Hauptmotiv Wolf: Künstlerin Gisela Krohn mit ihrem Border-Collie Taff in ihrem Atelier auf Gut Deixlfurt.
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Hauptmotiv Wolf: Künstlerin Gisela Krohn mit ihrem Border-Collie Taff in ihrem Atelier auf Gut Deixlfurt.

Atelier auf Gut Deixlfurt

Auf der Route der Wölfe: Malerin Gisela Krohn aus Pöcking

Wie viel Raum zur Entfaltung gibt der Mensch der Natur? Diese Frage drängt die Rückkehr des Wolfs auf, sagt die Malerin Gisela Krohn, die auf dem Gut Deixlfurt ihr Atelier betreibt. Mit einer Ausstellung sorgt sie für Aufmerksamkeit.

Deixlfurt – „Der Wolf ist zurück – auch in der Kunst“, schrieb das Kunstmagazin „Monopol“ kürzlich. Entscheidenden Anteil daran hat die Künstlerin Gisela Krohn, die in Pöcking wohnt und auf Gut Deixlfurt in Tutzing ihr Atelier betreibt. Die Malerin, deren Kunst seit 20 Jahren in der Galerie Wittenbrink in München zu sehen ist, hat eine Wanderausstellung mit dem Titel „Wald Wolf Wildnis“ initiiert. Nach dem Auftakt im schwäbischen Museum Villa Rot sind Stationen im Schlossmuseum Linz und im Grimm-Museum Kassel vorgesehen, wenn es die Pandemie erlaubt. Auch Südtirol, Polen, Dänemark und Norwegen stehen auf der Liste.

Immer neue Meldungen belegen die Aktualität des Themas. In jüngerer Zeit wurden Wölfe im Landkreis Miesbach, in Bissingen, nahe Vilshofen, bei Hohenfels in der Oberpfalz, im Fichtelgebirge und bei Schwäbisch Hall gesichtet. Und wie sieht es im Kreis Starnberg aus? 2006 wurde in Pöcking ein Wolf überfahren – es war der erste Wolf in Oberbayern seit 150 Jahren. Mehr als 100 Rudel sollen schon wieder in Deutschland leben. Die hierzulande auftauchenden Wölfe seien junge Tiere, die sich von ihren Familien absonderten, sagt Gisela Krohn. War Pöcking kein Einzelfall? „Immer wieder werden Wölfe hier durchziehen“, sagt sie: „Das ist der Weg nach Italien, die sind auf einer Route.“ Was tun, wenn man einem Wolf begegnet? „Keine Panik“, rät Krohn, „nicht provozieren, ihm in Ruhe die Möglichkeit geben, dass er abhauen kann.“

Malerisches Umfeld in Deixlfurt

Seit 2016 wohnt sie in der Pöckinger Villa Stern. In Deixlfurt hat sie ein malerisches Umfeld für ihre Arbeit gefunden, das sie oft zusammen mit ihrem fünfjährigen Border-Collie Taff erkundet. Die lokale Verwurzelung strahlt aus. In der Reihe „Kunstwerk des Monats“ der evangelischen Kirchengemeinde und des Kulturvereins Berg war der Beitrag im April von Krohn. Der Wolf ist längst eines ihrer Hauptmotive. Wildkamerabilder des Naturfotografen Theo Grüntjens dienen ihr als Vorlagen.

Wichtige Natureindrücke, wenn auch nicht direkt mit Wölfen, sammelte sie schon früh. Mit einem Freund lebte sie nach ihrem Studium ein Jahr in Kanada in einer Blockhütte. „Wir hatten zwei Schafe, eine Ziege und Ponys“, erinnert sie sich. Täglich habe sie Kojoten vertreiben müssen. Die 54-jährige gebürtige Kölnerin will nichts verharmlosen: „Der Wolf ist kein Kuscheltier, man sollte Respekt haben.“ Seine Rückkehr bringe die Menschen an einen Scheideweg: „Geben wir der Natur Raum zur Entfaltung oder machen wir ein Miteinander für alle Zeiten unmöglich?“ Positive Zeichen eines sich erholenden Ökosystems erkennen die einen, die anderen denken an blutrünstige Bestien aus Grimms Märchen und mittelalterlichen Legenden. Den Wald würde Krohn gern vor allem als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sehen, erst dann als Erholungsraum für Menschen und Wirtschaftsbetrieb. Zurzeit stünden die wirtschaftlichen Interessen über allem.

Mehr als 20 internationale Künstler für Ausstellung gewonnen

Für ihre Ausstellung hat Krohn mehr als 20 internationale Künstler gewonnen – aus der Mongolei, Russland, Polen, Kirgisistan und anderen Ländern. Sie möchte herausfinden, wie verschiedene Kulturen mit dem Wolf und anderen Tieren leben. In Slowenien etwa gibt es nach ihrer Kenntnis 1000 wilde Bären: „Die Menschen dort sind total entspannt.“ Ihnen sei klar, dass sie den Lebensraum der Tiere bewohnen. „Wir sind selbst schuld“, habe ihr ein Imker gesagt: „Schließlich haben wir ihre Lieblingsspeise.“

Weitere Infos zur Künstlerin finden Sie online unter www.giselakrohn.de.

Text: Lorenz Goslich

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