Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos

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Probentag in der Pfarrkirche: Am 1. April wird in St. Nikolaus die Rockoper „Jesus Christ Superstar“ in der Fassung für Chor und Band aufgeführt. Foto: PG Ammersee-Ost

Pfarreiengemeinschaft Ammersee Ost

Jesus Christ Superstar rockt die Kirche

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Elisabeth Schmidt stellt mit dem Chor Cantilena und der Crashband ein Oratorium auf die Beine. Frei nach dem Musical „Jesus Christ, Superstar“.

Herrsching – Die Adaption des Neuen Testaments in der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ provozierte 1970 heftige Diskussionen in religiösen Kreisen. Darf man Jesus in einer Rockoper darstellen, in der er eine Beziehung mit Maria Magdalena eingeht? Die Handlung konzentriert sich jedoch auf den Konflikt zwischen Jesus und Judas in den letzten Tagen vor der Kreuzigung. „Ich finde, es passt jetzt ganz besonders gut“, sagt Elisabeth Schmidt. Die Rockoper ist ein Passionskonzert, ein Oratorium. Als solches wird es am 1. April ab 20 Uhr in der St. Nikolauskirche in Herrsching aufgeführt.

Elisabeth Schmidts Begeisterung ist riesig. Es sprudelt nur so aus ihr heraus, als die Gesangslehrerin von der Entstehung dieses Musikereignisses erzählt – noch dazu in der katholischen Kirche. Die Herrschingerin leitet seit vielen Jahren den Chor Cantilena. Anfangs in der katholischen Kirche beheimatet, ist er seit einigen Jahren unter dem Dach der Musiklehrervereinigung (MLV) zu Hause. Schon unter Pfarrer Franz Schmid gab es eine neuerliche Annäherung, unter Pfarrer Simon Rapp bieten sich nun offenkundig auch ungeahnte Möglichkeiten. MLV-Leiter Karl Rellensmann kann sich an Aufführungen wie diese in der St. Nikolauskirche jedenfalls nicht erinnern.

„Die Texte vertreten eine kirchenkritische Auffassung, Texter Tim Rice bezeichnete sich selbst als leidenschaftlichen Atheist“, weiß Elisabeth Schmidt. Die ausgebildete Kirchenmusikerin, die heute im Hauptberuf Gesangslehrerin ist, leitet seit 25 Jahren Chöre. „Musicals sind eigentlich nicht mein Geschmack“, sagt sie, „mit einer Ausnahme.“ Seit vielen Jahren lässt sie ihre Schüler immer wieder eine der Arien aus der Rockoper einstudieren. Als sie von einem ehemaligen Studienkollegen erfuhr, dass dieser die Oper für einen Chor arrangiert hat, gab es für sie kein Halten mehr.

„Die Texte sind auch für uns weit entfernt“, gesteht die Chorleiterin des 50-köpfigen Chores Cantilena. Aber die Begeisterung für das Chor-Arrangement sprang schnell über. „Wir schauten uns das Musical dann gemeinsam im Deutschen Theater an.“ Danach war die Entscheidung getroffen. Und Pfarrer Simon Rapp als Musical-Fan musste nicht lange überredet werden. „Er hat uns sofort Tür und Tor geöffnet“, freut sich Elisabeth Schmidt. Seit September wird geprobt.

Am vergangenen Wochenende trafen alle Beteiligten zu einem ersten Hauptprobentag für die halbszenische Inszenierung in der Pfarrkirche zusammen. 50 Chorsänger und die achtköpfige Crashband der MLV mit ihrem Bandleader Christoph Zöller. Unterstützt werden Sänger und Musiker am Klavier von Birgit Henke, der evangelischen Kirchenmusikerin, und Rainer Müller an der Orgel, denn die Rolle des Pilatus (Bariton Wolfgang Schmidt) wird von dem Königsinstrument begleitet. „Es gab noch nie ein Projekt, bei dem ich auf so viele offene Türen gestoßen bin“, sagt die 50-jährige Herrschingerin begeistert. Ohne Zutun kam sogar Bühnenbildnerin Claudia Weinhart dazu. „Sie hatte von dem Projekt nur gehört“, erzählt Elisabeth Schmidt. Das Angebot „wenn du irgendwas brauchst, sag’ mir Bescheid“, schlug die Chorleiterin natürlich nicht aus. Ebenso unverhofft kam die Offerte von Musical-Fan Rapp, am Ende deutende Worte zu sprechen. „Diese Stelle ist inhaltlich sehr seltsam“, findet Elisabeth Schmidt. Deshalb sei sie „mit dem Problem“ zum Pfarrer gegangen. Und der hatte die Lösung: Er macht es selbst. Singen wird er jedoch nicht. „Ich erhebe gern’ meine Stimme“, sagt er dazu, „aber nur in der Liturgie.“

„Es macht uns richtig Spaß“, erzählt Elisabeth Schmidt begeistert. Geprobt wurde am vergangenen Wochenende einige Stunden in der 16 Grad kalten Kirche, „obwohl Rapp für uns eingeheizt hatte“. Da wird es irgendwann kühl. „Ich hoffe, zur Aufführung wird es so voll, dass es richtig aufheizt.“ Sie lacht, als sie das sagt und betont, dass alles Laienarbeit ist. „Das ist mir sehr wichtig.“ Deshalb bleibt der Eintritt frei, aber um Spenden für das aufwändige Projekt wird gebeten. „Das ist in der Laienarbeit die ehrlichste Form“, meint Elisabeth Schmidt. Und um ehrlichen Umgang – darum geht es auch bei Jesus und Judas in „Jesus Christ, Superstar“.

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