Hier darf keiner mehr sitzen: Die Wirte des Maisinger Seehofs haben die Bänke mit Seeblick gesperrt – auf Empfehlung des Landratsamts und nachdem mehrere Beschwerde-Anrufe die Polizei erreicht hatten.
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Hier darf keiner mehr sitzen: Die Wirte des Maisinger Seehofs haben die Bänke mit Seeblick gesperrt – auf Empfehlung des Landratsamts und nachdem mehrere Beschwerde-Anrufe die Polizei erreicht hatten.

„Wollen niemanden verärgern“

Nach Corona-Beschwerden: Wirte müssen Bänke an Seeufer sperren - „Denunziantentum“

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Der Maisinger See ist gerade in Pandemiezeiten ein beliebtes Ausflugsziel. Wirte sahen sich nun gezwungen, die Bänke am Ufer zu sperren.

Maising – „Denunziantentum“, „verkehrte Welt“, „traurig“ und „eingesperrt“: Mit diesen Schlagwörtern, genannt Hashtags, versah der Maisinger Seehof dieser Tage einen Facebook-Beitrag. Die Betreiber der Gaststätte hatten ihn verfasst, um ihrem Ärger Luft zu machen. Der Weg an die Internet-Öffentlichkeit fand Resonanz, schnell standen rund 20 Kommentare unter dem Post – und jede Menge traurige und wütende Smileys.

Corona in Maising: Wirte müssen wegen Lockdown-Regeln Bänke absperren - viele Reaktionen auf Facebook

Es sind Reaktionen auf das Bild unter den Hashtags. Es zeigt Bänke am Maisinger See, sie sind mit rot-weißen Absperrbändern verhängt. Die Botschaft: Hier darf keiner mehr sitzen. Die Wirtsleute griffen selbst zu der Maßnahme – weil sie sich dazu gezwungen sahen. Die abgesperrten Bänke erzählen, wie kompliziert das Leben sein kann, wenn strenge Lockdown-Regeln gelten, die Menschen aber trotzdem an die frische Luft wollen und Gastronomen jeden Euro brauchen können.

„Wir wollen niemanden verärgern, deshalb geben wir klein bei“, sagt Rupert Wachter, einer der beiden Geschäftsführer des Maisinger Seehofs. Die Beschwerden über die Bänke, genau gesagt darüber, dass sich dort viele Menschen aufhalten würden, hätten sich gehäuft. Allerdings seien die Wirtsleute nicht direkt angesprochen worden – sondern die Polizei und das Landratsamt. Auch die Feuerschalen, an denen Familien eine Spaziergang-Pause einlegten, baute Wachter mit seinem Kollegen wieder ab.

Nach Beschwerden: Wirte sperren Bänke am Maisinger See - „Wollen niemanden verärgern, deshalb geben wir klein bei“

„Der Aufenthalt am See war für manche das Highlight der Woche, die sind jetzt enttäuscht“, sagt Wachter. Nachzulesen ist die Enttäuschung in den Facebook-Kommentaren. Vor allem bekommen die Gastronomen aber Zuspruch: „Macht weiter, wir kommen auf jeden Fall zu Euch! Müssen nicht unbedingt sitzen, geht auch so. Nur schade für die etwas älteren Semester“, schreibt einer, „Wir kommen trotzdem“ mehrere andere.

Laut Wachter habe vor allem eine hartnäckige Person immer wieder bei der Polizei angerufen, die Beamten hätten ihm das bestätigt. „Wir überwachen das Ganze“, sagt Kai Motschmann von der Starnberger Inspektion auf Merkur-Nachfrage und betont: „Wenn sich vier oder fünf Leute aus unterschiedlichen Haushalten dort treffen, ist das nicht Sinn und Zweck der Ausgangsbeschränkung.“ Vorort feststellen konnten die Beamten solche Szenarien allerdings noch nicht. Sie ahndeten seit Jahresbeginn am Maisinger See noch keinen Verstoß gegen die Corona-Regeln.

Sondersituation am Maisinger See: Bänke gehören Gastronomen, stehen aber im öffentlichem Raum

Letztlich war es das für Ordnungswidrigkeiten zuständige Landratsamt, das die Wirtsleute zum Handeln bewegte. Laut dessen Sprecherin Barbara Beck gab es eine „Empfehlung“, die Bänke zu sperren. „Da ging kein Bescheid raus“, sagt sie. Das deckt sich mit den Aussagen von Wirt Wachter: Er berichtet von vernünftigen Gesprächen mit Polizei und Landratsamt. Man habe signalisiert bekommen, dass die Behörden den Dingen entschiedener nachgehen müssten, wenn die Beschwerden nicht abreißen.

Es ist eine Sondersituation: Die Bänke gehören den Gastronomen, stehen aber im öffentlichem Raum. Sie werden auch genutzt, wenn der Seehof geschlossen ist. Wachter befürchtet, dass sich ein älteres Ehepaar dreimal überlegt, ob es den To-Go-Kaffee nun im Stehen trinkt. Er betont: „Wir bekommen keine Überbrückungshilfen, weil wir sonst im Winter immer zuhatten. Jetzt sind wir aber gezwungen weiterzumachen“, sagt er.

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(Von Tobias Gmach)

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