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Hatte seinen Spaß: das Publikum in Pöcking.

Starkbierfest der PWG

Bussis und ein Bürgermeister-Rollator

Nach zweijähriger Pause gab es in Pöcking wieder das Dableckn. Das Starkbierfest der PWG war, was die Besucher betrifft, zwar etwas einseitig besetzt, aber nichtsdestoweniger eine Riesengaudi – wenn man die Anspielungen einzuordnen wusste.

Pöcking – Vor 23 Jahren hat alles begonnen in der Werkstatt der Zimmerei Gansneder. Dieser Ort sollte für das Starkbierfest der Parteilosen Wählergruppe (PWG) damals eine Übergangslösung sein, erzählte Corinna Bürner von der Bühne herab: „Bis es einen Bürgersaal gibt.“ Da hatte sie die Lacher beim diesjährigen Dableckn schon auf ihrer Seite, auch wenn der PWG-Vorsitzende Albert Luppart bei der Begrüßung im Brustton der Überzeugung versichert hatte: „Das Haus der Bürger und Vereine wird endlich gebaut, wenn auch immer noch ein paar Nörgler im Gemeinderat vorhanden sind.“

Von denen, die gemeint waren, ließ sich an diesem Abend niemand blicken, dabei waren nur PWG-Gemeinderäte. Nachdem man braver Dableckn wollte, kamen etliche Pöckinger – Gemeinderäte und andere – überhaupt nicht vor. „Ihr macht alle einen ganz tollen Job“, rief Horst Curth den Gemeinderäten dann doch irgendwann zu. Ob er sie alle meinte oder nur die anwesenden, wurde nicht ganz klar.

Die Rückkehr in die Zimmerei nach Ausflügen zu anderen Aufführungsorten wurde auch nicht als bedenklich eingestuft. Man müsse ja nicht alles im Hauruck-Verfahren machen, meinte Horst Curth, der Zweite im Dablecker-Duo, zu den manchmal bemerkenswert langen kommunalen Prozessen. Wie es wohl beim nächsten großen Thema sein wird, den Plänen des Bayerischen Roten Kreuzes für eine neue Zentrale auf dem Friedinger-Gelände? Die „grünen Bedenkenträger“ (Bürner) würden wohl schon wegen der benötigten Parkplätze dagegen sein, meinte Curth. Sie selbst fahren, wie er kommentierte, „die größten Autos und SUVs im ganzen Ort“. Da fiel den Lästerern auch gleich die „Öko-Rallye“ ein, die die Kinder einen ganzen Monat lang zu Fußmärschen in die Schule animieren sollte. Sie hatten auch noch gut in Erinnerung, wie da nicht wenige um die Ecke die Autos der Eltern verlassen haben und die letzten Meter gelaufen sind, um sich ihren Stempel abzuholen.

Wenn die BRK-Pläne klappen sollten, meinte Corinna Bürner, „dann hätte der Gschaftl-Bert aber ganze Arbeit geleistet.“ Noch so ein Kosename für Luppart. Mehrmals wurde er ansonsten als „Mister Omnipräsenz“ tituliert, der den anderen Gemeinderäten die Show stehle und sich anschließend als „Opfer der Presse“ darstelle. „Der arme Rainer Schnitzler kann dann schauen, was er draus macht“, bedauerte Corinna Bürner süffisant.

Auch Albert Luppart teilt aus

Luppart war aber nicht nur einer von denen, die am meisten abbekamen. Als PWG-Vorsitzender und damit quasi Gastgeber durfte auch er austeilen. Die vorgesehenen Baumaßnahmen am Rathaus beispielsweise begründete er damit, dass der älter werdende Bürgermeister „nach seiner Wahl 2032 auch mit dem Rollator noch in sein Büro kommen kann“. Und geplante Verbesserungen der Schulwegsicherheit hält er für wichtig, „damit die Kinder nicht von den eigenen Eltern überfahren werden“.

Die öffentlich ausgetragenen Kämpfe mancher Kommunalpolitiker werden dann doch nicht so ernst genommen. CSU-Rätin Ute Nicolaisen-März und Luppart hätten sich im Lokal „Garibaldi“ schon wieder in den Armen gelegen, glaubte Corinna Bürner beobachtet zu haben. Überhaupt sei es mit der Streitkultur im Gemeinderat vorbei: „Jetzt fangen die Sitzungen zehn Minuten später an, weil man sich erst mal abbusseln muss.“ Gern hätten die beiden auf der Bühne den Starnbergern Busserl-Nachhilfestunde verschrieben.

Der „harmoniesüchtige Bürgermeister“ hocke „wie a Protz auf einer Insel der Glückseligen“, sagte Curth. „Er kann am Abend in Ruhe sein Bierle schlotze“, schwäbelte Bürner. A bissl was habe er von der Kanzlerin: „Er will immer Harmonie.“ Der ganze Gemeinderat kommt ihr vor wie die GroKo: „Alle blasen ins gleiche Horn.“

Von Lorenz Goslich

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