Hält sein Gesicht bedeckt: der 43-jährige Amokfahrer von Pöcking mit seinen Anwälten Matthias Trepesch (l.) und Peter Pospisil beim Prozessauftakt.
+
Hält sein Gesicht bedeckt: der 43-jährige Amokfahrer von Pöcking mit seinen Anwälten Matthias Trepesch (l.) und Peter Pospisil beim Prozessauftakt.

Nach Vorfall im Mai 2020

Fünfeinhalb Jahre Haft für Pöckinger Amokfahrer: Verteidiger legen Revision ein

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
    schließen

Ein 43-Jähriger hat im Mai 2020 versucht, seine Freundin in Pöcking mit dem Auto zu überfahren. Dafür muss der Mann nun für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Allerdings haben seine Anwälte Revision gegen das Urteil eingelegt.

Update vom 8. April:

Fünfeinhalb Jahre Gefängnis dafür, dass er versuchte, seine Freundin mit dem Auto zu überfahren: Den Anwälten des 43-jährigen Amokfahrers von Pöcking geben sich mit dem Urteil des Landgerichts München II nicht zufrieden. Von ihrer Seite sei Revision eingelegt worden, genau wie von der Verteidigung einer Nebenklägerin. Das bestätigte das Gericht auf Nachfrage des Starnberger Merkur.

Über die Revision entscheidet nun der Bundesverwaltungsgerichtshof in Karlsruhe. Möglich ist vieles, wie ein Sprecher des Landgerichts II erklärte: dass das Urteil wegen rechtlicher Fehler zurückgenommen wird und die komplette Beweisaufnahme wiederholt werden muss; dass nur das Strafmaß neu angesetzt werden muss; aber auch, dass die Revision erfolglos bleibt. Die Entscheidung dürfte sich noch einige Wochen hinziehen. Bislang ist noch nicht einmal die Urteilsbegründung fertig.

Ursprungsartikel vom 24. März

Pöcking – Wäre Gewalt gegen Frauen ein niedriger Beweggrund, wäre die Amokfahrt von Pöcking im Mai 2020 vielleicht doch als versuchter Mord verurteilt worden. So aber stufte das Landgericht München II gestern die Auto-Attacke eines 43-Jährigen nur als gefährliche Körperverletzung ein. Der Mann hatte aus gekränkter Eitelkeit versucht, seine Freundin über den Haufen zu fahren. Nun muss er für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis.

„Es tut mir Leid, ich würde das gerne rückgängig machen“, sagte der Angeklagte nach den Plädoyers. Da stand die Forderung des Staatsanwalts Matthias Braumandl von zehn Jahren Haft im Raum – das höchstmögliche Strafmaß für dieses Delikt. Die Verteidiger des 43-Jährigen, Matthias Trepesch und Peter Pospisil, plädierten auf eine zweijährige Bewährungsstrafe. Sie erkannten keine Amokfahrt in eine Gruppe. Die beteiligten Personen seien wie an einer Kette hintereinander unterwegs gewesen. Wie durch ein Wunder war den Anschlagsopfern körperlich kaum etwas passiert.

Freundin wollte kein Kind mit dem 43-Jährigen

Die Pöckinger Nachbarn waren an jenem Mai-Tag gerade mit der Freundin des Angeklagten aus dem Krankenhaus München-Schwabing zurückgekehrt. Dort hatte die Freundin eine Abtreibung vornehmen lassen. Sie wollte kein Kind mit dem 43-Jährigen. Weil der Angeklagte sie ständig kontrollierte, bauten ihr die Nachbarn ein Alibi und begleiteten sie ins Krankenhaus. Der Freund kam dahinter und lauerte der Gruppe mit laufendem Motor auf. Mit hohem Tempo fuhr er auf die Gruppe los, bremste dann aber den Wagen auf 17 Kilometer pro Stunde herunter und rammte einen Mercedes.

Dabei erwischte er eine Jugendliche (15), die ihren Eltern entgegenlaufen wollte. Beim Zurücksetzen riss er sie zu Boden, ihre Mutter stürzte vor Schreck. Ihr Vater schützte das Mädchen, das bei einer Kollision wenig Überlebenschancen gehabt hätte. Ob die Freundin durch den Wagen am Bein gestreift wurde oder durch den Aufprall des Amokwagens gegen ein parkendes Auto zu Fall kam, ist ungeklärt.

Staatsanwalt spricht von „Suizidlein“

Anschließend war der 43-Jährige davongebraust und hatte seinen Wagen gegen einen Baum gelenkt, um sich umzubringen. Staatsanwalt Braumandl sprach von einem „Suizidlein“. Wenn man es ernst meine, würde man sich anders verhalten, sagte er. Bei der Aktion verletzte sich der 43-Jährige so schwer am Sprunggelenk, dass von einer dauerhaften Erwerbseinschränkung ausgegangen werden muss.

Der Nebenkläger hatte für die Jugendliche als Täter-Opfer-Ausgleich 10 000 Euro gefordert. Er hielt im Gegensatz zum Staatsanwalt auch am Mordversuch fest. Zwar sei der Versuch an sich fehlgeschlagen, es sei aber kein Rücktritt erfolgt, so die Rechtsauffassung des Familien-Anwalts. Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Thomas Bott sah das anders. Den zunächst angeklagten Vorwurf des versuchten Mordes erkannte die Kammer als nicht haltbar. Der zutiefst gekränkte Mann sei zwar mit bedingtem Tötungsvorsatz losgefahren, aber durch das Bremsen vom Vorsatz zurückgetreten. Neben der Haftstrafe wurde noch eine vierjährige Sperrfrist für den Führerschein verhängt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare