+
Cooler Abgang: Der scheidende Brigadegeneral Frank Schlösser (l.) grüßt seine Soldaten der Schule für Informationstechnik der Bundeswehr aus dem Beiwagen einer M72.

Abschied in historischem Motorrad

Außergewöhnliche Abmeldung: Frank Schlösser gibt Leitung der Bundeswehr-Schule in Feldafing und Pöcking ab

  • schließen

Die Bundeswehr-Schule in Feldafing und Pöcking hat einen neuen Chef. Rainer Simon übernimmt das Kommando von Frank Schlösser. Der fuhr im Beiwagen einer alten M72 davon.

Pöcking – Was für ein Abgang, vor allem für einen Harley-Fan: Nach den offiziellen Reden, den Märschen, dem Appell, vielen „Stillgestanden“-Befehlen und militärischen Grüßen steigt der scheidende Pöckinger Kommandant Brigadegeneral Frank Schlösser in den Beiwagen einer graublauen M72 und fährt einfach davon. Zurück bleiben die Soldaten, die Gäste, sein Chef, Generalmajor Dr. Michael Färber, und sein Nachfolger, Oberst Rainer Simon.

Zum Empfang in der warmen Truppenküche zur Erbsensuppe taucht Schlösser wieder auf. Dann ist die Atmosphäre bei Erbsensuppe mit viel Wurst vergleichsweise zwanglos.

Strenges Ritual bei der Kommandoübergabe vor 150 Gästen

Die Kommandoübergabe auf dem Kasernenhof folgt dagegen einem strengen Ritual. Vier Abordnungen der IT-Schule stehen in der Kälte, darunter einige Mitarbeiter in Zivil. Das Gebirgsmusikkorps mit dem Ehrenzug der Fernmeldeschule spielt, auch den Großen-Kurfürsten-Reitermarsch, den sich Schlösser gewünscht hat.

Rund 150 Gäste, ehemalige Angehörige der Schule und Lokalpolitiker, sind bei der Zeremonie dabei. Der Kommandeur des Kommando Informationstechnik der Bundeswehr, Generalmajor Dr. Michael Färber, berichtet von der steten Veränderung, der die frühere Fernmeldeschule permanent unterworfen ist. Die konkrete Auswirkung sehen die Gäste zu ihrer Rechten: Der große Neubau für Lehrsäle und Büros ist fast fertig, die Büros sind schon bezogen.

Ab dem Sommer sollen 900 Feldwebel pro Jahr ausgebildet werden

Der Generalmajor dankt Schlösser für sein dreijähriges Wirken in Pöcking. „Sie haben den entscheidenden Impuls gegeben, die Ausbildung der IT-Feldwebel so umzustellen, dass wir ab Mitte dieses Jahres ein neues, querschnittlich angelegtes, modernes und leistungsstarkes Basistraining hier an der IT-Schule anbieten können.“ Das bedeute eine grundlegende Umstellung der bisherigen Ausbildung. Ab dem Sommer sollen etwa 900 Feldwebel pro Jahr ausgebildet werden. Zudem sollen ab 2021 spezielle Trainingsmodule angeboten werden.

Emotionale Ansprache von Schlösser - Sein nächster Einsatzort: Afghanistan

Schlössers Ansprache ist durchaus emotional. Leicht fällt ihm der Abschied offenbar nicht – sein nächster Einsatz ist als stellvertretender Chef des Stabes im Hauptquartier der Resolute Support Mission in Afghanistan. Er lobt die Pöckinger Mitarbeiter. „Ich habe hier Menschen getroffen, die etwas vorantreiben wollen – manchmal musste ich sie sogar bremsen.“ Gleichzeitig hätten viele Soldaten ein tief empfundenes Pflichtbewusstsein. „Bewahren Sie sich diesen guten Geist, das steht einer Schule, die Soldaten ausbildet, gut an. Machen Sie’s gut, ich melde mich ab.“

Der neue, der oberste und der alte Chef (v.l.): Kommandant Oberst Rainer Simon bekam das Kommando von Generalmajor Dr. Michael Färber, dem es zuvor Brigadegeneral Frank Schlösser zurückgegeben hatte.

Mit der Übergabe der Fahne der Schule von Schlösser an Färber, der sie wiederum Simon überreicht, sowie dem doppelten Handschlag zwischen den drei Herren ist die Übergabe vollzogen. „Schule der Informationstechnik der Bundeswehr hört auf mein Kommando“, ruft der neue Chef, Oberst Rainer Simon. Er ist jetzt verantwortlich für rund 650 feste Mitarbeiter in Pöcking und Feldafing sowie rund 6000 Lehrgangsteilnehmer jährlich, Tendenz steigend.

Dann öffnet sich eine der Garagen auf der linken Seite der Gäste. Erst ist nur das Röhren zu hören. Dann fährt ein vermummter Soldat die M72, ein mehr als 60 Jahre altes Motorrad aus sowjetischer Produktion, über den Hof und holt den alten Chef ab. Der zieht sich in aller Ruhe den Tarnhelm auf, setzt die Brille auf und lässt sich militärisch grüßend an den Reihen der Soldaten vorbeichauffieren.

Höhepunkte aus Frank Schlössers letztem Jahr als Leiter der Schule

In seinem letzten Jahr als Leiter der Schule war für Frank Schlösser noch mal einiges geboten. So etwa der Besuch der Enkelin von General Fellgiebel, dem Namensgeber der Kaserne. 18.000 Euro kamen außerdem bei der Sammelaktion zugunsten des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge zusammen.

Manfred Buchner baut Espressomaschinen im Harley-Motor-Design. Ein Besuch bei einem leidenschaftlichen Schrauber – und einem Mann mit Prinzipien, der oft Kaffee bestellt, ihn aber selten austrinkt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Strecke frei: S8 fährt wieder
Der Sturm in der Nacht auf Montag hat die S8 lahmgelegt. Unweit von Hechendorf stürzte ein Baum auf die Oberleitung und beschädigte diese. Seit Montagabend fährt die S8 …
Strecke frei: S8 fährt wieder
Kiras Erben im SC Starnberg
Der Ski-Club Starnberg beheimatet neben der Vorzeige-Weltcup-Rennläuferin Kira Weidle noch zahlreiche Ski-Talente, die einen Durchbruch zur Profi-Karriere anstreben.
Kiras Erben im SC Starnberg
Solar-Prämie: Die Sonne stellt keine Rechnung
Der Landkreis hat die Solar-Prämie 2019 an die Gewinner ausgezahlt - für sie war es eine schöne Überraschung. Auch heuer setzt der Kreis Prämien für neue Solaranlagen …
Solar-Prämie: Die Sonne stellt keine Rechnung
Gasthaus Schauer in Possenhofen: Abschied vom alten Dach
Die Dachräume im historischen Gasthaus Schauer in Possenhofen sind mit alten Holzschutzmitteln belastet. Deshalb wird das Dach dieser Tage durch ein neues ersetzt.
Gasthaus Schauer in Possenhofen: Abschied vom alten Dach

Kommentare