+
Brigadegeneral Frank Schlösser und Barbara Fellgiebel schreiten an den Soldaten der Schule Informationstechnik der Bundeswehr vorbei. Beide bezeichneten Einladung und Besuch als „große Ehre“.

Erstmals

Enkelin von General Fellgiebel besucht Kaserne in Pöcking - und hört Gutes über ihren Großvater

  • schließen

Ein Besuch voll gegenseitiger Wertschätzung: Barbara Fellgiebel war am Donnerstag zum ersten Mal zu Gast in der nach ihrem Großvater Erich Fellgiebel benannten Kaserne in Pöcking. Dabei fanden sie und Brigadegeneral Frank Schlösser als Kommandeur der Schule Informationstechnik der Bundeswehr klare Worte an Truppe und Gesellschaft.

Pöcking – Es war ein Besuch mit langem Vorlauf. Vor 15 Jahren war Barbara Fellgiebel zum ersten Mal nach Pöcking eingeladen. „Damals scheiterte ich an der nicht vorhandenen Fluglinie Faro-München.“ Es folgten Jahre der Funkstille, ehe es nun endlich soweit war. Zum ersten Mal besuchte die 68-Jährige am Donnerstag die Bundeswehrkaserne, die ihren Familiennamen trägt. Benannt nach Erich Fellgiebel (1886-1944), General der Nachrichtentruppe der Wehrmacht, Widerstandskämpfer gegen Adolf Hitler – und Barbara Fellgiebels Großvater.

„Ich freue mich seit 15 Jahren auf diesen Augenblick“, sagte sie zu den mehr als 400 Soldaten und Gästen, die sich zum großen Schulappell der Schule Informationstechnik der Bundeswehr anlässlich des Gabrielstages auf dem Standortübungsplatz Maxhof eingefunden hatten. „Es war und ist mir ein Herzensbedürfnis, meines Großvaters zu gedenken.“ Und es erfülle sie „mit Stolz und Dankbarkeit“, in Pöcking sein zu dürfen. Vor 75 Jahren, am 4. September 1944, hatten die Nazis Erich Fellgiebel hingerichtet.

Er war einer der Verschwörer des 20. Juli. Und er ist „ein besonderes Vorbild“ für die Truppe, wie Brigadegeneral Frank Schlösser, der Kommandeur der Schule Informationstechnik, sagte. „Disziplin und Willenskraft selbst im Angesicht des Todes – wer könnte uns mehr Vorbild sein?“, fragte er. Erich Fellgiebel sei „der zentrale Bestandteil unserer Tradition“, sagte Schlösser.

Ein Visionär der Nachrichtentechnik

Er sei ein Visionär gewesen, der die Nachrichtentechnik vor und während des Zweiten Weltkriegs geprägt habe. Voller Hochachtung sei vom „Strippenpapst“ die Rede gewesen. Auf der anderen Seite sei Fellgiebel bereits zu Kriegsbeginn zu einem entschiedenen Gegner Hitlers geworden. „Es ist im Nachgang irritierend, dass sich die junge Bundesrepublik schwer tat mit ihm.“

Wie schwer, das hat Barbara Fellgiebel am eigenen Leib erfahren. Die Bewertungen ihres Großvaters hätten „zwischen Held und Hochverräter“ geschwankt, sagte sie. Es sei im Nachkriegsdeutschland schwer gefallen, ein positives Nationalgefühl zu entwickeln, wenn man sich seiner Herkunft habe schämen müssen. „Mit der Anerkennung meines Großvaters in der Bundesrepublik sah es am Anfang übel aus“, sagte sie im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Langsam, aber sicher wird ihm die Ehre zuteil, die ihm gebührt.“ Ihr bedeute es deswegen auch ganz viel, bei der Gedenkfeier in Pöcking zu sein, sagte Fellgiebel, die seit vielen Jahren in Schweden lebt.

Dass Erich Fellgiebel im richtigen Licht erscheint, ist längst ein Antrieb für die 68-Jährige, Vorträge über den Widerstand gegen Hitler und über ihren Großvater zu halten. Am heutigen Freitag beispielsweise spricht sie in Feldafing vor einem kleinen Kreis junger Offiziere. Zwei weitere Gründe für ihr Engagement nannte Fellgiebel in ihrer Ansprache: „die politische Entwicklung in Teilen Europas und den USA“ und ihr Kampf für die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Die Menschen sollten demokratische Parteien wählen, sagte Fellgiebel – und nicht eine andere Partei, „nur weil man mit den anderen unzufrieden ist“. Zudem wolle sie auch den im Ausland nach wie vor verbreiteten Meinungen entgegenwirken, alle Deutschen seien Nazis gewesen und alle Wehrmachtoffiziere in der NSDAP.

Fellgiebel und das Unternehmen Walküre

Erich Fellgiebel kam durch Generaloberst Ludwig Beck zum militärischen Widerstand gegen Adolf Hitler. Er war maßgeblich an der Vorbereitung des Unternehmens Walküre beteiligt – dem Bombenattentat am 20. Juli 1944. Fellgiebel sollte das Führerhauptquartier Wolfsschanze von allen Nachrichtenverbindungen abschneiden. Das gelang ihm allerdings nur zum Teil. Nachdem Hitler überlebt hatte, wurde Fellgiebel noch am 20. Juli verhaftet, seine Kinder kamen in Sippenhaft, darunter Walther-Peer Fellgiebel, der Vater von Barbara Fellgiebel. Vor dem Volksgerichtshof riet er Richter Roland Freisler: „Beeilen Sie sich mit dem Aufhängen, sonst hängen Sie vor uns.“ Am 4. September 1944 wurde Erich Fellgiebel in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Er ist auf Hilfe angewiesen:  Schule verbietet Bub (12) den Zutritt - „Abgefangen wie Verbrecher“
Als die Schulbegleitung erkrankt, wird dem 12-jährigen Elias der Zutritt zur Schule verweigert. Die Regierung gibt der Schule recht für ihr Handeln.
Er ist auf Hilfe angewiesen:  Schule verbietet Bub (12) den Zutritt - „Abgefangen wie Verbrecher“
Frotzeln und loben am Heiligen Berg
In unregelmäßigen Abständen treffen sich die ehemaligen Herrschinger Fußballer auf dem Heiligen Berg in Andechs, um von erfolgreicheren Tagen zu schwärmen. Dabei …
Frotzeln und loben am Heiligen Berg
Die neue Kapelle im Rummelsberger Stift: Ein Ort für die Ewigkeit 
Bislang mussten die Bewohner des Rummelsberger Stift in Söcking ihre Gottesdienste in der Cafeteria der Wohnanlage abhalten, nun ist das aber Geschichte. Vor wenigen …
Die neue Kapelle im Rummelsberger Stift: Ein Ort für die Ewigkeit 
Innovation bei der Feuerwehr Gilching: Auf engem Raum schneller retten
Die Feuerwehr Gilching ist für die Zukunft gerüstet: Seit Dienstag kann sie im Einsatz auf eine neue Drehleiter setzen. Dass das Fahrzeug zuverlässig funktioniert, ist …
Innovation bei der Feuerwehr Gilching: Auf engem Raum schneller retten

Kommentare