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Eitel Sonnenschein beim Familientreffen in Pöcking. Nach der Dampferfahrt hatte sich die Laune der Schwarzfahrer (v.l.) die Nummern 3,4,5,7,8 und 10) wieder einigermaßen gebessert.

S-Bahn

„Der Jürgen hat ’ne Zehnerkarte!“

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Eine solch „kriminelle Vereinigung“ bekommt selbst ein hartgesottener Fahrkartenkontrolleur nicht alle Tage vor die Zange: Eine Musikpädagogin, zwei pensionierte Lehrerinnen, ein Schüler, die Betreiberin eines Reiterhofes und ein Tageszeitungsredakteur.

Pöcking – Ebenso suspekt: Die Tatverdächtigen kamen aus ganz Deutschland. Aus Kiel, Osnabrück, Nürnberg, aus Leipzig und Pöcking. Was war denn da los?

Rainer Lahmann-Lammert, Redakteur von der Neuen Osnabrücker Zeitung und neuerdings amtlich überführter Schwarzfahrer, versucht sich an einer Erklärung: „Wir haben an einem Familientreffen in Pöcking teilgenommen. Die Jüngste aus unserer Gruppe ist 12, der Älteste 84 Jahre alt. Am Freitag wollten wir eine Schiffsrundfahrt über den Starnberger See unternehmen. Deshalb war geplant, mit der S-Bahn von Possenhofen nach Starnberg zu fahren.“ Dann geschah, was wenig später sehr teuer werden sollte: Als die S-Bahn in Possenhofen einfuhr, wurde es auf einmal hektisch, weil einige Teilnehmer der Gruppe noch ihr Ticket lösen mussten. Die ersten stiegen schon in den Zug ein, während die anderen noch mit dem Fahrkartenautomaten beschäftigt waren. „Aus dem Zug kam der Ruf: Ihr müsst kein Ticket mehr lösen, der Jürgen hat eine Zehnerkarte gekauft“, berichtete Lahmann-Lammert dem Starnberger Merkur. Daraufhin stürzte die Gruppe vom Automaten ebenfalls in den Zug. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass „der Jürgen“ zwar eine 10-er-Streifenkarte gekauft, aber nicht für alle abgestempelt hatte.

Was für die beiden Kontrolleure, die natürlich ausgerechnet an diesem Tag genau diesen Zug durchsuchten, fette Beute bedeutete. „Kein Mitglied unserer Gruppe hatte die Absicht, sich um den Fahrpreis zu drücken. Durch den Gruppenzwang bei der Abfahrt des Zuges sind wir in diese unglückliche Lage hineingestolpert“, so der Redakteur. Er bat beim MVV um Gnade und berichtete von ehrlicher Reue: „Wir haben tags darauf bei einer gemeinsamen S-Bahnfahrt von Possenhofen nach München und zurück aus Unkenntnis zweimal den vollen Fahrpreis entrichtet, obwohl wir mit einem Tagesticket deutlich weniger bezahlt hätten.“

Angesichts dieser ehrlichen Reue und der guten Sozialprognose der Delinquenten ließ sich schlussendlich die ansonsten unerbittliche Bahn erweichen: „Hinsichtlich der Bewertung der Gültigkeit von Fahrkarten sind wir und unsere Mitarbeiter im Zug an die Beförderungsbedingungen gebunden“, schreibt das Unternehmen gestreng. Und legt sogar noch nach: „Für die Fahrpreisnacherhebung ist es nicht von Belang, dass Sie aus Zeitnot Ihre Fahrkarte nicht ordentlich entwertet haben. Aus diesem Grunde ist es erforderlich, vor Fahrtantritt die entsprechende Zeit für den Fahrkartenkauf sowie die Entwertung einzuplanen.“ Dennoch reduzierte sie „aufgrund des dargelegten Sachverhaltes“ die Strafe von 60 auf 10 Euro pro Nase.  set

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