Historiker mit Fernsehdarstellerin: Dackeldame Maxi ist Protagonistin in einer Sendung des Bayerischen Rundfunks, Frauchen und Herrchen, Prof. Dr. Marita Krauss und Erich Kasberger, sind auch zu sehen.
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Historiker mit Fernsehdarstellerin: Dackeldame Maxi ist Protagonistin in einer Sendung des Bayerischen Rundfunks, Frauchen und Herrchen, Prof. Dr. Marita Krauss und Erich Kasberger, sind auch zu sehen.

Auf den Dackel gekommen

  • vonSandra Sedlmaier
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Dackel sind gerade schwer in Mode – dabei ist einiges zu beachten, wenn man sich einen anschafft. Das weiß die Historikerin Prof. Dr. Marita Krauss aus eigener Erfahrung. Sie kennt sich auch mit der Geschichte der Tiere aus und weiß, warum die Hunde mit den kurzen Beinen oft eigensinnig sind.

Pöcking – Die Attraktion im Hause Krauss und Kasberger hat braunes Fell, einen treuen Blick und einen eigenen Kopf. Dackeldame Maxi bereichert das Familienleben im Haus der Historiker in Pöcking und wurde jetzt zur Hauptdarstellerin einer BR-„Freizeit“-Folge mit dem Schmidt Max: „Der Schmidt Max und der bayerische Dackel“ wurde zum Teil in Possenhofen gedreht, Maxi ist immer dabei, und vor allem bringt Frauchen Marita Krauss ihre Kenntnisse als Dackelhistorikerin ein. Sendetermin ist am Sonntag, 7. März, um 18.45 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

Zur Dackelhistorikerin wurde Marita Krauss wegen ihrer Liebe zur Geschichte, aber auch wegen ihrer Hunde. „Dackel sind Sympathieträger“, sagt die Pöckingerin. „Ein Dackel ist ein Clown, und er hat seinen eigenen Kopf – er ist eben kein Schäferhund, der auf Befehl alles macht.“ Dass ihr damaliger Dackel auf Befehl sehr wenig machte, bewog die Historikerin, sich mit der Dackelerziehung zu beschäftigen und im Zuge dessen zwangsläufig auch mit der Geschichte der Dackel. „Sie wurden gezüchtet, um Dachse und Füchse aus ihrem Bau zu vertreiben“, erzählt Krauss. „Unter Tage kann er nicht Befehle empfangen, da muss ein Dackel selbstständig handeln.“ Der Hochadel habe Dackel zur Jagd genutzt, und ganz bekannt seien die Darstellungen von Prinzregent Luitpold mit seinem Dackel, ebenso die von Kaiser Wilhelm.

Nun ist der Vierbeiner mit den kurzen Beinen ein sehr bayerischer Hund. Ende des 19. Jahrhunderts habe der große Verlags- und Kunstgewerbestandort München den Dackel entdeckt. In der Zeitschrift „Jugend“, im „Simplicissimus“ und den „Fliegenden Blättern“ sei der Dackel ein beliebtes Motiv gewesen, sagt Krauss. „Maler wie Leibl malten Dackel, August Roeseler war ein bekannter Dackelmaler.“ Damals wurde der Dackel mit dem Kleinbürger verbunden – was seinen Höhepunkt in Franziska Bileks Kunstfigur Herr Hirnbeiß fand. Herr Hirnbeiß, der mit seinem Dackel in München unterwegs ist, war jahrzehntelang die Karikatur in der Münchner „Abendzeitung“.

1972, mit den Olympischen Spielen in München, wurde aus dem bayerischen Dackel der sechsfarbige Waldi, das Maskottchen der Spiele, aus der Feder von Otl Aicher, und löste einen Dackelboom in München aus. Ein Dackel als Maskottchen ist für Marita Krauss eine gute Wahl: „Ein Dackel ist nicht gefährlich wie ein Schäferhund, er ist sympathisch.“ So wurde der Dackel zum typischen Münchner Hund.

Die Sympathie spüren Krauss und Ehemann Erich Kasberger täglich, wenn sie mit Maxi spazieren gehen. „Die Leute lächeln dich an –ein Dackel ist die beste Kontaktbörse“, findet Krauss. „Man lernt ständig Leute kennen.“

Diese Erfahrung hat der Schmidt Max während seines Tages mit Maxi auch gemacht. Hintergrund der Sendung ist der aktuelle Corona-Hundeboom. „Alle wollen Hunde, aber wie geht man richtig mit ihnen um?“, erklärt Krauss. Für die Sendung fuhr der Schmidt Max mit Maxi ins Dackelmuseum nach Passau und zu einem Züchter nach St. Wolfgang. Denn einen Hund von einem guten Züchter zu kaufen, sei bei Dackeln wichtig, sagt Krauss. Wenn eine Dackeldame jedes Jahr werfe, wachse die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten. „Dann hat man den Hund gerade ins Herz geschlossen und er wird krank – das ist traurig, anstrengend und teuer.“ Hilfe bei der Suche nach einem Züchter biete der Deutsche Dackel- oder Teckelclub, den es seit 1888 gebe. „1879 wurden erstmals Rassemerkmale für Dackel festgelegt, für Ohren, Körpergröße und Beine“, weiß Krauss.

Das Wissen um die Geschichte allein hat Krauss jedoch bei der Erziehung ihrer eigenen Dackel nicht geholfen. Sie ging mit allen Hunden in die Hundeschule und las viele Ratgeber. „Einer unserer Hunde wurde überfahren – da war klar, das darf nicht mehr passieren, der nächste muss gehorchen.“ Der beste Rat war der mit der Wurst, wie Krauss sagt. „Man nehme ein Wiener Würstchen und belohne, belohne, belohne. Dabei sollte man konsequent bleiben, aber immer belohnen.“ Bei Leni, die nach dem tragischen Tod von Franzi ins Haus Krauss-Kasberger kam, funktionierte das wunderbar. Maxi, so stellte sich heraus, folgt nicht ganz so gut. „Vielleicht lag es doch am Hund“, überlegt Marita Krauss. Dackel haben eben ihren eigenen Kopf.

Sie kann allen Hundebesitzern, vor allem denen, die sich jetzt im Lockdown einen Hund geholt haben, nur zu einer Hundeschule raten. Die meisten lassen sich wohl helfen, ist ihr Eindruck. „Die Leute sind liebevoll mit ihren Hunden und wollen ihnen etwas Gutes tun.“

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