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Mit mehrern Löschrohren kämpften die Feuerwehrleute in Pöcking gegen die Flammen.

Brandursache wohl klar

Feuer-Inferno in Pöcking: Schlimmster Brand seit 35 Jahren - Ein Opfer erliegt Verletzungen

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Nach dem beispiellosen Großbrand in Pöcking erlag eine Bewohnerin ihren Verletzungen. Die Polizei hat inzwischen einen Verdacht zur Brandursache.

Update, 19. November:

Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord vermeldet aktuell, dass ein schwer verletztes Brandopfer seinen Verletzungen erlegen ist. 

Der 82-jährige Hausbesitzer und seine 81-jährige Frau wurden durch Rettungskräfte in Krankenhäuser eingeliefert, wo die Frau am heutigen Vormittag ihren schweren Verletzungen erlag. Ihr Ehemann befindet sich weiterhin in einer Klinik, sein Gesundheitszustand ist lebensbedrohlich.

Nach einer Besichtigung des Brandortes gehen die Ermittler der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck von einem technischen Defekt an einem elektrischen Gerät als Ursache für das Feuer aus. Der Brand war nach Erkenntnissen der Fahnder im Bereich des Wohnzimmers ausgebrochen.

Alle Hintergrundinformationen zu dem verheerenden Brand finden Sie hier:

Ursprünglicher Artikel, 18. November

Pöcking – Es waren dramatische Szenen, die sich am Freitagabend in der ansonsten so ruhigen Straße Hohe Wurz in Pöcking abspielten. Gegen 19.30 Uhr kam ein 82 Jahre alter Hausbewohner nach Hause zurück. „Er bemerkte starke Rauchentwicklung im Gebäude“, berichtet ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Seine Ehefrau (81) befand sich zu dem Zeitpunkt noch im Wohnzimmer, das bereits stark verraucht war. Gegen 19.45 Uhr ging der Alarm bei der Feuerwehr Pöcking mit der Löschgruppe Aschering, bei der Feuerwehr Starnberg und der Kreisbrandinspektion ein.

Feuer-Inferno in Pöcking: Schon die Anfahrt wird zum Problem

Als die Retter wenig später eintrafen, konnten sie nicht direkt zum Gebäude vorfahren. „Das Objekt liegt etwa 60 bis 70 Meter von der Straße entfernt“, berichtet Pöckings Kommandant Georg Kammerlocher, der den Einsatz leitete. Darüber hinaus war das Gartentor verschlossen. Drei Kameraden – zwei davon ausgerüstet mit Pressluftatmern – kletterten sofort über den Zaun. Sie konnten das Ehepaar aus dem brennenden Gebäude retten und dem Rettungsdienst übergeben.

Schlimmer Wohnhausbrand am Starnberger See: Frau in Lebensgefahr

Ein Rettungshubschrauber flog die Frau später in eine Klinik. Sie erlitt nach Angaben der Polizei lebensgefährliche Verletzungen. Ihr Ehemann trug Verbrennungen und eine Rauchvergiftung davon. Der Rettungsdienst brachte auch ihn in ein Krankenhaus.

Großbrand in Pöcking: Feuerwehr kämpft 15 Stunden lang gegen Flammen

Derweil kämpfte die Feuerwehr mit mehreren Trupps gegen die Feuersbrunst. Kameraden aus Feldafing, Maising und Traubing wurden nachalarmiert, ebenso der Einsatzleitwagen aus Percha zur Führungsunterstützung. Während einige Trupps die Flammen von außen mit mehreren Löschrohren bekämpften, waren andere – ausgerüstet mit Atemschutzgeräten – im Innenangriff im Einsatz.

Um besser an das abgelegen liegende und eingewachsene Haus zu kommen, verschaffte sich die Feuerwehr über Nachbargrundstücke einen weiteren Zugang. Dafür musste sie jedoch Löcher in Hecken schneiden, um zu dem Gebäude zu gelangen. Im vorderen Bereich mussten die Kameraden zudem 60 Meter Schlauchleitung bis zum Verteiler verlegen. Der Einsatz der Drehleiter war aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht möglich, berichtet der Sprecher der Kreisbrandinspektion, Anton Graf.

Das führte dazu, dass auch die Bekämpfung der Flammen von oben kompliziert war. Das Feuer fraß sich nämlich bis in die Wärmedämmung des Daches. Um dort wirksam gegen die Flammen und gegen Glutnester vorzugehen, mussten die Feuerwehrleute das Dach öffnen.

Auch aus diesem Grund zog sich der Einsatz über mehrere Stunden hin. Die Brandwache war erst am Samstag gegen 9 Uhr fertig, das Einsatzende hat Kommandant Kammerlocher für 10.30 Uhr notiert – knapp 15 Stunden nach dem Eingang des Alarms.

Insgesamt waren 105 Feuerwehrleute im Einsatz, berichtet Kreisbrandinspektor Graf. Einer von ihnen verletzte sich bei einem Sturz am Knie und kam zur Sicherheit in die Klinik. Dazu kamen sechs Rettungswagen samt Besatzungen, mehrere Notärzte und der Rettungshubschrauber. 

Großeinsatz in Pöcking: Mehrere Rettungshubschrauber fliegen Verletzte aus

Auch mehrere Streifenwagen der Polizei waren in Pöcking. Alarmiert wurde zudem die schnelle Einsatzgruppe der BRK-Bereitschaften, die mit weiteren 25 Kräften und acht Fahrzeugen am Einsatzort war. Die Rotkreuzler aus Gauting, Gilching, Herrsching, Seefeld, Starnberg und Tutzing bauten die Feldküche auf. „Sie bereiteten im Akkord Kalt- und Warmverpflegung für die Feuerwehrler zu“, berichtet Sandra Victoria Rothhaar von der Kreisbereitschafsleitung des BRK. Bei Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt waren vor allem heiße Getränke gefragt.

Die wirtschaftliche Bilanz des Brandes ist verheerend. Erd- und Dachgeschoss sind großteils ausgebrannt, das Einfamilienhaus ist unbewohnbar. Die Polizei schätzt den Schaden auf bis zu eine Million Euro. Die Ursache war am Sonntag noch unklar. Brandfahnder der Kripo Fürstenfeldbruck ermitteln.

Es war ein Inferno, das es in Pöcking lange nicht mehr gegeben hat. Georg Kammerlocher kann sich jedenfalls nicht daran erinnern, in den vergangenen 35 Jahren einen solch verheerenden Brand in der Gemeinde erlebt zu haben. Großes Lob und großen Dank zollt er allen Einsatzkräften: „Die Zusammenarbeit hat hervorragend geklappt“, sagt er.

Das Gebäude ist unbewohnbar. Die Polizei schätzt den Schaden auf bis zu eine Million Euro. Der Feuerwehreinsatz dauerte insgesamt 15 Stunden.

Auch dramatisch: Erst bedrohte ein 19-Jähriger seine Pfleger in der Psychiatrie mit einem abgebrochenem Tischbein. Dann eskalierte die Situation völlig - und die Feuerwehr musste anrücken.

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