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Symbolbild.

Aus dem Gerichtssaal

Polizei rettet Hund vor Hitzetod – und die Halterin schimpft

Eine 77 Jahre alte Frau hatte im Hochsommer ihr Auto auf dem Parkplatz abgestellt - und ihren Hund im verschlossenen Fahrzeug zurückgelassen. Dafür musste sie sich jetzt vor dem Amtsgericht verantworten.

Pöcking – Das Starnberger Amtsgericht hat ein Herz für Tiere, genauer: Hunde. Obwohl die in Justizgebäuden eher unerwünscht sind, durfte eine Mischlingshündin dieser Tage ihre Halterin zum Prozess begleiten. Angeklagt war die 77–Jährige wegen Beleidigung. Zudem machte ihr der Staatsanwalt einen schwerwiegenden Vorwurf: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Für die Mischlingshündin war es gewissermaßen auch ein Prozess in eigener Sache, denn ihr Frauchen hatte sie im Hochsommer 2017 einfach im aufgeheizten Auto auf dem Parkplatz vor einem Pöckinger Supermarkt zurückgelassen. Bei 28 Grad im Schatten saß das schäferhund-große Tier Mitte August allein im Mercedes, derweil ihre Besitzerin in aller Ruhe Einkäufe erledigte.

Das in praller Mittagssonne abgestellte Auto erregte bald die Aufmerksamkeit von Passanten. Im Zeugenstand schilderte eine Kinderpflegerin (21) die Not der Hündin: „Man hat gesehen, dass der Hund schon ziemlich hechelt. Er lag im Auto schon ziemlich schwach und hatte eine Zunge, die so weit runter hing. Ein Fenster war einen Spalt offen.“ Eine zu Hilfe gerufene Verkäuferin, die letztendlich auch die Polizei verständigte, versuchte zunächst, die Hundehalterin im Supermarkt auszurufen – vergebens. Letztendlich war es die Polizei, die den Hund nach etwa einer Dreiviertelstunde Martyrium aus dem Auto befreite.

Als die Angeklagte endlich zu Auto und Hund zurückkehrte, zeigte sie nach den Darstellungen keine Reue. „Sie hat keinerlei Verständnis gezeigt. Der Hund war ihr völlig egal. Wir hatten auch schon Fälle, wo ein Hund verendet ist“, sagte ein 26-jähriger Polizist. Im Anschluss an den Parkplatzvorfall fuhr die offenbar verängstigte und empörte Pöckingerin mitsamt Hund zur Starnberger Polizeidienststelle. „Der Hund stand vollkommen fertig in der Wache. Ich habe der Angeklagten geraten, sie solle in die Tierklinik fahren“, berichtete eine Polizeimeisterin (30). Als Retourkutsche musste sich die Beamtin die Beleidigung „Schlampe“ gefallen lassen.

Zur Einsicht kam die angeklagte Pöckingerin trotz eindeutig belastender Zeugenaussagen auch im Sitzungssaal nicht. Vielmehr echauffierte sich die Frau und hyperventilierte mehrmals im Gerichtssaal, während die entspannte Hündin treu ergeben zu ihren Füßen lag. Mit ihrer renitenten Haltung sammelte die Frau keine Pluspunkte bei Gericht – es verschärfte das Strafmaß. Richterin Christine Conrad hob die Geldstrafe für die Beleidigung auf 50 Tagessätze à 75 Euro an. Der Strafbefehl hatte lediglich 40 Tagessätze à 50 Tagessätze vorgesehen. Teurer wurde es für die 77-Jährige auch in Sachen Tierschutz: Anstatt 1000 Euro Geldbuße muss die Pöckingerin nun 2000 Euro für den Verstoß gegen das Tierschutzgesetz berappen.  nh

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