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Den Boarischen führte Kaiserin Sisi am Wiener Hof ein, jetzt tanzen ihn Kinder im Ferienprogramm. Theresa, Marie, Kursleiterin Elisa da Montel upo-Butz, Johanna, Hannah und Katharina (v.l.) üben die Figur namens Spinnradl.

Höfisches Leben als Ferienprogramm

Fasziniert von der Kaiserin: Kinder tanzen wie Sisi

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Das Leben Sisis übt immer noch eine große Faszination aus. Auch auf die jüngste Generation: Das Ferienprogramm, das das Kaiserin-Elisabeth-Museum auf die Beine stellt, macht den Kindern viel Spaß, aber auch den ehrenamtlichen Damen des Vereins.

Possenhofen – Kaiserin, Königin, Prinzessin: Im Kaiserin-Elisabeth-Museum in Possenhofen tauchen Kinder in das höfische Leben ein. Erstmals beteiligt sich der Museumsverein zusammen mit dem Pöckinger Hort mit drei Veranstaltungen am Ferienprogramm der Gemeinde. Mit großem Erfolg: 18 Mädchen und Buben erfuhren am Dienstag, wie bei Hofe getanzt wurde, wie sich eine königliche Kindheit im Allgemeinen anfühlte und wie viele traurige Aspekte das Leben der Kaiserin im Speziellen hatte.

Für den Tanz hatte sich der Verein Unterstützung bei der Tanzpädagogin und langjährigen Starnberger Musikschullehrerin Elisa da Montelupo-Butz. Sie sichert sich die Aufmerksamkeit der Kinder durch ein Entdeckerspiel: „Was seht ihr in diesem Raum, was euch besonders gefällt?“, fragt sie, bevor es ans Tanzen geht. Die Tanzpädagogin wählt einen Boarischen, eine Polka – den hat Kaiserin Elisabeth als Kind durch ihren musizierenden Vater kennengelernt und später an den Wiener Hof geholt, damit sie bei den Hofbällen ein bisschen heimatliche Gefühle spüren konnte.

Der Boarische geht so: „Auseinander, wieder zamm, eins, zwei, drei, vier“, zählt Elisa da Montelupo-Butz vor. Die Kinder, die jeweils als Paare dastehen, fassen sich an die Hände, gehen drei Schritte auseinander, dann wieder zusammen, sie fassen sich an den Schultern und absolvieren in vier weiteren Schritten eine ganze Drehung. Dazwischen wird rthythmisch geklatscht. „Wie beim Trachtenverein“, stellt ein Mädchen fest. „Genau“, bestätigt die Tanzlehrerin und erzählt die Geschichte, wie der Boarische nach Wien kam.

Richtig Tanzen und dazu Klatschen: Ein Erfolgserlebnis

Auch die sechs Buben unter den Feriengästen folgen dem Programm mit Begeisterung. Zum ersten Mal den Tanz inklusive Klatschen korrekt zu schaffen, was für ein Erfolgserlebnis, das ein Lächeln auf die Gesichter der Kinder zaubert.

Genau das gefiel Elisa da Montelupo-Butz so an ihrem Beruf, den sie bis vor einem Jahr ausübte. Deshalb freute sich die Rentnerin sehr, als der Verein Kaiserin Elisabeth Museum bei ihr anfragte, und sagte sofort zu.

Die Neugier der Kinder ist auch das, was die Ehrenamtlichen des Museumsvereins für das Abenteuer Ferienprogramm motivieren. Das Sisi-Museum ist mit dem Audio-Guide für Kinder schon gut vorbereitet. Marlis Schöllkopf hat sich in königliche Kindheiten eingelesen: Sie trägt den kleinen Gästen Passagen aus dem Buch „Kinderalltag im bayerischen Königshaus“ vor. Der Tag startet für die Kleinen um 5 Uhr, die ersten Unterrichtsstunden gibt es schon vor dem Frühstück. „Im Schloss Nymphenburg brauchte man eine halbe Stunde zu Fuß von einem Ende zum anderen“, berichtet Schöllkopf. „Für die Kinder war es der höchste Spaß, die langen Gänge mit dem Radl zu befahren.“ Die Diener mussten sich anschließend Bürsten an die Füße schnallen und die Radspuren vom Parkett entfernen.

Apropos lange Gänge: Die seien im Winter kalt und dunkel gewesen. „Es gab kein elektrisches Licht, keine Heizung, kein Wasser aus dem Wasserhahn – nur Kerzenlicht und Wasser aus dem Brunnen“, führt sie den Kindern vor Augen. „Aber es war gemütlich“, hält Levin dagegen, der nach Sisis blutigem Ende fragt. Vorstandsmitglied Roswitha Wenzl erklärt ihm bereitwillig, wie es war im September 1898, als die Kaiserin in Genf umgebracht wurde. Und auch auf weitere Nachfrage nach dem Brandbild nebenan: „Die jüngste Schwester der Kaiserin ist bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung verbrannt. Ihr Sohn war auch schon gestorben – da kann man verstehen, dass sie sehr traurig war.“

Nächste Woche findet der letzte Ferienprogramm-Termin im Museum statt. Los geht’s um 10 Uhr, Anmeldungen nimmt Roswitha Wenzl per E-Mail an roswitha.wenzl@me.de entgegen.

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Mit der Erinnerung an ein „bombastisches Ereignis“ startete das Kaiserin-Elisabeth-Museum in die neue Saison. So bezeichnete die Leiterin der gemeindlichen Einrichtung, Rosemarie Mann-Stein, den Festzug zu Sisis Silberhochzeit vor 140 Jahren.

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