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80 Jahre Altersunterschied liegen zwischen Anneliese Schönnenbeck und Michael Dudkowiak. Und doch eint sie mehr, als man auf den ersten Blick denken würde.

Treffen der Generationen

„Wir gehen wählen“

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Fast 110 000 Frauen und Männer im Landkreis sind aufgerufen, den neuen Bundestag zu wählen. Für Michael Dudkowiak (18) eine Premiere, für Anneliese Schönnenbeck (98) die 19. Bundestagswahl seit dem Jahr 1949.

Pöcking/Garatshausen – Ja ja, der Adenauer. „Das war ein guter Mann, sehr sympathisch“, sagt Anneliese Schönnenbeck. Als sich der damalige CDU-Vorsitzende 1949 erstmals für das Bundeskanzleramt bewarb, war das auch für Anneliese Schönnenbeck eine Premiere. Vier Jahre nach dem Krieg die erste Bundestagswahl, endlich frei und geheim abstimmen dürfen – und das im Alter von immerhin schon 30 Jahren.

In den folgenden 68 Jahren hat die Dame aus Garatshausen nicht eine Wahl verpasst. „Wer nicht zur Wahl geht, zeigt, dass er kein Interesse hat“, sagt sie und fügt nachdenklich an: „Und es ist für den Staat und die Bürger schlechter, wenn deswegen die falsche Partei das Sagen bekommt.“ Die falsche Partei – die hat ihr damals die Jugend geraubt...

Angekommen in der Welt der Erwachsenen

Wählen gehen – das ist auch für Michael Dudkowiak eine Selbstverständlichkeit. Bloß: Der angehende Abiturient aus Pöcking ist erst vor gut zwei Wochen, genauer gesagt am 6. September, 18 Jahre alt geworden, darf nun also erstmals mit abstimmen. „Ich freue mich schon darauf“, sagt er. „Es ist ein Zeichen, dass man von der Gesellschaft als Erwachsener angesehen wird.“ Und: „So kann ich Einfluss nehmen, wie der Staat mein Leben gestaltet.“

Das ist auch Anneliese Schönnenbeck zeitlebens wichtig gewesen, selbst wenn sie zugibt: „Damals nach dem Krieg war die Hauptsache, dass es uns gut ging.“ Bei ihren Wahlentscheidungen hat immer auch das Auftreten der Politiker eine Rolle gespielt. Konrad Adenauer, Willy Brandt, Helmut Schmidt, jetzt Angela Merkel – sie fand und findet die 98-Jährige sympathisch. Kohl und Strauß dagegen konnten bei ihr nicht punkten. „Früher war es schwieriger, sich mit den Politikern und den Programmen auseinanderzusetzen“, sagt sie. „Jetzt sieht man sie oft im Fernsehen und kann vergleichen, was sie vorhaben.“ Talkshows, Nachrichtensendungen, das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz, dazu die Tageszeitungslektüre – Anneliese Schönnenbeck ist topinformiert.

„Ich finde es nicht gut, wenn Parteien andere schlecht machen“

Michael Dudkowiak hat ebenfalls das TV-Duell gesehen. „Es war interessant, weil man auch etwas über die Persönlichkeit der Kandidaten erfahren hat“, sagt er. Viele Informationen über all das, was ihn interessiert und was die Politiker ihm versprechen, besorgt er sich in erster Linie aber aus dem Internet. „Da hat auch schon die Gestaltung der Seiten Einfluss“, sagt er. „Ich finde es beispielsweise nicht gut, wenn Parteien andere schlecht machen.“

Michael Dudkowiak will nach seinem Abitur am Gymnasium Starnberg Physik studieren. Welche Themen sind ihm wichtig? Viele: Von der Ausstattung der Schulen und Hochschulen („die Infrastruktur ist wichtig“) über die Rentenpolitik („was kommt da auf meine Generation zu?“) und Außenpolitik („mit Nordkorea friedlich zu verhandeln ist besser, als militärisch einzugreifen“) bis hin zum Datenschutz („es ist erschreckend, wie leicht Kriminelle an Daten kommen können“). Auch soziale Gerechtigkeit ist ein Thema, das den Erstwähler umtreibt –- ebenso natürlich die Flüchtlingspolitik. „Wenn wir Deutsche auf der Flucht wären, würden wir auch gerne von einem anderen Land aufgenommen werden“, sagt er.

„Wenn es einem gut geht, dann flüchtet man nicht“

Eine Ansicht, die Anneliese Schönnenbeck teilt. „Wenn es einem gut geht, dann flüchtet man nicht“, sagt sie. Gewählt hat die 98-Jährige übrigens schon. Seit einigen Jahren macht Anneliese Schönnenbeck Briefwahl. Punkt 18 Uhr am Sonntag wird sie dann den Fernseher einschalten, um die ersten Trends zu sehen. „Da bin ich von Anfang an dabei“, sagt sie und freut sich schon auf die Berliner Runde.

Michael Dudkowiak dagegen hat seinen Sonntag noch nicht geplant. „Ich denke schon, dass ich mir die Wahl im Fernsehen anschauen werde“, sagt er, fügt aber auch hinzu: „Ich werde deswegen aber auch nicht meine Pläne ändern.“ Wer weiß, was noch dazwischen kommt.

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