrische Gerät, Versicherungen, Künstlerkasse, Heizung und vieles mehr. „Ich hatte einen Mitarbeiter, der nur Formulare ausfüllte.“ Dann sollte Berthold auch noch eine neue Ladenkasse anschaffen und die Fördergelder standen erneut auf dem Prüfstand.

Kurz vor Jahresende saß Berthold stundenlang da und holte Umwelt-Bescheide für alle Instrumente ein. Das alles neben jährlich 200 Auftritten. „Wenn 80 Prozent deiner Arbeit nix mit dem zu tun hat, was du machen willst, reicht’s“, sagte er und besinnt sich in Zukunft auf sein Hauptgeschäft: die Auftritte.

Die Lehrer können ihre Schüler auch weiterhin privat unterrichten. Die Francis-Band mit behinderten Musikern, die Arbeit mit Asylbewerbern, die Benefiz-Konzerte, das Kulturbüro und die Workshops leben weiter. „Den Raum würde ich gerne an jemanden vermieten, der daraus etwas Kreatives macht.“ Eine Floristin meldete bereits Interesse an. Blumenverkauf, vielleicht verbunden mit einem Kaffee, die Maschine dazu gibt es ja schon.

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