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Dieses Foto zeigt die Schäden. Wie es nun weitergeht, muss ein Gutachter klären.

Bahnhof Possenhofen

Deckenteile krachen im Museum herunter

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Zwei Quadratmeter der historischen Stuckdecke im Museum Kaiserin Elisabeth sind heruntergebrochen und haben Exponate zerstört. Ob die Saison stattfinden kann, hängt von einem Sachverständigen ab.

Possenhofen – Im Kaiserin-Elisabeth-Museum in Possenhofen war bereits alles vorbereitet für die anstehende Saison. Die sollte ursprünglich an Ostern beginnen. Dann kam alles anders. Am 1. April brachen zwei Quadratmeter der historischen Stuckdecke im Königssaal herunter und durchschlugen eine Vitrine. Museumsleiterin Rosemarie Mann-Stein betont: „Die Decke ist ein Unikat, unser Kernstück und die Attraktion an sich.“ Derzeit warten die Verantwortlichen auf einen Sachverständigen. Bis dahin ist der Saal für die Öffentlichkeit gesperrt. Mann-Stein: „Die gesamte Decke ist infrage gestellt. Es muss geprüft werden, ob es weitere unsichere Stellen gibt.“ Erst wenn ein Gutachten vorliege und die Freigabe erteilt sei, kann sie an die Exponate heran. „Dann können sie eingepackt und in wohlbehütete Räume der Gemeinde gebracht werden.“

So lange weiß Mann-Stein nicht genau, welche Exponate zerstört sind. Getroffen hat es den Themenbereich Ungarn. Darin: Zwei handkolorierte Holzstiche, die eine Parforcejagd in der Umgebung und das ungarische Schloss Gödöllö zeigen. „Dort hielt sich Kaiserin Elisabeth nach Possenhofen am liebsten auf. In Gödöllö konnte sie dem strengen Hofzeremoniell von Wien entfliehen.“ Ein Ort, an dem sie ihre Reitleidenschaft ausleben und die Natur genießen konnte. „Der Verlust dieses Modells wäre fatal.“ Vor allem aber geht es auch um ein Töpfchen mit der geweihten Erde vom Krönungshügel aus Messing, vergoldet und mit der ungarischen Königskrone von 1867. „Da haben wir am meisten Angst, das würde sehr schmerzen“, sagt Mann-Stein. „Mir sind davon nur zwei Exponate bekannt.“

Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, ist das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bereits benachrichtigt. Referatsleiter Dr. Nikolaus Könner sagt zum Vorfall in Pöcking: „Das ist etwas, was leider mal vorkommt.“ Das Problem seien oft Altschäden oder Erschütterungen. „Dann geht die Haftung zum Putzträger verloren.“ Könner sieht für diese Stuckdecke nur eine Möglichkeit. „Man muss den Putz auf Hohllagen abklopfen.“ Im schlimmsten Fall bestehe Gefahr, dass die gesamte Decke herunterkommt. „Möchte man sichergehen, müsste man prophylaktisch alle historischen Decken herunterschlagen“, sagt Könner. Weil es sich aber um eine ganz besondere Decke handelt, muss eine bessere Lösung her. Zwei Quadratmeter könne man theoretisch verputzen, sagt der Denkmalpfleger. Dübel könnten dann für die nötige Stabilität sorgen. Ob eine Sanierung die gesamte Museumssaison gefährdet, ist nicht absehbar.

Nur Eigentümer Axel Helbig darf das Gebäude momentan betreten. „Ich habe den Bausachverständigen schon beauftragt“, sagt er. Der soll die Lage zusammen mit Fachleuten der Unteren Denkmalschutzbehörde nächste Woche beurteilen. Probleme mit dem Haus habe es seit dem Kauf vor 13 Jahren nicht gegeben. Bürgermeister Rainer Schnitzler glaubt nicht, dass die Saison abgeschrieben werden muss. „Das Museum hat ein gutes Team“, sagt Schnitzler, „sie werden Ausweichmöglichkeiten finden.“

Auf Leiterin Mann-Stein kommt einiges an Arbeit zu. Selbst den 1. Mai als Saisonstart „können wir wahrscheinlich nicht halten. Und wir müssen definitiv Abstriche machen“. Die Hauptexponate sollen aber gezeigt werden. Als Ausweichort könnten zwei Vitrinen im Empfangsraum dienen. Dort könnten zumindest einige Exponate aus dem Königssaal präsentiert werden, Stücke zu König Ludwig müssten aus der Vitrine weichen. „Die Geschichte soll trotzdem erzählt werden“, sagt Mann-Stein.

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