Abwasserverband Starnberger See verlangt ab Januar höhere Gebühren

Wasserentsorgung wird teurer

  • VonSandra Sedlmaier
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Die Gebühren für Abwasser- und Niederschlagsbeseitigung steigen. Ab 2022 verlangt der Abwasserverband Starnberger See für einen Kubikmeter Schmutzwasser zehn Prozent mehr, pro Quadratmeter versiegelter Fläche 13 Prozent mehr als bisher.

Die Sanierung der alten Kanäle ist einer der Gründe, warum die Abwasser- und Niederschlagswassergebühr am Starnberger See steigt. Noch stärker wiegt allerdings die permanente Steigerung der Baupreise.

Pöcking – Die allgemeine Teuerung macht sich auch bei der Entsorgung von Schmutz- und Regenwasser bemerkbar. Der Abwasserverband Starnberger See (AV) erhöht die Gebühren zum 1. Januar 2022 von 3,26 auf 3,60 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser. Für jeden Quadratmeter versiegelter Fläche müssen Grundstückseigentümer künftig 1,12 Euro im Jahr bezahlen. Bisher betrug die Niederschlagswassergebühr 0,99 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Die Verbandsversammlung beschloss die Erhöhung am Donnerstagmorgen im Pöckinger Beccult gegen eine Stimme. Diese Gebührensätze gelten bis Ende 2025.

Bei der Berechnung der neuen Gebühren für die kommenden vier Jahre hatte der Verband einem Münchner Ingenieurbüro ein 200 Seiten dickes Buch vorgelegt. Alle Zahlen und Daten müssen in die Kostenberechnung einfließen, denn der Verband darf weder gegen das Kostendeckungsgebot noch gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot verstoßen. Sprich: Er darf weder Gewinn noch Verlust machen. Deshalb wurden auch die mehr als 4 Millionen Euro Mehreinnahmen an Schmutzwasser-Gebühren berücksichtigt, die der Verband seit Mitte 2018 verzeichnet und die er nicht einkalkuliert hatte. Das bedeutet, ohne diese unerwarteten Zusatzeinnahmen wäre die Preissteigerung noch größer ausgefallen. Bei der vorangegangenen Kalkulation, der Betrachtung der Jahre 2015 bist 2017, hatte es Übereinnahmen in Höhe von 6,2 Millionen Euro gegeben.

Schon relativ kleine Beträge machten sich an dieser Stelle bemerkbar, wie AV-Finanzchef Ludwig Raab sagte: „Ab 25 000 Kubikmeter mehr oder weniger macht das bei der Gebühr drei Cent aus.“ Insgesamt rechnet der Verband mit 13,1 Millionen Euro Aufwendungen für das Schmutzwasser pro Jahr und 2,1 Millionen für die Niederschlagsgebühr. Oder andersherum: mit 3,625 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser und 1,85 Millionen Quadratmeter, auf denen Niederschlagswasser anfällt. Der Abwasserverband betreut rund 15 000 Grundstücksanschlüsse.

Der Verband war bei der jüngsten Berechnung von einer allgemeinen Preissteigerung von neun Prozent ausgegangen, wie Raab den Verbandsräten erklärte. Ein Grund seien Gehaltssteigerungen inklusive München-Zulage, dazu kämen „täglich steigende Energiekosten, sprunghaft angestiegene Baukosten und steigenden Umweltauflagen“, sagte er.

Mit deutlich höheren Kosten und deshalb auch deutlich höheren Gebühren rechnet Raab ab 2026. Dann nämlich muss die Kläranlage auf den neuesten Stand gebracht werden. Dies hatte der Verband zuletzt im Jahr 1999 getan. Der Verbandsvorsitzende, Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler, rechnet mit einem zweistelligen Millionenbetrag für die Generalsanierung der Anlage in Starnberg. Dazu müssten die Kanäle nach und nach saniert werden. „Das stellt auch ein Stück Umweltschutz dar“, unterstrich er.

Die aktuelle Gebührenerhöhung kommt ein halbes Jahr früher als bei der letzten Erhöhung im Juli 2018 angekündigt. Grund ist eine Beanstandung des Kommunalen Prüfungsverbands. Der hatte moniert, dass die neuen Gebührensätze auf Basis der Zahlen von Januar 2018 bis Dezember 2021 beruhen, die neuen Gebühren aber erst ab Juli gültig waren. Genau dieses Vorziehen monierte Verbandsrat Michael Haberl aus Bernried. „Wir haben damals in unserem Flyer angekündigt, dass die Gebühren für vier Jahre stabil bleiben“, wandte er ein. Sei es da nicht besser, die geplante Erhöhung um ein halbes Jahr auf Ende 2022 zu verschieben? Nein, antwortete ihm der Finanzchef. „Das erlaubt uns der Kommunale Prüfungsverband nicht.“ Zudem sei die Gebührenerhöhung für den Einzelnen überschaubar: „Es geht um 12 bis 15 Euro pro Einwohner pro Jahr“, sagte Raab. Den Bürgern entstehe durch die Erhöhung kein Schaden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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