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Hansi Burg und Hans Albers schauen aus einem Fenster ihrer Villa in Garatshausen. Dort hatten sie viele Gäste, unter anderem Marlene Dietrich und Romy Schneider.

Pläne für die Albers-Villa in Garatshausen

Ein Ort der Liebe und der Holocaust

  • vonSandra Sedlmaier
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Der Denkmalschutz ist durch, jetzt muss ein öffentliches Nutzungskonzept für die Albers-Villa in Garatshausen her. Der Münchner Verein Respect & Remember Europe hat Interesse an der Villa – und auch einen Plan.

Garatshausen – Gabriella Meros hat jede Menge Anekdoten über Hansi Burg, Hans Albers und ihr Haus in Garatshausen parat. Dass Marlene Dietrich mit Jean Gabin im Schlepptau nach dem Krieg in der Albers-Villa zu Gast war, dass Albers dort Rosen züchtete, dass Hansi Burg und ihr Mann immer bestens gekleidet waren und Wert auf gutes Essen legten. Und er hatte eine Schwäche für schicke Autos. Gabriella Meros ist die Vorsitzende des Münchner Vereins Respect & Remember Europe, der sich um die Nutzung der Villa bemüht. Dabei geht es der Münchnerin um mehr als das Erzählen unterhaltsamer Geschichten rund um die Filmstars am Starnberger See. Sie will die Villa zu einem Ort des Gedenkens für das deutsch-jüdische Liebespaar Burg/Albers machen, zu einem deutsch-jüdischen Erinnerungsort und vor allem für junge Menschen öffnen.

Wie berichtet, hat der Wissenschaftsausschuss des Landtags die Albers-Villa Anfang Mai unter Denkmalschutz gestellt. Im Zuge dessen wurde aber auch eine öffentliche Nutzung verlangt. Das Gebäude gehört dem Freistaat, der es von Albers’ Lebensgefährtin Hansi Burg mit der Auflage einer öffentlichen Nutzung bekommen hatte. Zwischenzeitlich war die Landesanstalt für Fischerei in dem Anwesen mit Seezugang, es gab auch Versuche seitens des Freistaats, die Villa zu verkaufen. Nun stehen das Hauptgebäude und die Nebengebäude unter Denkmalschutz, was zumindest einen Abriss verhindert.

Der Verein Respect & Remember Europe möchte über die Liebesgeschichte zwischen der Jüdin Hansi Burg und Hans Albers, die den Krieg überdauert und ein ganzes Leben gehalten hat, an den Holocaust heranführen. Meros, deren Mutter die Shoah überlebte, glaubt, dass eine positive Liebesgeschichte, die trotz Diktatur gut ausgegangen ist, Jugendliche vielleicht mehr packt als der Besuch einer KZ-Gedenkstätte. „Ich möchte Samen streuen“, sagt die Vereinsvorsitzende. „Wenn ein Kind nach 20 Jahren sagt: In Garatshausen habe ich verstanden, was Demokratie und Antisemitismus bedeuten und ich hatte einen tollen Tag am See, dann ist viel gewonnen.“

Neben einem Kulturprogramm mit Konzerten, Lesungen, Filmabenden und Diskussionen stellt sich der Verein vor, Seminare und Begegnungstage abzuhalten. „Wir möchten Wissen vermitteln zu Antisemitismus, Demokratie, Toleranz und Zivilcourage“, sagt Meros. Auch wechselnde Ausstellungen seien eine Möglichkeit, neben einer Dauerausstellung über Hansi Burg und Hans Albers. Auch die architektonische Geschichte des Hauses, das 1864/65 für Ludwig Loé erbaut wurde, soll eine Rolle spielen. Zudem sollen der schöne Park und der Seezugang nutzbar sein für die Öffentlichkeit, etwa durch ein Café. „Wenn sich jemand nur ins Café setzen und den schönen Ort genießen will, ist das auch völlig in Ordnung“, unterstreicht Meros. „Hansi Burg und Hans Albers führten ein offenes Haus, das wollen wir fortführen.“

Der Verein Respect & Remember besteht seit rund fünf Jahren. Laut seiner Vorsitzenden gibt es einem festen Stamm von 20 bis 30 Leuten, zudem verfüge er über ein Netzwerk, das sich durch die verschiedenen Projekte gebildet hat. So organisiert er den Besuch Shoah-Überlebender in Schulen. Der Verein wurde bekannt, weil er sich gegen die „Stolpersteine“-Aktion gewendet hat. In München gibt es deshalb im öffentlichen Raum keine Pflastersteine in Bürgersteigen, die an deportierte Juden erinnern.

Für das Garatshauser Projekt hat Respekt & Remember Europe auch schon eine Idee, wie es zu finanzieren wäre, auch wenn die Corona-Krise viele Fragezeichen setzt. Einen interessierten Architekten, einen Albers-Fan, gebe es auch, sagt Gabriella Meros. Denn das sei das erste, was zu tun sei: Die Villa, die seit so vielen Jahren leer steht, von Grund auf zu renovieren.

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