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Die Do228, die immer noch unter anderem in Oberpfaffenhofen gebaut wird, wurde hier zum Versuchsträger mit Elektroantrieb umgerüstet.

Neue Do328-Version geplant 

Comeback der Dornier 328 - Flugzeug soll wieder gebaut werden

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In Oberpfaffenhofen wurde in den 1980er Jahren die Dornier 328 entwickelt. Mangels Erfolg wurde die Produktion eingestellt. Jetzt - fast 20 Jahre später - gibt es für den Standort neue Pläne. 

München – Es ist eine eher überschaubare Halle im inzwischen wieder riesigen Industrieareal rund um den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen (Kreis Starnberg). Hier sitzt die 328-Support-Servicegesellschaft, die das frühere Flaggschiff von Dornier nicht nur wartet, repariert und überholt, sondern gebrauchte Flugzeuge völlig neu aufbaut – im Kundenauftrag. 

Neue Aufgabe für Standort Oberpfaffenhofen

In vielen Fällen werden, aus den letzten in Deutschland entwickelten und gebauten Verkehrsmaschinen luxuriös ausgestattete Geschäfts- oder Privatreiseflugzeuge. Nun bekommt das Unternehmen, eine Tochter der amerikanischen Sierra Nevada Corporation (snc), eine ganz neue Aufgabe. Hier entsteht die Entwicklungsabteilung mit über 100 Mitarbeitern für die wiederaufgenommene Do328, deren Produktion aber künftig am Flughafen Leipzig-Halle stattfindet.

Die Neuauflage des Flugzeugs wurde erstmals vor vier Jahren angekündigt. Allerdings sollte zunächst die Jet-Version wiederbelebt werden – mit Produktionsstandort in der Türkei. Diese Pläne sind inzwischen aufgegeben worden. Bereits vor zwei Jahren war auch von einer Neuauflage der Propeller-Variante, mit einer Endmontagelinie in Deutschland die Rede. Auch der Standort Oberpfaffenhofen war nicht ausgeschlossen – aber wenig wahrscheinlich.

Die Pläne für Sachsen stellte die Siera-Nevada-Eigentümerin Eren Ozmen gestern im Rahmen der nationalen Luftfahrt-Konferenz am künftigen Produktionsstandort des Flugzeugs vor.

Die Veranstaltung wurde eine Absage an den mittlerweile populären Begriff Flugscham. „Wir wollen keine erzwungenen Einschränkungen unserer Mobilität“, sagte Kanzlerin Angela Merkel. „Umso wichtiger ist es, dass die Branche zeigen kann, dass Wachstum nicht immer mit mehr Wachstum klimaschädlicher Emissionen verbunden ist.“ Es müsse eine Entkopplung erreicht werden. Luftverkehrs-Branche und Regierung wollten mit ihrer „Leipziger Erklärung“ dem Publikum einen Weg zum klimafreundlichen Luftverkehr nahe bringen. „Wir sind in einer Bringschuld, den Luftverkehr nachhaltig zu organisieren“, sagte der Präsident des Flughafenverbandes ADV, Stefan Schulte. „Wer, wenn nicht wir, könnte das schaffen?“ Merkel verwies auf 850.000 Arbeitsplätze und die Bedeutung des Sektors für die Exportnation.

Die Do328 wird wiederbelebt. Die Zertifikate für das Flugzeug hat die amerikanische Sierra Nevada Corporation (snc). Deren Eigentümerin Eren Ozmen (2. v.re.) steht zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Links davon Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

Vor dem Leipziger DHL-Hangar sind jedoch nur erste zarte Ansätze einer emissionsfreien Zukunft zu sehen, die nun stärker gefördert werden sollen. In der zweimotorigen Maschine vom Typ „Do228 Electric Flight Demonstrator“ will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) verschiedene alternative Antriebe testen: Zunächst einen batteriebetriebenen Elektromotor, mittelfristig eine Gasturbine zur laufenden Stromproduktion und schließlich ein Triebwerk mit synthetischen Kraftstoffen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) denkt über eine Erhöhung der Luftverkehrsteuer nach. Aus der Branche seien Vorschläge zu einer „Anpassung“ der Abgabe gekommen, um den Druck für Innovationen zu erhöhen, sagte Scheuer gestern. Der Minister hatte sich bereits dafür ausgesprochen, das bisherige Steueraufkommen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr gezielt in die Forschung zu neuen Luftfahrttechnologien zu investieren.

Martin Prem, Christian Ebner und Andreas Hoenig

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