Verteilt Essen nur noch in Glasschalen: Garibaldi-Wirt Michael Heinen aus Pöcking störte der viele Müll durch seinen Abhol- und Lieferservice. Nach der Umstellung sagt er: „Das kommt bei der Kundschaft gut an.“
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Verteilt Essen nur noch in Glasschalen: Garibaldi-Wirt Michael Heinen aus Pöcking störte der viele Müll durch seinen Abhol- und Lieferservice. Nach der Umstellung sagt er: „Das kommt bei der Kundschaft gut an.“

Auswirkungen des Lockdowns

Verpackungen ohne Ende wegen Corona: Wie Gastronomen Müll vermeiden

  • Stephan Müller-Wendlandt
    vonStephan Müller-Wendlandt
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Mehr Müll wegen Corona: Das beobachtet das Abfallwirtschaftsunternehmen AWISTA. Dahinter steckt nicht nur das boomende Online-Shopping, sondern auch der Abhol- und Lieferservice in der Gastronomie. Immerhin: Viele Wirte bemühen sich, ihre Speisen nachhaltig verpackt an die Kunden abzugeben.

Landkreis – Penne arrabiata in der wärmespeichernden Aluminiumbox mit Pappdeckel, Eintopf in der Styroporschachtel, Rinderroulade mit Blaukraut und Knödel im Drei-Kammer-Teller samt Deckel – alles aus Plastik. Wie im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr darf die Gastronomie seit Anfang November ihre Gäste nicht mehr in den Gasträumen bewirten. Die zweite strenge Lockdown-Welle verbietet das zudem bis mindestens 10. Januar. Die meisten Wirte bemühen sich, ihre Kundschaft mit Liefer- und Abholservice bei der Stange und sich finanziell einigermaßen über Wasser zu halten. Weil es wegen der strengen Kontaktbeschränkungen und aus hygienischen Gründen nicht möglich ist, die Speisen in mitgebrachte Behältnisse oder auf Tafelgeschirr zu schaufeln, haben sich einige Gastronomen nachhaltige Transportmöglichkeiten einfallen lassen – um nicht kompostierbaren und recyclebaren Verpackungsmüll zu vermeiden.

Michael Heinen ist einer von ihnen. Der Pöckinger ist Inhaber der Trattoria Garibaldi und betreibt auch das Restaurant Forsthaus am See in Possenhofen. Wer bei ihm sein Leibgericht bestellt, holt es im wiederverwendbaren Glasgeschirr ab oder bekommt es auch so geliefert. „Ich habe mich geärgert beim ersten Lockdown, meinen Plastikabfall vom Abhol- und Lieferservice überall in den gelben Säcken sehen zu müssen“, sagt Heinen, „deshalb haben wir nun umgestellt auf Glasschalen, und das kommt bei der Kundschaft gut an.“ Fleisch wird samt Sauce in einer separaten Schale geliefert oder abgeholt, getrennt vom Gemüse und vom Knödel, der im Kochsud daherkommt. „Alles liefern wir auf Wunsch auch nach Hause und stellen es zum Nachwärmen in den vorgeheizten Ofen“, erläutert der Wirt. Das Glasgeschirr werde von den Kunden gerne zurückgebracht, „bei uns kommt des dann in die Profi-Spülmaschine und wird bei 90 Grad hygienisch einwandfrei gereinigt“. Nur bei der Pizza-Lieferung kann auch Heinen auf die Pappschachtel nicht verzichten, „aber die besteht ja aus wiederverwertbarem Material“.

Wirtin: „Statt Plastik benutze ich Behälter, die aus Zuckerrohr hergestellt werden“

Für ihr nachhaltiges Handeln ist Carola Petrone vom „Il Cielo“ (Gasthof Plonner in Oberpfaffenhofen) bekannt. Sie betreibt auch ein Catering für Kindertagesstätten und Schulmensen. Auf Nachhaltigkeit legt sie deshalb währen der Corona-Krise besonderen Wert. Ihre Verpackung besteht aus recyceltem und wiederverwertbarem Material. „Statt Plastik benutze ich Behälter, die aus Zuckerrohr hergestellt werden“, berichtet die Wirtin. Wird das von der Kundschaft honoriert? Petrone ist sich da nicht sicher: „Es ist traurig, dass das Thema in diesen Zeiten so in den Hintergrund rutscht.“

Nachhaltigkeit hat auch bei der Herrschinger Post-Wirtin Elisabeth Walch Priorität. Wer Geflügel beim Post-Gasthof ordert – eine oder mehrere Enten oder Gänse samt Beilagen –, bringt das passende Geschirr in einem Korb vorbei und kann das fertige Mahl wenig später abholen. „Wir brauchen eine Vorlaufzeit von etwa zwei Stunden“, erklärt die Wirtin. Dieses Abholsystem funktioniert auch, wenn jemand mehr bestellt, „zum Beispiel auf einen Schlag zehn Schnitzel“, so Walch. Bei anderen A-la-Carte-Bestellungen verpackt des Küchenteam die Speisen in Pappschachteln, „und die sind auch aus nachhaltigem, weil recyclebarem Material“, versichert Walch.

Coronakonform zur Essensausgabe

Recyclebar ist auch die Verpackung, die der Seefelder Gasthof Ruf verwendet. „Das sind Behältnisse aus Bambus oder einem hitzebeständigen Material, was auch zum Aufwärmen daheim im Backrohr oder im Wasserbad geeignet ist“, sagt Thomas Ruf, „und zu 100 Prozent wiederaufbereitet werden kann.“ Ein Wegweiser geleitet die Kunden im Lokal coronakonform zur Essenausgabe und zurück. „Unsere Gäste sind sehr zufrieden mit dem Service“, erklärt der Wirt. Und sie erfüllen damit einen karitativen Zweck: „Zwei Euro pro Bestellung gehen als Spende an den 32-jährigen Dario aus Seefeld, der an ALS erkrankt ist und sich seine Wohnung behindertengerecht umgestalten lassen muss.“

Das Abfallwirtschaftsunternehmen AWISTA begrüßt das Bemühen der Gastronomie. In den ersten drei Quartalen heuer ist das Müllaufkommen um drei Prozent gewachsen im Vergleich zu den vergangenen vier Jahren, erklärt Sprecher Sebastian Roth. Auffällig seien die vielen Kartonagen und Pappschachteln. Um Befürchtungen vorzubeugen, weist Roth darauf hin, dass die Wertstoffhöfe in allen Gemeinden trotz Lockdown wie gewohnt geöffnet bleiben – mit Ausnahme der auch sonst üblichen Schließungen an Feiertagen. Roth appelliert an Verbraucher, unnötige Fahrten zu vermeiden und verweist auf das bewährte Holsystem für Restmüll, Papier und gelbe Säcke. „Wer sich die Zeit nimmt, Kartonagen sorgfältig zusammenzufalten, läuft nicht so schnell Gefahr, dass die Papiertonne überquillt.“

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