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Der Teufel hört mit: Florian Beck als Nepomuk Stutz, Markus Schauer als Bertl und der S parifankerl Martin Engesser (v.l.) brillieren in der Aufführung der Würmseer Pöcking. 

Noch fünf Aufführungen

Ein Teufel wie aus dem Bilderbuch

Pöcking - Die Theatergruppe des Trachtenvereins d‘Würmseer aus Pöcking begeistern mit ihrer neuen Produktion „Deifi Sparifankerl“.

Es stimmt schon, der Teufel steckt im Detail. Ralph Wallners Dreiakter „Deifi Sparifankerl“ wartet bei Ingrid Hotzys Einstudierung mit einer Vielzahl charmanter Kleinigkeiten auf, die aus dem höllisch-heiteren Schwank erst die richtige Mischung machen. Die Theatergruppe des Trachtenvereins d’Würmseer aus Pöcking hat zudem noch eine text- und aktionssichere Schauspielerriege beisammen, die auch unübersichtlichere Stoffe locker wegspielt.

Da ist natürlich vor allem die Idealbesetzung Martin Engesser als Luziferius „Lucki“ Sparifankerl, „a kloana boarischer Beelzebub“ mit Zylinder und dem Auftrag seiner teuflischen Großmutter, den Bertl Geißhofer (Markus Schauer) zu einer Lumperei anzustiften. „Lucki“ gibt sich alle Mühe, Omas „betriebliche Zielvorgabe fürs Jahressoll“ zu erfüllen, doch sein unstillbarer Hang zur bayerischen Küche und seine Alkoholunverträglichkeit machen ihm bei den Geißhofers immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Engesser spielt diesen Versucher mit verschmitzter Intrigenhaftigkeit, also ein Stück weit nicht nur teuflisch, sondern auch menschlich. Gerade in solchen Momenten balanciert Ralph Wallners Stück seine Möglichkeiten sehr schön aus: Sparifankerls Tricks wie von Zauberhand, das fingerschnippende Türöffnen zum Beispiel, sie versagen alkoholbedingt zwischendurch. Den moralisch hin und hergerissenen Bertl treibt er wie geplant zu einer Untat, Bertls Schwester Senta (Elisabeth Maier) setzt er unter Druck, und dem aufgeblasenen Grafen Ferdi von Falkenklamm (in edlem Tweed: Ludwig Erhard) wird er am Ende auch noch die Luft rauslassen.

Wallners Höllenritt hält viele deftig gezeichnete Nebenfiguren und noch mehr teuflische Anspielungen und moderne Bezüge bereit – die dauerbremsige Blechhoferin (Ute Erhard) darf den schönen Satz über die kletternden Huber-Zwillinge sagen: „Von wegen eineiig – viere sans!“ Die Ungerin (Anna Engesser) macht derweil „auf Alzheimer“, während die Goldtalerin (Ilona Karrer überzeugend dominant) ausgerechnet dem Teufel gefällt.

Den Würmseern ist wieder mal eine typenstarke Besetzung gelungen. Und wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sollten, gibt die unsichtbare Oma aus dem Orkus ihrem Abgesandten immer wieder eins auf den Zylinder: Ob der in Versuchung geführte Bertl und sein Wilderer-Spezl Nepomuk Stutz (Florian Beck) noch die Kurve kriegen? „Sparifankerl“ hat ein Navi, Modell „Highway to hell“.

Weitere Vorstellungen

im Pfarrsaal St.Pius Pöcking am 17./18. März, 20 Uhr, 19. März, 18 Uhr; 24./25. März, 20 Uhr. Fürs leibliche Wohl sorgt der Trachtenverein. D’würmseer.     ty

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