Friedhof

Der Trend geht zur Urne

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Pöcking will auf seinen Friedhöfen mehr Plätze für Urnen schaffen. Bürgermeister Rainer Schnitzler kündigte indes an, dass die Gebühren wohl stark steigen werden.

Pöcking – Fritz Erhard hat vor 56 Jahren seinen ersten Friedhof geplant. Inzwischen sind 16 weitere Friedhöfe nach den Ideen des Landschaftsarchitekten aus Lenggries konzipiert worden. Gerade tüftelt Erhard daran, wie man den alten und neuen Friedhof in Pöcking anpassen könnte.

Warum das nötig ist, erklärte Bürgermeister Rainer Schnitzler im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag. „Die Bestattungskultur ändert sich sehr. Früher gab es mehr Familiengräber und Sargbestattungen. In den 90er Jahren sagte man, wir brauchen einen neuen Friedhof.“ Mittlerweile sei die Nachfrage bei Urnen höher. „Die steigt ständig, die Urnennischen sind komplett voll.“

Urnen: „So ein Hain muss was Besonderes sein“

Also muss ein Experte wie Erhard her. „Für die Gemeinde ist diese Form der Bestattung auch neu“, sagt der Landschaftsarchitekt. Es brauche Flexibilität. Erhard arbeitet an Lösungen für den neuen und alten Friedhof. Am neuen Friedhof etwa könne ein Urnenhain entstehen. Dafür sieht der Landschaftsarchitekt eine freie 1200 Quadratmeter große Wiese vor. Darauf könnten zwölf Birken oder Lärchen stehen, angeordnet in einem bestimmten Raster, sowie eine künstlerisch gestaltete Stele, erklärte er im Hauptausschuss. „So ein Hain muss was Besonderes sein.“

Dort könnten Verstorbene auch anonym bestattet werden. Hinterbliebene sind bei der Bestattung nicht anwesend und kennen die exakte Stelle nicht. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass so was von der Bevölkerung in Pöcking angenommen wird“, sagte Erhard. Es gebe aber auch teilanonyme Bestattungen: Die Stelle wird nicht markiert, aber die Angehörigen kennen sie. Ob der Name des Verstorbenen auf einer möglichen Stele auftaucht, können die Angehörigen selbst entscheiden. Ob Namen auf einer Stele oder etwa Sitzbänken angebracht werden, bleibt noch offen.

Bürgermeister Schnitzler: Mehr Nachfrage für alten Friedhof

Zudem könnten die Urnengrabfelder am neuen Friedhof dem Plan nach erweitert werden. Das würde zu den bestehenden 72 Urnengräbern 28 weitere ergeben. Ein 2010 angedachtes Konzept sah 52 neue Grabstellen vor – Erhards Planung sieht aber eine bessere Ausnutzung der Fläche vor. Außerdem favorisiert der Landschaftsarchitekt einheitliche flache Gräber, um die Pflege zu erleichtern. Die Urnen werden wie gewöhnlich 60 bis 80 Zentimeter tief eingegraben, oben verläuft aber eine ebenerdige Granitplatte, es gibt keinen Hügel. Die Platte hätte nur eine leichte Schräglage, damit Wasser ablaufen kann.

Auch am alten Friedhof könnten neue Urnenplätze geschaffen werden. Man könne die Urnenwand erweitern, sagte Erhard. Für jeweils 30 Nischen würden etwa 25 000 Euro anfallen, rechnete er vor. „Das Erscheinungsbild muss aber weiter dörflich sein.“ Varianten aus Edelstahl etwa würden daher ausscheiden. Erhard arbeitet an Lösungen für beide Friedhofe, auch wenn Bürgermeister Schnitzler sagt: „Die Nachfrage im alten Friedhof ist grundsätzlich höher als beim neuen.“ Das habe mit der Lage zu tun: Der alte Friedhof liegt im Zentrum und neben der Kirche. Der Hauptausschuss beschloss, Erhard solle die Pläne für den alten und neuen Friedhof konkretisieren.

Gebühren werden wohl deutlich angehoben

Unabhängig davon, wie die Friedhöfe künftig gestaltet werden, dürften sich die Gebühren ändern. „Wir sind extrem günstig. Wenn wir das neu kalkulieren, wird es deutlich teurer“, sagte Schnitzler. Eigentlich sollten sich Einnahmen und Ausgaben der Friedhöfe die Waage halten. „Dann wird es aber sehr teuer.“ Eine Überlegung wäre daher, einen „politischen Preis“ anzusetzen. Das Problem bisher: „Ich zahle für die Größe des Grabes – am meisten kostet aber die Pflege.“

Rubriklistenbild: © dpa-tmn / Sebastian Willnow

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