Gruppenfoto vor einem einmaligen Revival-Konzert (v.l.): Gerd Wilden jr., der die Musik zu mehr als 200 Filmen geschrieben und produziert hat, Eberhard „Hardy“ Köstler, der seit 45 Jahren Musik als „schönste Nebensache der Welt“ pflegt, Klaus „Lelle“ Sperber, der seit den 1990er Jahren zunehmend als Produzent und Autor tätig ist, zum Beispiel für Nina Hagen, und Jogi Tautz, der unter anderem bei Gala-Veranstaltungen mit der eigenen Band spielt. Foto: Jaksch
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Gruppenfoto vor einem einmaligen Revival-Konzert (v.l.): Gerd Wilden jr., Eberhard „Hardy“ Köstler, Klaus „Lelle“ Sperber und Jogi Tautz.

Vier Jahrzehnte nach der Auflösung: „Just Fun“ und „Mama’s Superjet“ wieder auf der Bühne

Das letzte Häuflein aus einer großen Zeit

  • Stephan Müller-Wendlandt
    vonStephan Müller-Wendlandt
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Im Beccult fanden am Wochenende vier Musiker zu einem ganz besonderen Revival zusammengefunden. Ein Interview.

Pöcking – Das Kulturleben im Landkreis nimmt in Corona-Zeiten langsam wieder Fahrt auf. Doch nicht nur deshalb war das Konzert am Freitagabend ein ganz besonderes. 40 Jahre nach dem fulminanten Debüt zweier Jazzformationen haben im Pöckinger Beccult deren Musiker zu einem abendfüllenden Event zusammengefunden – veranstaltet vom Verein Jazz am See. Gert Wilden jr. (Schlagzeug), Hardy Köstler (Saxofon und Flöte), Klaus „Lelle“ Sperber (Bass) und Jogi Tautz (Schlagzeug) von den Bands „Just Fun“ und „Mama’s Superjet“ sowie die professionellen Jazzer Ferdinand Kirner (Gitarre) und Stephan Maass (Percussion) spielten vor knapp 100 enthusiastischen Besuchern.

Ein Revival nach 40 Jahren. Und Bernhard Sontheim von Jazz am See ist sozusagen der Spiritus Rector dieser Wiederbelebung. Wie kam es dazu?

Klaus Sperber: Das war bei einer Buchpräsentation in Feldafing vor zwei Jahren. Da stellte Stephanie Knittel ihr Buch über die Tutzinger Baumeisterfamilie Knittel vor. Dabei hat uns Bernhard Sontheim geholfen, die musikalische Begleitung zu übernehmen. Eberhard Köstler hat das anders in Erinnerung: Wie es in den meisten Sachen im Leben kommt – durch Zufall. Der Zufall wollte es, dass Klaus Sperber sich mit Stephanie Knittel befreundet hat. Und die hat uns gebeten, bei den Vorstellungen ihres Buches ein paar musikalische Stücke zu spielen. Eine Vorstellung fand im Bürgersaal in Feldafing statt. Und dessen Hausherr (Bernhard Sontheim, Anm. d. Red.) hat uns gefragt, ob wir nicht einen Abend im Rahmen der Reihe „Jazz am See“ gestalten wollen. Wir waren willig und haben dann begonnen, ein Programm für diesen Abend zusammenzustellen.

„Just Fun“ und „Mamas Superjet” – zwei Bands, vier Musiker. Wie kam es zu dieser Konstellation und warum?

Gert Wilden: Das Motto „Just Fun“ meets „Mama’s Superjet“ für das aktuelle Konzert haben nicht wir uns ausgedacht. Das war Bernhard Sontheim. Es gab Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre in und um Tutzing eine reichhaltige Musikerszene. Und die verschiedenen Bands agierten mit überlappenden Musikerbesetzungen. „Just Fun“ sowie „Mama’s Superjet“ waren zwei herausragende Beispiele dafür. Köstler: In unserer frühen Jugend um 1975 gab es in Tutzing mehrere Musiker, die sich immer mal wieder zusammengeschlossen haben. Einige sind abgedriftet in den Berufsmusikerstatus – Gert Wilden, Jogi Tautz und Klaus Sperber. Andere sind im Amateurstatus geblieben und haben teilweise auch schon aufgehört zu spielen, sodass wir eigentlich mehr oder weniger übrig geblieben sind als letztes Häuflein der damaligen Tutzinger Musikerszene.

Irgendwann war Schluss mit diesen Bands. Wann war das und wie kam es dazu?

Sperber: Das war eine ganz natürliche Entwicklung. Gert und ich haben die Region verlassen. Und da ist dann jeder mehr oder weniger seiner Wege gegangen und jeder hat seine eigene Karriere gemacht. Der Einzige, der geblieben ist, war der Hardy Köstler. Köstler: Nach unserem Schulabschluss haben sich die Lebenswege auseinanderentwickelt durch Studium und verschiedene Berufsausbildungen. Das hat auch das Ende der Tutzinger Keller-Bands bedeutet. Die Interessenlagen haben sich verändert, wie das im Leben einfach so geht. Man kommt zusammen, entwickelt sich auseinander und kommt später mal wieder zusammen. Insofern ist unser jetziges Konzert zu vergleichen mit einem 40. Klassentreffen nach dem Abitur.

Gibt es eine neue Zukunft für das Quartett oder wird das Revival-Konzert sein Alleinstellungsmerkmal behalten?

Wilden: Die Band hat ihre Zukunft bereits hinter sich (allgemeines Gelächter). Bernhard Sontheim ergänzt: So weit ich informiert bin, hat die Band keine weiteren Konzerte geplant. Köstler: Man weiß ja nie, was die Zukunft bringt. Man soll nie etwas ausschließen. Aber aus heutiger Sicht würde ich sagen, dieses Konzert ist ein einmaliges Ereignis. Und diejenigen, die dabei waren, können sich freuen. Und die, die nicht dabei waren, können sich, naja, vielleicht auch freuen.

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