Schwungvoll empfangen wurde Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (3.v.r.) von der Pöckinger Blaskapelle und von seinen Parteifreunden (v.l.) Dr. Ute Eiling-Hütig, Alex Dorow, Stefanie von Winning, Michael Kießling und Wolfram Staufenberg. Danach folgte die Podiumsdiskussion im Beccult.
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Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (3.v.r.) wurde schwungvoll von der Pöckinger Blaskapelle und von seinen Parteifreunden (v.l.) Dr. Ute Eiling-Hütig, Alex Dorow, Stefanie von Winning, Michael Kießling und Wolfram Staufenberg empfangen. Danach folgte die Podiumsdiskussion im Beccult.

Wahlkampf-Abend am Starnberger See

Ehrenamtler und ihre Sorgen: CSU verspricht vor Bundestagswahl „politische Rückendeckung“

  • Tobias Gmach
    VonTobias Gmach
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Politische Rückendeckung für Ehrenamtler, gerade für Einsatzkräfte, die immer öfter angegriffen werden: Das versprach die CSU bei einem Wahlkampf-Abend in Pöcking. Der Stargast, Innenminister Herrmann, musste aber auch lernen, wie akut der Wohnraum-Mangel im Landkreis ist.

Pöcking/Landkreis – In relativ intimer Runde Bayerns Innenminister mit drängenden Fragen konfrontieren: Diese Möglichkeit hatten coronabedingt knapp 50 geladene Gäste am Dienstagabend im Pöckinger Beccult. Die meisten von ihnen waren ausgewählte Ehrenamtler aus dem Landkreis – Feuerwehrleute, Vertreter von Sportvereinen, Schützen, Blaskapellen und andere. Der Abend stand unter dem Motto „Ehrenamt und Sicherheit“. Eingeladen hatte die CSU: der Kreisverband, der Pöckinger Ortsverband und Bundestagsabgeordneter Michael Kießling.

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Bundestagswahl 2021 in Pöcking: CSU verspricht „politische Rückendeckung“ für Ehrenamt 

Moderator Alex Dorow, CSU-Landtagsabgeordneter aus Landsberg, stieg mit einem drastischen Beispiel ein, das sich so ereignet hatte: Einen Mann ereilt nachts ein Herzstillstand. Der von der Ehefrau alarmierte „Helfer vor Ort“ vom BRK ist innerhalb von vier Minuten da und rettet ihm das Leben. Als der Ehrenamtliche zu seinem Auto geht, wird er angepöbelt, weil es in einer Einfahrt steht, kriegt eine Bierdose ins Gesicht und muss selbst ärztlich versorgt werden. Dorows Frage in die Runde: „Wie gehen wir damit um?“ Minister Herrmann bestätigte, dass Angriffe auf Rettungskräfte zunehmen. Die Große Koalition habe die Strafen dafür erhöht (bis zu fünf Jahre Haft). „Schauen Sie mal, wie sich andere Parteien hier aufstellen“, sagte Herrmann später. Von der CSU gebe es jedenfalls „politische Rückendeckung“. Der Abend war nicht nur zur Diskussion gedacht, sondern auch für den Wahlkampf. Das war nun klar.

Die Ende 2019 in Bayern eingeführten Body-Cams für Polizisten würden so manchen vor Handgreiflichkeiten abschrecken, sagte Herrmann. Aber oft seien Angreifer stark betrunken und damit würden jegliche Hemmschwellen überschritten.

CSU-Wahlkampf in Pöcking - Einwand: Härtere Strafen alleine reichen nicht

Härtere Strafen und bessere Ausrüstung alleine reichen nicht: Diese Haltung vertraten mehrere Ehrenamtliche bei ihren Wortmeldungen. Sie plädierten für mehr Prävention. Günther Schöpp, Vorsitzender der Feuerwehr Weßling, sagte: „Wenn wir um ein Uhr nachts zur Öffnung einer Waschmaschine ausrücken, hören wir oft noch: ,Sie werden ja dafür bezahlt‘.“ Vielen sei gar nicht bewusst, dass Feuerwehrarbeit gerade auf dem Land ausschließlich ehrenamtlich organisiert ist. „Ich bitte Sie, das immer wieder zu propagieren“, sagte er Richtung Herrmann und Kießling.

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Beim Stichwort Prävention schaltete sich Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig ein. Um zu erklären, was Ehrenamt bedeutet, müsse man online aktiver werden – „mit Podcasts oder Youtube-Filmchen“. Und sie plädierte an Vereinsvertreter, Schulen zu besuchen, etwa am Tag der offenen Tür. Ein eigenes Schulfach „Ehrenamt“, wie aus dem Publikum vorgeschlagen, kann sie sich (und auch Herrmann) nicht vorstellen. Kießling erinnerte an dieser Stelle an den Bundesfreiwilligendienst und dessen soziale Bedeutung.

Joachim Herrmann: Mehr Geld für Ehrenamt - Innenminister lobt Pöcking

Auch Ehrenamt hat oft mit Geld zu tun: Herrmann berichtete, dass der Freistaat noch nie so viele Zuschussanträge für Belange der Feuerwehren bekommen habe wie im vergangenen Jahr – und lobte die Kommunen dafür. Walter Kohlenz, Vorsitzender der DLRG Pöcking-Starnberg, fragte ihn, ob man seine Organisation nicht etwas mehr unterstützen könnte. Denn: Kommunale Pflichtaufgabe ist das nicht. Herrmann verwies auf bestehende Fördergelder, wich der Frage aber eher aus. Die anderen auf dem Podium sagten gar nichts dazu.

Corona: TSV Gilching hat 500 Mitglieder verloren

Zum Ende des Abends konnte der Minister mit einer guten Nachricht für Sportvereine glänzen – etwa für den TSV Gilching, der in Corona-Zeiten 500 Mitglieder verloren hat. Zum Schulbeginn bekomme jedes Kind, das sich einem Verein anschließt, 30 Euro der Mitgliedsgebühr vom Freistaat erstattet.

Auffallend war, wie oft das Thema Ehrenamt in Verbindung mit dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum angesprochen wurde. „Manche sagen: Wenn ich bei euch nichts finde, gehe ich woanders hin“, berichtete Feuerwehrler Schöpp. Bürgermeister Rainer Schnitzler beklagte die zähen Behördenprozesse, wenn es um die Schaffung von günstigem Wohnraum geht. Moderator Dorow kommentierte: „Da haben wir schon das Thema der nächsten Veranstaltung.“

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