Die Starnberger Straße in Pöcking am 27. Mai: Am Tag nach der Amokfahrt zeugten die Spuren der Ermittler und Gutachter von dem Verbrechen, bei dem fünf Menschen verletzt worden waren.
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Die Starnberger Straße in Pöcking am 27. Mai: Am Tag nach der Amokfahrt zeugten die Spuren der Ermittler und Gutachter von dem Verbrechen, bei dem fünf Menschen verletzt worden waren.

Termin der Verhandlung noch offen

Tod „billigend in Kauf genommen“: Amokfahrer von Pöcking des versuchten Mords in fünf Fällen angeklagt

  • Peter Schiebel
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Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den Mann erhoben, der in Pöcking in eine Menschengruppe gefahren war. Sie wirft ihm versuchten Mord in fünf Fällen und mehr vor.

  • Sechs Monate nach der Amokfahrt von Pöcking hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben
  • Dem 44-Jährigen wird unter anderem versuchter Mord in fünf Fällen vorgeworfen
  • In Pöcking blickt man gebannt auf die Verhandlung, der Termin steht noch nicht fest

Pöcking – Es waren dramatische Szenen, die sich an jenem 26. Mai auf der Starnberger Straße in Pöcking abspielten. Vor einem Mehrfamilienhaus standen einige Nachbarn zusammen, als gegen 14.40 Uhr plötzlich ein silberfarbener VW Golf zielstrebig auf die fünfköpfige Gruppe zufuhr.

Am Steuer: ein damals 43 Jahre alter Mann, der es offenbar auf seine 20 Jahre jüngere Lebensgefährtin abgesehen hatte, die sich gerade mit Bekannten unterhielt. Nachdem der Amokfahrer die Gruppe erfasst und einige Personen verletzt hatte, darunter ein 16 Jahre altes Mädchen, versuchten Anwohner, ihn zu stoppen. Auch dabei gab es Verletzte.

Sechs Monate nach Amokfahrt von Pöcking: Mord-Anklage erhoben

Nun hat die Staatsanwaltschaft München II die Anklage gegen den mittlerweile 44-jährigen Golf-Fahrer fertig. Das bestätigt Behördensprecherin Andrea Mayer gegenüber dem Starnberger Merkur. Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem versuchten Mord in fünf Fällen vor, dazu kommen Körperverletzung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und Sachbeschädigung.

„Wir gehen davon aus, dass er bewusst in die Gruppe gefahren ist“, sagt Mayer. Von daher habe der Mann in Tötungsabsicht gehandelt. „Er hat billigend in Kauf genommen, dass jemand durch die Aktion stirbt“, betont Mayer.

Mordmerkmal laut Staatsanwaltschaft: Heimtücke

Als Mordmerkmal sieht die Staatsanwaltschaft Heimtücke. Die Personengruppe habe nicht damit rechnen müssen, dass das Auto auf sie zufährt, erklärt Mayer. Darüber hinaus sei ein Auto ein „gemeingefährliches Mittel“.

Zur Motivlage kann die Oberstaatsanwältin nichts sagen, es dürfte aber im privaten Umfeld zu finden sein. Der 44-Jährige sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft, hat sich bislang aber offenbar noch nicht zum Tathergang geäußert. „Es gibt aber genug Zeugen“, sagt Mayer.

Mutmaßlicher Täter schweigt: Wollte er Selbstmord begehen?

Aufgrund des Schweigens des Mannes ist auch unklar, ob er nach der Tat in Pöcking Selbstmord begehen wollte oder einen Unfall baute. Seine Flucht endete an jenem Tag jedenfalls an einem einzeln stehenden Baum entlang der Strecke zwischen Perchting und Drößling. Der Golf stieß frontal mit dem Baum zusammen, der Fahrer wurde im Wrack eingeklemmt und musste von Feuerwehrleuten befreit werden.

Opfer lehnten Hilfe der Gemeinde Pöcking ab

Zuständig für den Prozess ist die erste Strafkammer des Landgerichts München II, das sogenannte Schwurgericht. Ein Termin steht noch nicht fest. Ein besonderes Augenmerk dürfte auch Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler auf den Prozess werfen. Er hatte sich unmittelbar nach der Tat schockiert gezeigt. „Ich verstehe nicht, wie man auf so eine Idee kommen kann. Es gibt nichts, womit man so eine Tat rechtfertigen kann“, hatte er gegenüber dem Starnberger Merkur gesagt.

Die Gemeinde habe den Opfern seinerzeit schriftlich Hilfe angeboten, sagt Schnitzler jetzt. Auf dieses offizielle Angebot sei aber niemand eingegangen.

ps

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