Die Bauherren Manuel Kindervater und Florian Huber (h.v.l.) haben sich für die Gastronomen Verena und Christoph Ziesel entschieden.

Neues Wirtshaus in Possenhofen

Alle schwärmen für den Gasthof Schauer: Aber der Biergarten wird nicht größer

Für den Gasthof Schauer in Possenhofen haben die Bauherren ein Wirtepaar gefunden. Den Biergarten wie ursprünglich geplant vergrößern dürfen sie nicht. 

Possenhofen – Eigentlich wollte Dr. Florian Huber Fischessen gehen. Er kannte das Gasthaus Schauer in Possenhofen nicht, aber über dessen Eingangstür steht nach wie vor plakativ „Zum Fischmeister“. Dass das Gebäude seit Jahrzehnten – über lange Zeit mit gedeckten Tischen – leer steht, wusste er nicht, wie er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur sagte. Aber er erkannte sofort, was für ein Juwel da im Dornröschenschlaf vor sich hin schlummert. Davon erzählte er seinem Freund Manuel Kindervater, beide waren sofort Feuer und Flamme von der Idee, das alte Wirtshaus zu sanieren und zu neuem Leben zu erwecken.

Das war im vorigen Jahr. Den Betriebswirten, beide in der Medienbranche tätig und auch gegenseitige Trauzeugen, merkte man die Begeisterung immer noch an, als sie am Donnerstagabend auf einer Possenhofener Ortsteilversammlung im Pöckinger Rathaus ihr Konzept vorstellten. Kindervater kündigte für das der Gemeinde gehörende, im 19. Jahrhundert errichtete Gebäude den Wiedereinbau alter Kastenfenster an. Huber erwähnte einen alten Eiskeller zwischen Erdgeschoss und Keller, vermutlich älter als das Gasthaus. Ein historisches Gewölbe soll wieder zum Vorschein kommen und als beleuchteter, von außen sichtbarer Weinkeller ein „Highlight“ werden.

Begeisterung für den neuen Gasthof in Possenhofen herrschte bei der Bürgerversammlung im Pöckinger Rathaus.

Ähnlich leidenschaftlich präsentierte sich das Wirtsehepaar Verena und Christoph Ziesel, das die beiden Betreiber für diese Aufgabe gewonnen haben. Sie sind beide in den Dreißigern und in Führungspositionen beim Münchner Catering-Unternehmen Dahlmann tätig, er als Küchenchef, sie als Leiterin der Verkaufsabteilung. „Wir sind leidenschaftliche Gastronomen“, riefen sie den Possenhofenern zu. Selbstständigkeit sei schon lange ihr Traum. Sie kündigten hochwertige Küche mit viel regionalem und saisonalem Charakter an: „Die bayerische Herzlichkeit soll man spüren.“ In einem kleinen Garten wollen sie Gemüse anpflanzen, alte Tomatensorten wieder aufleben und sich von alten Rezepten inspirieren lassen.

Ganz im Possenhofen-Fieber wirkte sogar Landschaftsplanerin Monika Treiber aus Herrsching. Die Lage mit der Einbettung in eine parkartige Landschaft bezeichnete sie als wunderbar. Sie will die Gastronomie etwas in den Platz „hineinziehen“, gut begehbares Pflaster schaffen, die bisher mäßige „Aufenthaltsqualität“ mit Bänken und einem Brunnen neben der Fischerkapelle aufwerten. Bäume in diesem Bereich hätten bei den Anwohnern wenig Gegenliebe gefunden. Huber versprach den Possenhofenern einen attraktiven „Dorfmittelpunkt“. Eine Lösung für Autoparkplätze wird noch gesucht. Bis dahin solle es Parkplätze beim ehemaligen Feldlazarett geben. Auch Radabstellplätze sind vorgesehen.

Auch Bürgermeister Rainer Schnitzler schwärmte. Im Oktober hofft er, den Erbpachtvertrag unter Dach und Fach zu bringen. Trotz schwieriger Aspekte, auch beim Denkmalschutz, liegt die Baugenehmigung des Landratsamts seit dem 30. August vor. Die Bauarbeiten sollen im Oktober beginnen. Im Spätsommer oder Herbst 2020 hoffen die Verantwortlichen das Wirtshaus mit 80 bis 100 Sitzplätzen eröffnen zu können. Von einer kleineren Gaststube aus soll man in die Küche sehen können. Im Obergeschoss sind eine Wohnung und Gewerberäume geplant.

Gut kommt das Konzept auch bei den Bürgern an. Es gab Fragen, aber keinen Widerspruch, nicht mal kritische Anmerkungen. Das Duo Huber/Kindervater war für Gemeinderäte und Bürgermeister sofort erste Wahl, wie Schnitzler berichtete – auch wegen guter Sanierungserfahrungen am Bernrieder Bahnhof und dem Rentamt in Wolfratshausen. Trotz der allgemeinen Zuversicht: Alle Ideen erwiesen sich nicht als realisierbar. So wird es entgegen früherer Pläne keinen größeren Biergarten geben. Die ursprünglich vorgesehene Fläche wird nur bei Dorffesten und ähnlichen Anlässen bestuhlt.

Lesen Sie auch:

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Landkreis Starnberg feierte ihr 100. Jubiläum. Die Wasserretter nutzen diese Gelegenheit auch, um sich um ihre Zukunft zu kümmern. Sie wünschen sich dringend ein komfortableres Zuhause. Die Gemeinde Pöcking sagt Unterstützung zu und prüft derzeit mehrere Varianten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gymnasium Herrsching: Nachbarn fragen, Experten antworten
Viele Fragen hatten die Herrschinger Bürger auch beim jüngsten Info-Abend zum geplanten Gymnasium. Laut Planer Dietmar Narr sind die Planungen noch ganz am Anfang.
Gymnasium Herrsching: Nachbarn fragen, Experten antworten
Tutzinger SPD mit Altersspanne zwischen 24 und 83
Der Tutzinger SPD-Ortsverband hat nun ebenfalls seine Liste für die Kommunalwahl 2020 aufgestellt. Renate Geiger tritt dieses Mal nicht mehr an.
Tutzinger SPD mit Altersspanne zwischen 24 und 83
Die Pöckinger Prominenz in der Nazi-Zeit: Autoren haben tief recherchiert und klären auf
Und wem gehörten die Villen? Und wie kamen Pöckinger Bauern in der NS-Zeit zurecht? Die beiden Autoren des Buchs „Ein Dorf im Nationalsozialismus“ klärten diese Fragen …
Die Pöckinger Prominenz in der Nazi-Zeit: Autoren haben tief recherchiert und klären auf
Freud und Leid eines beherzten Schülerlotsen
Schulweghelfer Michael Werner trägt Tag für Tag dazu bei, dass Gautinger Schüler wohlbehalten in den Unterricht kommen. Trotzdem wurde er kürzlich übel beschimpft.
Freud und Leid eines beherzten Schülerlotsen

Kommentare