Zwischenstopp in Andechs: Ruhestand ist für Michael Vogeley ein Fremdwort. Foto: Jaksch

Ohne Abenteuer keine Freude

Breitbrunn - Der 68-jährige Michael Vogeley tauschte vor 20 Jahren seinen Job als Unternehmensberater mit dem Abenteuer - seitdem lässt ihn die Eiswildnis nicht mehr los. In der Heimat ist er nur noch selten.

„Ich liebe Andechs. Früher sind wir hier alle 14 Tage hochgegangen, um Brotzeit zu machen.“ Früher lebte Michael Vogeley noch mit Familie in Wörthsee, 30 Jahre lang, war Unternehmensberater mit einer Sechs-Tage-Woche. Heute ist Andechs eine Ausnahme. Und der 68-jährige Vogeley ist nur noch selten im Fünfseenland, schaut im Büro vorbei, besucht seinen Sohn und seine Stieftochter. Seit elf Jahren hat er ein Haus in Breitbrunn, ist aber ebenso häufig in seinem Haus in Südfrankreich, in der Nähe von Narbonne. Den Managerjob hat er schon lange an den Nagel gehängt - zugunsten seiner Leidenschaft: Erleben aus eigener Kraft, auf allen Kontinenten. Mit dem Kajak durch die Magellanstraße, auf Skiern quer durch Grönland und hinunter in die Gletscherhöhlen des Inlandeises - so tief wie nie ein Mensch zuvor. Mit dem Segelboot von Grönland nach Island, mit dem Kanu in die Sahara, zu Fuß zum Nordpol, Bergsteigen in der Antarktis.

Vogeley ist heute Journalist und Fotograf, der über seine Pionierleistungen berichtet. „Und wenn man genug zusammen hat, wird ein Buch daraus.“ Für den Summit Club des Deutschen Alpenvereins entwickelt und führt er zudem Touren. „Der Synergieeffekt macht den Reiz aus.“

Eine der nächsten Touren führt mit dem Esel durch den Cevennen-Nationalpark, „die unbewohnteste Region in Frankreich“. Im Sommer dann ein Grönland-Trekking. Beides von ihm entwickelte „Produkte“, auf die er zuweilen durch Leselektüren stößt. „Schatzinsel“-Autor Robert Louis Stevenson zum Beispiel brachte ihn mit „Travels with a Donkey in the Cévennes“ aus dem Jahr 1879 auf die Idee der Weitwanderung mit dem Esel. Genauso wie ihn Fridtjof Nansen vor 20 Jahren mit dem Buch „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ vom Bergsteiger zum Arktisforscher machte und wegholte vom Schreibtisch mitten hinein in die unberührte Eiswildnis. Mit drei Freunden durchquerte Vogeley Grönland in 34 Tagen. Das war der Anfang seiner Leidenschaft für die Polargebiete.

Aus Sicht Vogeleys war die Gefahr jeder Expedition immer kalkulierbar. So kalkulierbar wie das Leben mit Inuits. „Ich habe mit ihnen gegessen, gefeiert, gearbeitet, und ich war beim Suizid dabei - ganz normal.“ Normal? Normal erhält aus seinem Munde eine neue Bedeutung, ebenso extrem. Minus 40 Grad, „das ist nicht extrem“. Das sagt er bei einem Zwischenstopp in Bayern, soeben zurückgekehrt von einem Manager-Vortrag in Düsseldorf über „Nordpolexpedition - Warum Abenteuer im Geschäftsleben so wichtig sind“, auf ein Bier in Andechs. Dorthin ist er von der S-Bahn zu Fuß gelaufen. „Meine Trainingseinheit. Mindestens eine Stunde am Tag Bewegung, laufen oder Mountainbike - das ist wie Zähneputzen, das gehört dazu“. Das Bier in Andechs ist für ihn pure Entspannung, bevor er zurückläuft nach Herrsching. Ein Auto hat er nicht dabei, weil er eigentlich nur in Bayern vorbeischaut, um eines abzuholen bei einem Freund. Ein Wohnmobil. Das gibt er fast verlegen zu, „denn das ist gegen meine Natur. Normalerweise mache ich nur, was ich auch aus eigener Kraft machen kann“. Aber es war so eine Idee von ihm und seiner Frau. „Wir sind glücklich verheiratet“, fügt er betont dazu, „seit 20 Jahren.“ Häufig begleitet sie ihn, „wir teilen dieselbe Leidenschaft“. Wenn es ihr zu extrem wird, bleibt sie daheim, ermuntert ihn aber durchzustarten. Das Wohnmobil - nun, das ist eine neue Erfahrung, selbst für den Weltreisenden. Vielleicht auch eine notwendige Erholung, denn der 68-Jährige ist gerade erst von einem Skiunfall genesen. Da tut eine gemütliche Fahrt im „WoMo“ rund um die iberische Halbinsel möglicherweise gerade gut. Ganz ohne Abenteuer soll es aber doch nicht sein: „Wir werden in den Naturschutzgebieten am Wege nach Perlen suchen.“

Und doch, trotz aller Reisen, trotz Frankreich bleibt das Fünfseenland nach Vogeleys Worten Heimat. „Auch wenn ich ehrlicherweise nicht mal den Namen des aktuellen Bürgermeisters von Herrsching kenne.“ Dafür kannte er Altlandrat Rudolf Widmann und erinnert sich an Altbürgermeister Adolf Wexlberger. Von beiden wurde er für seine Pionierleistungen als „Sportler des Jahres“ ausgezeichnet - damals.

Michael Vogeley:

Informationen über den Breitbrunner Weltenbummler, seine Aktivitäten und Bucherscheinungen sind unter www.michael-vogeley.de nachzulesen.

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