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Zwei von insgesamt fünf Flüchtlingen, die derzeit beim DLR ein Praktikum absolvieren (v.l.): der 23 jährige Merhaba Asfeha und und Samuel Zeresenay (19), beide aus Eritrea.

Berufseinstieg für Flüchtlinge

Zuerst gibt’s immer Kaffee für die Chefin

Oberpfaffenhofen - Beim DLR läuft ein Pilotprojekt, das als einzigartig in Bayern gilt. Montags bis freitags verbringen dort 15 Flüchtlinge den ganzen Tag – erst in Integrationskursen, dann in Praktika.

Auf diesem Gelände weht praktisch täglich der Duft der großen weiten Welt: Menschen mit unterschiedlichsten Nationalitäten sind am Oberpfaffenhofener Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig oder zu Besuch. 15 Flüchtlinge, die mittlerweile hinzugekommen sind, „fallen deshalb nicht auf“, sagt Gerhard Schindler. Der Leiter des Starnberger Jobcenters freut sich sichtlich, dass das DLR eine „derartige Offenheit“ für die Asylbewerber gezeigt habe – für ein Pilotprojekt, das in Bayern als einziges dieser Art gilt.

Das Besondere ist die Verbindung von Integrationskursen vormittags mit Praktika an den Nachmittagen. Für die Kurse kommen eigens Vertreter der Volkshochschule nach Oberpfaffenhofen. Die Praktika werden dann auf Ein-Euro-Basis in Instituten des DLR abgehalten. So sind die Flüchtlinge den ganzen Tag auf dem selben Gelände, was anderswo kaum der Fall ist. Sie sind speziell dafür im ganzen Landkreis Starnberg ausgesucht worden, mussten zunächst einen Test absolvieren und sich einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen.

Bei dem Projekt arbeitet das DLR mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, dem Landratsamt und der Wirtschaftsfördergesellschaft zusammen. Federführend zuständig ist die frühere Leiterin des DLR Oberpfaffenhofen, Dr. Jutta Graf, die mittlerweile eine Organisationseinheit „Wissenschaftliche Information“ leitet und außerdem Flüchtlingsbeauftragte für alle 40 Institute an 20 DLR-Standorten ist. Der Kontakt kam über Landrat Karl Roth und Wirtschaftsförderer Christoph Winkelkötter zustande, wie sie erzählt. Das DLR stelle hierfür seine gesamte Infrastruktur zur Verfügung.

Sehr positiv äußert sich Jutta Graf über das Verhalten der Flüchtlinge, die aus Eritrea und Syrien stammen. Bisher seien keinerlei negative Erfahrungen mit ihnen gemacht worden: „Wenn ich zu ihnen komme, bieten sie mir immer gleich einen Kaffee an.“ Einige haben noch keine Ausbildung, einer aus Eritrea hat Abitur, er will auch studieren. Mehrere der Flüchtlinge zeigen Interesse an Ausbildungen, die ihnen das DLR anbieten will, so für Berufe wie Elektriker, Mechaniker oder Koch. Für einen der Flüchtlinge wird laut Schindler im nächsten Jahr eine Festanstellung erwartet.

Für die Integrationskurse sind 600 Stunden angesetzt worden. Im Verlauf des Projekts hofft man alle Teilnehmer bis zum Sprachniveau A2 oder B1 nach dem europäischen Referenzrahmen bringen zu können. Für ein Hochschulstudium wird mindestens B1 verlangt. Anfang Oktober war zunächst – schon aus Sprachgründen – mit den Kursen begonnen worden. Als Praktikanten werden die Flüchtlinge seit etwa zwei Wochen eingesetzt.

Lorenz Goslich

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