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Glücklich im schönen Pöcking: (v.l.) Amir Hussein Haydari, Christina Jamsidi, Amir Ali Haydari, Abdulsattar Haydari, Marina Qasimikia, Abdul Aziz, Mohammed Ali Haidiri, Jafari Sakine, Jamshidi Shab Mohammad, Jamil Ayyes und Kuasimi Haroon.

Asylbewerber in Pöcking

Vom Zelt in den Container: Wie ist das?

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Pöcking – Im November sollen Asylbewerber in Pöcking von Zelten in Container ziehen. Es wurde viel diskutiert. Der Merkur sprach nun mit denen, die es betrifft: Asylbewerbern.

Reden Asylbewerber in Pöcking über ihre Integration, vermitteln sie das Gefühl, die Pöckinger Bürger haben alles richtig gemacht. Sehr nett, sehr freundlich, sehr schön – die Asylbewerber sind begeistert über den Umgang in der Gemeinde. Falsch wäre die Aussage, es gebe gar keine Probleme. Von den 102 Asylbewerbern wohnen 88 in der Unterkunft mit zwei großen Zelten und jeweils vier Schlafräumen. Im November sollen Container als feste Unterkünfte an der Maisinger Straße bezogen werden.

„Darauf freue ich mich. Das ist besser, als im Zelt zu leben“, sagt Abdoulazig Maiga Ganba. Der 30-Jährige floh wegen des Kriegs in seiner Heimat vor neun Monaten aus Mali. „Seit ich in Pöcking bin, habe ich Deutsch-Unterricht genommen“, sagt er. Auch durch seine Arbeit bei der Tafel kann er sich gezielt ausdrücken. Was ihn am Leben im Zelt stört: „Es sind immer Kleinigkeiten, die zu Probleme führen.“ Viele Asylbewerber kommen mit schrecklichen Erlebnissen in Deutschland an, leben auf engem Raum mit anderen zusammen – da sorgen die kulturellen Unterschiede auch mal für Streit. Abdoulazig erklärt: „Ich habe meine Kultur, Afghanen oder Pakistani ihre – wir müssen einfach nur versuchen, uns zu verstehen.“ Auch gebe es eben unterschiedliche Religionen, sagt der Muslim Jamila Ayyas. „Aber das ist ok, ich habe im Zelt deswegen keine Probleme.“

Dass das nicht immer klappt, weiß Maliha Qasimikia. Die 27-Jährige floh mit ihrer elfjährigen Tochter Kristina und ihrem Mann aus dem Iran. Im Zelt gab es Streit mit einer afghanischen Familie. „Es war ein bisschen schwierig, wegen der unterschiedlichen Kultur“, sagt Qasimikia. Auch der Afghane Haydari Abdulsattar spürte die Schwierigkeit des Zusammenlebens auf engem Raum. Seine vier und fünf Jahre alten Buben tollten herum. „Andere haben sich beschwert, weil sie zu laut waren“, sagt der 25-Jährige. Es gab Ärger. „Wir wollten das Zelt wechseln.“ Im Winter wollten manche den Zelteingang offen lassen. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich zwei Kinder habe.“ Jetzt freut er sich, „dass die Container in drei Monaten kommen“. Die Hoffnung: Kein kaltes Zelt mehr. Die Asylbewerber sollen nämlich in festen Unterkünften für bis zu sechs Personen unterkommen. Darin gibt es zwei Schlafzimmer, einen Wohn- und Essbereich sowie ein Bad. Die Pöckinger Asylbeauftragte Dimitra Trottmann freut sich: „Wer würde schon gerne in einem Zelt wohnen? In den festen Unterkünften haben sie dann eine größere Privatsphäre, die gibt es im Zelt nicht.“ 

Haidari Mohammed Ali, ein 25-jähriger Syrer, ärgert sich: „Viele der Menschen im Zelt sind laut, ich höre auch die Bewohner der anderen Schlafräume.“ Das stört ihn, schließlich muss er morgens früh raus. Im Tutzinger Krankenhaus macht er ein Praktikum. „Aber im Zelt bleiben viele lange wach, schreiben nachts noch, das Licht ist an.“ Der 18-jährige Kasimi Haroun lebt mit seinem Vater im Zelt. „Wir konnten nicht zusammen nach Deutschland fliehen“, sagt der Afghane. In den Containern darf er seine beiden Brüder, die in Ingolstadt unterkommen, länger als nur einen Tag empfangen. „Wo die Container stehen, ist egal“, sagt der 30-jährige Abdoulazig, „essenziell ist, dass wir unsere Deutsch-Kurse haben und die Integration läuft.“ Dimitra Trottmann betont: „Integration geschieht nicht aufgrund eines Standorts, sondern aufgrund von Menschlichkeit.“

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