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Folge der „Zeitenwende“: Bundeswehr am Starnberger See wächst weiter

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Von: Tobias Gmach

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Die General-Fellgiebel-Kaserne in Pöcking werden zur Ausbildung an der Informationstechnik-Schule der Bundeswehr 
künftig deutlich mehr Soldaten betreten.
Die General-Fellgiebel-Kaserne in Pöcking werden zur Ausbildung an der Informationstechnik-Schule der Bundeswehr künftig deutlich mehr Soldaten betreten. © Bundeswehr

Mehr Schüler, mehr Ausbilder, neue Geräte, neue Herausforderungen: Mittlerweile ist klar, was die 100-Milliarden-Zeitenwende für die Informationstechnik-Schule der Bundeswehr in Pöcking und Feldafing bedeutet. Der Standort wird damit bundesweit noch wichtiger.

Pöcking/Feldafing – Vier Tage, nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz ein Sondervermögen für die Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro angekündigt hatte, waren die Auswirkungen dieser „Zeitenwende“ noch nicht abzusehen. „Als Ausbildungseinrichtung betrifft uns diese Entscheidung erst einmal nur sekundär“, sagte der damalige Presseoffizier der Informationstechnik-Schule der Bundeswehr in Pöcking und Feldafing Anfang März. Mittlerweile ist aber klar: Der Standort am Starnberger See bekommt, ausgelöst durch den russischen Angriff auf die Ukraine, mehr Schüler pro Jahr, mehr Ausbilder und neue Geräte. Der Kommandeur der IT-Schule, Brigadegeneral Rainer Simon, sagt im Gespräch mit dem Starnberger Merkur: „Mit den Bestandserhöhungen wird die Bedeutung der Schule nur noch mal unterstrichen.“

Statt bisher 7000 sollen künftig 11 000 Trainingsteilnehmer pro Jahr unterrichtet werden. Die zur IT-Schule gehörenden Ausbildungen in der Lechfeldkaserne in Graben und der Ulrichkaserne in Kleinaitingen im Kreis Augsburg sind mit eingerechnet. Das Personal soll von bisher 730 auf knapp 900 wachsen. Für Feldafing sind 160 zusätzliche Dienstposten geplant. Deshalb wird dort groß umgebaut. Zudem wechseln 80 bis 100 Ausbilder aus Untermeitingen nach Pöcking.

Aus den zusätzlichen Aufgaben – der Standort soll auch zum deutschlandweiten Ausbildungszentrum für Digitalisierung der Bundeswehr werden – erwachsen neue Herausforderungen. Schließlich müssen die Soldaten auch irgendwo schlafen. Presseoffizier Herbert Singer sagt: „Bezahlbaren Wohnraum zu finden oder zu schaffen, ist eine unserer großen Aufgaben in Zukunft.“ Die Bundeswehr strebe auch Kooperationen mit Kommunen an. Vorbildcharakter könnte das auf dem Militärgelände in Feldafing geplante Haus mit 40 bis 60 Apartments sein. Die Gemeinde könnte von freien Kapazitäten profitieren, sagt General Simon. Eine Win-Win-Situation sozusagen.

Die General-Fellgiebel-Kaserne in Pöcking werden zur Ausbildung an der Informationstechnik-Schule der Bundeswehr 
künftig deutlich mehr Soldaten betreten.
Die General-Fellgiebel-Kaserne in Pöcking werden zur Ausbildung an der Informationstechnik-Schule der Bundeswehr künftig deutlich mehr Soldaten betreten. © Andrea Jaksch

Große Veränderungen gab es in den neun Monaten seit Scholz’ Ankündigung bisher weder in der Feldafinger Fernmeldeschule noch in der Pöckinger General-Fellgiebel-Kaserne. Die Hierarchien bei der Bundeswehr sind komplex. Es dauert seine Zeit, bis sämtliche Ebenen beteiligt, Entscheidungen gefällt und umgesetzt sind. Von den 100 Milliarden fließen laut Simon rund 22 in die sogenannte Führungsfähigkeit – also in die Vernetzung und Kommunikation von Streitkräften. „Wir bilden die komplette Kommunikationstechnik und alles, was an Netzwerken eingesetzt wird, bei uns aus“, sagt der Kommandeur der IT-Schule und nennt beispielhaft Funkgeräte, Computer, Satelliten- und Kryptologietechnik. Die Bundeswehr kaufe etwa Hochfequenzfunkgeräte und taktische Satellitenfunkgeräte in den USA, die 2023 geliefert werden sollen. Sie landen laut Simon „in Hörsaalstärke“ auch am Starnberger See.

Der Fokus der Ausbildung liege nun noch mehr auf der Landes- und Bündnisverteidigung, nicht mehr vor allem auf dem Krisen- und Konfliktmanagement für Einsätze wie etwa in Mali. Man müsse reaktionsfähig sein, falls das Nato-Gebiet vom Ukraine-Krieg oder anderweitig betroffen sei, so Simon. Presseoffizier Singer nennt ein Beispiel für den Auftrag von IT-Soldaten, die in Pöcking ausgebildet wurden. „Sie stellen die Verbindung der in der Slowakei stationierten Flugabwehrraketen zum Telefon-, Kommando- und Radarnetz her.“

„Mehr in die Fachlichkeit“, weniger administrative Aufgaben für Lehrkräfte: Das ist ein großes Ziel von Brigadegeneral Rainer Simon. „Wir entlasten die Ausbilder von all dem, was nichts mit Lehre zu tun hat“, sagt er. Die Hörsaalleiter in Pöcking sollen nicht mehr herumtelefonieren müssen, wenn in ihren Fachräumen die Technik streikt. Die eigene Abteilung fürs Ressourcenmanagement soll optimiert werden, unter anderem mithilfe neuer digitaler Lösungen. Und auch Entscheidungen könnten der IT-Schule künftig etwas leichter fallen. Denn im sogenannten Cyber-Informations-Raum der Bundeswehr werden zwei Organisationsebenen abgeschafft – und damit Führungsstrukturen optimiert.

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