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Ein Buch pro Zimmer: Denkmalschutz als große Herausforderung im Gasthaus Schauer

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Von: Tobias Gmach

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Die Küche ist fertig: Die Investoren und Bauherren Florian Huber (l.) und Manuel Kindervater wollen das Gasthaus Schauer Mitte Oktober an die Wirte übergeben.
Die Küche ist fertig: Die Investoren und Bauherren Florian Huber (l.) und Manuel Kindervater wollen das Gasthaus Schauer Mitte Oktober an die Wirte übergeben. © Andrea Jaksch

Ein Denkmalschutzbuch pro Zimmer führen und jedes Brett nummerieren: Wie herausfordernd es ist, ein geschütztes Gebäude zu sanieren und es auch noch mit neuester Technik auszustatten, zeigt sich am Gasthaus Schauer in Possenhofen. Die Bauarbeiten sind in den Endzügen, Eröffnung ist wohl im November. Ein Besuch.

Possenhofen – Bürsten oder hobeln? Diese Frage stellte sich auf der Baustelle im Gasthaus Schauer in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder mal. Jahrhundertealte Holzböden darf man schließlich nicht einfach aufbereiten, wie man will. „Die Denkmalschützer geben das genau vor. Für jedes Zimmer muss ein Buch geführt werden“, erklärt Florian Huber und streift mit der Handfläche über den Boden. Der Pöckinger steht im ersten Stock des seit 40 Jahren leerstehenden Gebäudes in Possenhofen, das er mit seinem Kumpel Manuel Kindervater sanieren lässt. Der Unterschied ist gravierend: Gebürstet fühlt sich das historische Holz rau an, gehobelt glatt. Und teilweise liegen die verschiedenen Bretter direkt aneinander.

Die Bürsten-oder-Hobeln-Frage ist nur ein Beispiel für die große Herausforderung, die Huber, Kindervater und die Baufirmen nun bald gemeistert haben: ein marodes, denkmalgeschütztes Wirtshaus, das 1809 die erste Schanklizenz erhielt, von Grund auf zu restaurieren. Hört man den Investoren und Bauherren – beide um die 40, der eine Medienagentur-Leiter, der andere Kaufmann – zu, kommt man zum Schluss: Die Denkmalschützer nehmen es sehr genau, was manchmal zu einer gewissen Willkür führt. Und dazu, dass Sicherheitsvorschriften und Brandschutz mit dem Denkmalschutz kollidieren. „Sie wollten erst nicht, dass wir Schneefänger auf dem Dach installieren. Das war ein langer Kampf“, berichtet Kindervater. Herausfordernd war auch die Verlegung der Leitungen für die Lampen. „Wir mussten schon im vergangenen Dezember wissen, wo genau die Tische stehen werden“, erzählt Huber. Sie hätten die Decke in den Gasträumen nicht anritzen dürfen, sondern mussten die Leitungen von oben herunterlegen – schon bevor der Boden neu aufgebaut wurde. Dann war da noch die Geschichte mit dem Dach, das wegen giftiger Stoffe erneuert werden musste. Und wie genau der Schriftzug an der Fassade aussehen wird, das entscheidet die Denkmalbehörde demnächst auch noch.

Auch vor dem Haus wird gearbeitet: Dort soll ein Teil des Biergartens entstehen.
Auch vor dem Haus wird gearbeitet: Dort soll ein Teil des Biergartens entstehen. © Andrea Jaksch

Die Bauarbeiten sind in den Endzügen, die Edelstahl-Küche und die große Wohnung für die Wirte in den Obergeschossen sind fertig. Der Platz vor dem Haupteingang hat eine hübsche Steinmauer bekommen – dort soll ein Teil des Biergartens entstehen. Auch wenn es innen noch staubt, nach Farbe riecht und Holzbretterstapel herumliegen: Mit dem verfallenen alten Gebäude hat das Gasthaus Schauer nichts mehr zu tun. Die Holzvertäfelungen, die die Bauherren originalgetreu nachbauen lassen mussten, schmücken die Gasträume. Demnächst komme ein Kirchenmaler, der „die Fichte auf Eiche macht“, sagt Kindervater. Jeder Pinselstrich muss korrekt sein, der Denkmalschutz will es so. Gleich Eichenholz zu nehmen, wäre einfacher, aber eben nicht originalgetreu gewesen. Und die Fenster müssen in einem speziellen Grün sein, weil dieser Farbton an ein paar von ihnen entdeckt wurde.

Kindervater gibt zu, dass solche Vorgaben „das eine oder andere graue Haar“ wachsen lassen. Aber den Investoren ist auch klar, dass die Details das Ganze ausmachen. Und sie wollen die Vergangenheit ja bewahren. In den Gewerberäumen im ersten Stock, in die ein Unternehmensberater einzieht, haben sie einen alten Türstock in der Wand gelassen, einfach so. Das Nebeneinander von Alt und Neu sieht man überall im Haus: Türen mit nur 1,60 Metern Höhe gegenüber von heute üblichen, der alte gehobelte (oder gebürstete) Holzboden, der an modernes Parkett grenzt. „Man darf die Übergänge ruhig sehen“, erklärt Huber.

Einer der Gasträume: Der alte Boden wurde neu aufbereitet, die historischen Vertäfelungen nachgebildet.
Einer der Gasträume: Der alte Boden wurde neu aufbereitet, die historischen Vertäfelungen nachgebildet. © Andrea Jaksch

Und wie finden die Possenhofener das Projekt? Viele Fragen von Nachbarn habe es schon gegeben, bis die Baugenehmigung kam, dauerte es. Aber die Resonanz sei insgesamt großartig, sagt Huber. Die Einheimischen würden sich über die Belebung freuen und darüber, nach 40 Jahren mal wieder nebenan ein Bier trinken zu können. Possenhofen bekommt mit dem Gasthaus auch wieder ein lebendiges Dorfzentrum – und die Wirtshausgäste 21 exklusive Parkplätze an der Schlosswiese. Die Zufahrt wird nur über die Karl-Theodor- und nicht mehr über die Fischmeisterstraße möglich sein.

„Gehoben, aber nicht abgehoben“ werde das Gasthaus sein, sagt Kindervater. Verena Ziesel, die es mit ihrem Mann Christoph führen wird, spricht lieber von „Qualität, die sich durch alle Bereiche ziehen soll. Wir wollen keine weißen Tischdecken und keinen steifen Service, uns nicht verkünsteln, sondern ehrlich und bodenständig sein“. Die bayerische Küche soll die Grundlage der Menüs bilden, die regionalen Produkte sollen hier und da mit internationalen Leckereien ergänzt werden. Die Ziesels haben sich mit Fischern, Metzgern, Fruchtsaftherstellern sowie Wein- und Kaffeelieferanten am Starnberger See und darüber hinaus getroffen. „Wir wollen persönliche Bindungen zu den Erzeugern aufbauen“, sagt sie. Außerdem kann sich Ziesel einen „Bauerngarten“ vor dem Haus vorstellen, um dort selbst Gemüse und Kräuter anzubauen. 15 Mitarbeiter sollen dem Küchen- und Service-Team angehören, vom Mini-Jobber bis zum Festangestellten. Ein paar suche man noch.

Der Zeitplan: Mitte Oktober übergeben die Bauherren den Schauer voraussichtlich den Wirten. „Dann brauchen wir zwei, drei Wochen, um uns einzurichten“, sagt Verena Ziesel. Mit ihrem Mann und den beiden kleinen Mädchen ist sie bereits im vergangenen Sommer nach Tutzing gezogen. Demnächst geht es in die Wohnung, die sich über zwei Stockwerke erstreckt und im Winter Seeblick bietet. Übrigens: Unter dem Dach gibt es auch noch einen repräsentativen 80-Quadratmeter-Raum zu vergeben. Allerdings nur für Gewerbe. Bauherr Florian Huber kann sich dort eine Agentur ganz gut vorstellen.

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