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Arbeiten die Kirchengeschichte auf (v..): Michaela Pentenrieder, Barbara Zak und Pfarrer Leander Mikschl bereiten die Ausstellung für den Festsonntag zum 60. Jubiläum der Kirchenweihe vor.

Jubiläum

60 Jahre St. Pius Pöcking: Ein Gotteshaus feiert Geburtstag

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Die Pfarrkirche St. Pius wurde vor 60 Jahren geweiht. Das schlichte Gotteshaus hat einige Geschichten, die zum Festakt am Kirchweihsonntag erzählt werden.

Pöcking – Erst seit gut einem Jahr ist Leander Mikschl in Pöcking tätig. Eine Geschichte kann der Pfarrer aber so erzählen, als wenn er selbst dabei gewesen wäre. Es geht um die Anfänge der Kirche St. Pius, irgendwann Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre. Ein Architekt beauftragte eine Künstlerin, für den Marienaltar die Figur der Madonna zu erstellen. Der Pfarrer weigerte sich zunächst. „Er sagte, eine Künstlerin könne keine Heilige schnitzen“, erzählt Mikschl. Später fand sie dann doch ihren Platz in der Kirche. „Eine witzige Anekdote, aus heutiger Sicht.“

Die Pfarrkirche St. Pius hat seit ihrem Bau 1956 und der Weihe in der Adventszeit im Jahr darauf noch viele solcher Geschichten erlebt. Die Anekdoten und Bilder sind in einer Ausstellung im Pfarrsaal zu sehen. Ganz nebenbei wird natürlich auch gefeiert: Zum Festgottesdienst um 10.15 Uhr werden auch ehemalige Pöckinger Pfarrer erwartet. Um 14 Uhr öffnet die Ausstellung, ab 16 Uhr gibt es für die Besucher ein Orgelkonzert mit Esther Schöpf-Groh und Norbert Groh.

Pfarrer Mikschl freut sich auf den Festakt. Für ihn ist die 54 Meter lange und 18 Meter breite romanische Kirche St. Pius eine ganz besondere, wie er erzählt: „Sie hat diese Schlichtheit. Sie wurde nicht ausgemalt. Es gibt keine Gemälde, die von dem ablenken, was im Altarbereich stattfindet.“ Mikschl spricht von einer großen Harmonie in diesem Gotteshaus. „Auch der Altar fügt sich da ein. Es gibt keine Brüche, kein Mischmasch.“ Dass alle Elemente so gut zusammenpassen, würden Zelebranten immer wieder erwähnen. Ihr Turm ist 45 Meter hoch, gekrönt von einer Holzkonstruktion.

Am Sonntag wird auch Leonhard Poelt vorbeischauen. Der Senior-Chef vom Pöckinger Gasthof zur Post ist Archivar der Kirche und hat alles miterlebt, was für die St.-Pius-Kirche wichtig ist: Grundsteinlegung, Bau, Weihe, Sanierung. Schon die Wahl des Grundstücks ist so eine eigene Geschichte, erzählt Poelt. „Pfarrer Dr. Johann B. Hofstätter brachte es damals fertig, dass die Gemeinde die Fläche am Pixisberg mit dem alten Pfarrhof tauscht.“ Zusätzlich habe der Pfarrer einem Bürger 300 Quadratmeter abgekauft. „Für sechs Mark pro Quadratmeter. Das war selbst für damalige Zeiten günstig.“ Dr. Hofstätter sei nicht nur als Verhandler und Bauherr die zentrale Person des Kirchenbaus gewesen. „Er hatte auch einen guten Draht nach Augsburg – irgendwie musste die Kirche ja finanziert werden.“

Ein Jahr nach dem Bau folgte die Weihe. An die erinnert sich Poelt, damals Chorsänger, noch heute. „Es waren viele Ministranten, dazu Musik, Streicher, Bläser. Wir haben uns einfach auf unsere Stimmen konzentriert.“

Die Zeremonie dauerte mehrere Stunden. Weihe des Altars, der Kirche von außen und innen und die Besitzergreifung durch Diözesanbischof Dr. Josef Freundorfer. Auf zwei Aschestreifen, die von den Ecken quer durch die Kirche führten, zeichnete er das lateinische und das griechische Alphabet. Dreimal zogen die Gläubigen um die Kirche. Die Einweihung begann am 15. Dezember 1957 um 8 Uhr, um 12.15 Uhr schloss sie mit einem Pontifikalamt. Alle Pöckinger Vereine mit Fahnenabordnungen dabei, an die 1000 Menschen seien es gewesen, berichtet das Pfarrarchiv.

Wie die neue Kirche bei den Leuten ankam? Poelt zeigt auf die alte Kirche. „Dort standen die Leute bei Gottesdiensten bis auf die Straße raus. In der neuen Kirche fand jeder einen Stuhl und konnte sitzen. Das war völlig neu für uns.“

Poelt findet die St.-Pius-Kirche sehr schön. Großen Anteil daran hat aus seiner Sicht eine Restaurierung 1988. In deren Zuge wurden die Säulen rot gestrichen. „Mir gefällt, dass die Kirche dadurch Farbe bekommen hat. Die Säulen strahlen Ruhe aus.“ So kommt sie auch ohne großen Schmuck aus.

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