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Die Lehrgangsteilnehmer üben im Freien die Handgriffe, die zur Inbetriebnahme der Station nötig sind.

Entdeckungsreise in der IT-Schule der Bundeswehr

Das Hogwarts der Cyberkrieger

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Die Kräne drehen sich unaufhörlich, die Arbeiter wuseln auf der riesigen Baustelle – in der General-Fellgiebel-Kaserne in Pöcking wird unter Hochdruck an der IT-Zukunft der Bundeswehr gearbeitet. Ein Besuch in der Schule der wehrhaften Computerexperten.

Pöcking – Keine Spur von Hobbykeller. Nirgendwo. Beim Wort „Nerd“ – neudeutsch und stark vereinfacht für Computerexperte – denkt jeder gleich an den alleinstehenden Herren mit der dicken Hornbrille, der im Keller hockt und Orks am Monitor bekämpft, wenn er nicht gerade Pizza bestellt oder sich als Hacker im Netz bewegt.

Im Hörsaal 50 der Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr in Pöcking, die bald Schule Informationstechnik der Bundeswehr (ITSBw) heißen wird, hängen keine Poster von Elfen in knappen Rüstungen. Dafür sehen die Herren, die da konzentriert auf die Bildschirme ihrer stoßsicheren Laptops schauen, so aus, als ob sie notfalls auch im realen Leben ein schweres Schwert heben könnten. Schließlich sind wir hier in einer Kaserne der Bundeswehr. „Jeder Soldat muss im Einsatz für seine eigene Sicherheit sorgen können“, sagt Fregattenkapitän Ingo Neuwirth, Presseoffizier der Führungsunterstützungsschule.

Will meinen: Auch wenn hier in Pöcking vor allem der Kopf trainiert wird, machen die Lehrgangsteilnehmer regelmäßig Sport und gehen bei längeren Lehrgängen auch zum Schießen und Marschieren, um fit zu bleiben. Fit im Kopf reicht nicht.

In einer halben Stunde steht die Verbindung zum Satelliten 

Dennoch sehen die Teilnehmer des Administratorlehrganges im Hörsaal 50 hochkonzentriert aus. Sie lernen binnen weniger Wochen, wie eine mobile Satellitenbodenstation eingerichtet und betrieben wird. Diese baut im Einsatz eine gesicherte Verbindung über einen der beiden Bundeswehr-Satelliten auf, die sich auf der geostationären Umlaufbahn befinden und dafür sorgen, dass die Einsatzkräfte weltweit mit dem Heimatland vernetzt sind. So eine mobile Satellitenbodenstation ist – stark vereinfacht – ein größerer Anhänger, vollgestopft mit Übertragungstechnik, einem Dieselgenerator und einer Klimaanlage im Heck. Obendrauf befinden sich die Verstärker und eine Satellitenschüssel. Innerhalb von 30 bis 35 Minuten muss die Betriebsbereitschaft hergestellt sein, gibt der Hörsaalleiter Hauptmann Andreas Schuster das Ziel der Ausbildung aus. Und damit das klappt, üben er und der Fachlehrer Hauptfeldwebel David Praus intensiv mit den Lehrgangsteilnehmern. Diese steuern die mobilen Bodenstationen, von denen es in Pöcking mehrere gibt, mit ihren Laptops über eine Leitung (LAN-Verbindung), die vom Außengelände in den Hörsaal gelegt ist. Das alles wirkt modern und professionell.

Riesencampus für 50 Millionen Euro entsteht gerade

Doch schon bald soll alles noch moderner und professioneller ablaufen. Ein Bummel am Rande der Riesenbaustelle im Herzen der Pöckinger Kaserne mit Oberstleutnant Renée Völkel. Der Kasernenkommandant präsentiert stolz den Rohbau. Mittlerweile werkeln die Mitarbeiter der Firma Otto Heil aus Bad Kissingen an der vierten Etage des Lehrsaal- und Bürogebäudes. Für rund 50 Millionen Euro entstehen auf dem Campus auf einer Gesamtfläche von 6336 Quadratmetern insgesamt 83 Lehrsäle, davon 35 Speziallehrsäle mit hochmoderner Informations- und Kommunikationstechnik. Geplant ist auch eine große Aula.

Dazu ein begehbares Dach mit Antennentechnik, die von den Lehrgangsteilnehmern vor Ort eingestellt werden kann. Im Bürotrakt entstehen 286 Dienst- und 42 Funktionsräume. Der Rohbau soll bis Ende Mai abgeschlossen sein, Anfang Juni ist das Richtfest geplant.

Dann beginnt der anstrengende Teil – der Innenausbau. Wie viele Kilometer an Kabeln gezogen werden müssen, ist noch unklar. Aber es werden so einige sein. Auch sonst bekommt das neue Gebäude alles, was wichtig und nötig ist. Eine Ausbildungshalle etwa, in die Einsatzfahrzeuge fahren und sich dann ganz einfach mit dem Übungsnetz verbinden können.

Dabei ist der neue Campus nicht die einzige Baustelle auf dem Kasernengelände, berichtet der neue Kommandeur der künftigen „IT-Schule“ der Bundeswehr, Oberst Frank Schlösser. Direkt nebenan entstehen zwei neue Unterkunftsgebäude, ein neuer Sportplatz und eine Turnhalle. Der Sanitätsbereich wird teilweise abgerissen und neu errichtet. „Wenn die Arbeiten 2020 abgeschlossen sind, haben wir einen der modernsten Standorte der Bundeswehr bundesweit“, so Schlösser. Und auch Kasernenkommandant Renée Völkel gerät ins Schwärmen, wenn er von den Neubauten spricht.

Einzelzimmer mit eigener Dusche

In den neuen Unterkunftsgebäuden entstehen ausschließlich Einzelzimmer mit jeweils einer eigenen Nasszelle. „Beim bisherigen Standard Kaserne 2000 ist es so, dass sich immer zwei Zimmer eine Nasszelle teilen. Das wiederum bedeutet, dass wir bei der Belegung darauf achten müssen, dass die beiden Zimmer entweder mit Männern oder Frauen belegt werden“, berichtet er. Eine organisatorische Erleichterung für die Zukunft und noch mehr Privatsphäre für den einzelnen Lehrgangsteilnehmer.

Beste Bedingungen also für den IT-Nachwuchs der Truppe. Wie die Soldaten des Hörsaals 69A, die gerade einen Ausflug in die Zukunft unternehmen. Im Rahmen eines Pilotlehrgangs werden hier Systemadministratoren aus dem gesamten Bundesgebiet in einem neuen Programm geschult, das alle Führungsinformationssysteme zusammenführen soll. Die Tastaturen klappern, die Köpfe rauchen. Dicht an dicht stehen die Monitore, die Lüfter surren. Aber keine Sorge: Bald geht es raus zum Laufen. Denn die „Nerds“ in Flecktarn müssen fit bleiben.

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