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Kam im Rahmen des von Sabine Thomas organisierten „Krimifestivals“ in die Gemeindebücherei Pöcking: Friedrich Ani.

Krimifestival

Anis neueste Gestalt

Pöcking - Wenn der preisgekrönte Krimi-Autor Friedrich Ani zur Lesung in die Bücherei Pöcking kommt, ist immer was geboten: Vor sieben Jahren krähten draußen Hähne um die Wetter, diesmal haperte es mit dem Nachschub an gekühltem Weißwein.

"Wenn ich ein leeres Glas sehe, geh’ ich normalerweise nach Hause“, so der bestens gelaunte Schriftsteller Friedrich Ani, der so darum bat, ihm doch noch mal einzuschenken. Die netten Damen aus der Bücherei waren nur derart hingerissen vom charmanten Auftreten des gebürtigen Kochelers, dass in ihren Händen praktisch der Wein warm wurde. Er war auf Einladung von Sabine Thomas im Rahmen ihres Krimifestivals gekommen.

Ani darf man nicht auf das Etikett „literarischer Krimiautor“ reduzieren: Der 57-Jährige liefert vielmehr seit gut drei Jahrzehnten rund um Mord- und Vermisstenfälle ausgefeilte Sozialstudien und Psychogramme ab, die teils sogar verfilmt wurden – seine „Helden“ sind Kommissare, Opfer, deren Angehörige und zuweilen auch die Täter.

„Der namenlose Tag“, 2015 bei Suhrkamp erschienen und diesmal Gegenstand von Anis Lesung, führt die Figur des frisch pensionierten Kripobeamten Jakob Franck ein. Der wird auch im Ruhestand noch heimgesucht vom „Personal“ seiner Berufslaufbahn. Eines der Kapitel heißt folglich „Besuch der Toten“ – Franck wird an einen lange zurückliegenden Fall erinnert. Und so meditiert er sich erneut in die damaligen Gefühle und die für sein eigenes Leben so entscheidenden Umstände hinein, als ein siebenstündiges, tröstendes Umarmen der Mutter eines getöteten Mädchens den Kriminaler emotional aus der Bahn geworfen hatte.

Ani, der sozio-psychologische Deuter und genaue Beobachter, ist auf der Höhe seiner Schriftsteller-Kunst, wenn er etwa über den ganz und gar nicht routinierten Moment der Todesmitteilung durch den Polizeibeamten schreibt: „...er hielt den Tränen stand; den vom Lodern der Augen panisch flüchtenden Blicken; den implodierenden Stimmen; dem Weltuntergang; und oft dem einen Schrei eines Angehörigen, der aus der Obhut seines Lebensbauches in den grellen Tod gerissen wurde, in dem er von nun an existieren musste, und der in der Dauer eines Lidschlags begriffen hatte, dass eine Umkehr ausgeschlossen war.“

Jakob Franck steht in einer Reihe mit vielen anderen Ani-Geschöpfen. An die 30 Romane sind es inzwischen, in denen der Autor den Abgründen der menschlichen Seele nachspürt. „Ich schreibe gerne, aber ich muss auch schreiben, um Geld zu verdienen“, plaudert der Träger des Deutschen Krimi-Preises ziemlich unverstellt. Morgendliches Schreiben liege ihm mehr als das am Abend. „Der namenlose Tag“ sei in nur vier Monaten entstanden, das sei „für seriöse Krimiautoren schon flott“, so Ani. Natürlich recherchiere er für seine Bücher „auch in gastronomischen Betrieben“, räumt er auf eine Zuhörer-Frage ein. Den leicht „abgestürzten“ Gestalten in seinen Geschichten gibt er bei der Lesung eine bemerkenswert authentisch verwaschene Stimme. Ja, das Thema „Selbstmord“ fasziniere ihn. Dann erhebt er sich nach 20 Minuten „Autorenbefragung“ vom Stuhl – Bücher signieren. Und endlich wird ihm auch kühler Weißwein nachgeschenkt.

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